Bilfinger: Roland Kochs schwierige Mission

Bilfinger: Roland Kochs schwierige Mission

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Bilfinger-Chef Roland Koch (Mitte) bringt in Katar Journalisten sein neues Verständnis des Baukonzerns näher.

von Harald Schumacher

Der Ex-Politiker Roland Koch hat als Jung-Manager eine schwierige Mission: die Wirtschafts- und Finanzwelt davon zu überzeugen, dass der Bilfinger-Konzern kein margenschwacher Baukonzern mehr ist, sondern ein renditestarker Dienstleister mit viel technischen Know-how und nur noch ein bisschen Bau im Leistungsangebot. Stimmt alles. Aber der Botschaft fehlt die Strahlkraft.

Donnerstag vergangener Woche, morgens um sechs. Nach fünf Stunden Nachtflug ist eine Lufthansa-Maschine im Anflug Richtung Frankfurter Flughafen. Unter den Passagieren, die sich verpennt und verspannt aus den Ledersitzen quälen: der frühere Spitzenpolitiker und heutige Top-Manager Roland Koch, der seit Mitte 2011 den Bilfinger-Konzern leitet.

Hinter dem 54-Jährigen liegen drei kompakte Tage in Dubai und Katar, in denen er einem Dutzend Journalisten Bilfingers neue Geschäftsfelder zu erklären versuchte. Vor ihm liegt ein Tag, an dessen Ende klar sein wird, dass es eine Sisyphusaufgabe ist, die er sich mit der Verbreitung dieser Botschaft aufgeladen hat.

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Denn für alle Welt ist Bilfinger immer noch ein Baukonzern. Koch aber will alle Welt davon überzeugen, dass er das nicht mehr ist – sondern ein Dienstleister mit großem Knowhow beim Betreuen von Kraftwerken, Industrieanlagen und Immobilien. Bilfinger baut zwar immer noch U-Bahnen zum Beispiel in Düsseldorf, Berlin - und auch in Köln, wo das gehörig schief ging. Bilfinger baut auch die weiteren Gebäude der Thyssen-Zentrale in Essen. Aber nur rund ein Viertel trägt das Bauen noch zum Bilfinger-Umsatz von fast anderthalb Milliarden Euro bei – dank Dutzender von Firmenzukäufen aus verschiedenen Dienstleistungsbranchen.

Suche nach der griffigen Definition

„Wir sind ein ingenieurgetriebener Dienstleistungskonzern“, hat Koch das Unternehmen deshalb 2011 umdefiniert. Doch irgendwie kam das neue Etikett nicht gut rüber. „Getrieben“ hören die Deutschen nicht gerne, gesteht er deshalb am Dienstagmorgen vor den Journalisten im Four-Seasons-Hotel von Doha ein. „Ingenieurgetrieben“ ist also ad acta gelegt. Und Koch erklärt in einem der holzgetäfelten noblen Konferenzräume des Hotels per Powerpointpräsentation, wie sich der M-Dax-Konzern nun definiert: nämlich als „der internationale Engineering- und Servicekonzern“. Aha. Aber wabert der Begriff nicht irgendwie? Service ist schließlich alles - und manchmal auch nichts.

„We create“, „We care“, „We can“. steht auf einer der Powerpoint-Folien, die Koch an die Wand wirft. Wahlweise auch auf Deutsch: „Wir bewegen was“, „Wir kümmern uns“, „Wir können das“. Aber was nochmal?

Also raus aus dem tief gekühlten Hotel-Seminar und rein in die schwüle Hitze von Doha. Busfahrt zur Meerwasserentsalzungsanlage Ras Abus Fontas. Hat Bilfinger die gebaut? Eben nicht! Das Gemeinschaftsunternehmen Deutsche Babcock Al Jaber, das Bilfinger zu 40 und einer staatlichen Gesellschaft von Katar zu 60 Prozent gehört, modernisiert hier die riesigen Verdampfungseinrichtungen, montiert die Rohrleitungssysteme und hält die ganze Anlage in Schuss, von der die Trinkwasserversorgung der Hochhaus-Metropole Doha abhängt. Ein Dienstleister halt.

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