Bilfinger: Tauziehen auf Vorstandsebene

KommentarBilfinger: Tauziehen auf Vorstandsebene

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Der Vorstandsvorsitzende des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, konnte endlich das monatelange Patt im Vorstand beenden

von Harald Schumacher

Roland Koch entmachtet die Teilkonzerne in seinem Unternehmen und beendet damit ein monatelanges Patt in der Bilfinger-Führung.

Bilfinger-Insider zeigen sich anderthalb Wochen nach dem Showdown im Top-Management des Konzerns vor allem erleichtert. Dass Thomas Töpfer, der bisherige Chef der Industriesparte, das Unternehmen verlässt, beendet ein offenbar monatelanges Patt, von dem die Öffentlichkeit kaum etwas mit bekommen hat. Töpfer, der über zwei Fünftel des Gesamtkonzerns bestimmte, und Vorstandschef Roland Koch zogen zwar am selben Strang, aber in gegensätzliche Richtungen.

Der langjährige Bilfinger-Manager Töpfer, der sich große Hoffnungen gemacht hatte, 2011 selber den Vorstandsvorsitz zu übernehmen und stattdessen den Seiteneinsteiger Koch als Chef bekam, setzte auf möglichst selbständig agierende Teilkonzerne. Koch wiederum hielt genau das für falsch, weil vor allem die autarken, von München aus agierenden Bilfinger-Industrie-Dienstleister unter Töpfer die lästige Zentrale in Mannheim quasi kalt stellten.

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Nun schafft Koch mit dem Kontrahenten die gesamte Teilkonzernebene aus dem Weg. Vor allem in deren Verwaltungen entfallen in den nächsten Monaten Funktionen und damit ein Großteil der 1250 Stellen, die Bilfinger abbauen will.

Vom Regen in die Traufe

Das Patt im Vorstand musste beendet werden - irgendwie, sagen Top-Manager des Konzerns. Von der Form her soll das gentlemanlike, ohne Eskalation und gegenseitige Verletzungen abgelaufen sein. Nicht gesagt ist damit, dass Töpfers Vision vom schwer zu greifenden Dienstleistungs-Konzern Bilfinger falsch war und dass die von Koch richtig ist. Womöglich funktionieren beide Strukturen - aber nicht gleichzeitig. Koch führt das M-Dax-Unternehmen künftig klar als "integrierten Konzern mit Sparten" und will mit mehr Durchgriff von oben das organische Wachstum erhöhen - von derzeit zwei bis drei auf künftig fünf Prozent.

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Doch wenn der Ex-Politiker über sein Unternehmen spricht, klingt das zunehmend irritiert - als sei er beim Wechsel von der trägen hessischen Landesverwaltung in die Wirtschaft vom Regen in die Traufe geraten. Die Mailadressen der rund 500 Bilfinger-Einzelfirmen zu vereinheitlichen, habe "heftige Diskussionen" erfordert, berichtet er - und ätzt, nicht jeder Bilfinger-Bereich mit einem eigenen Computersystem "hat Interesse, es möglichst schnell den anderen anzugleichen". Als er sein Ministerpräsidentenamt in Hessen niederlegte, habe "die gesamte Landesverwaltung eine einheitliche IT gehabt", legt Koch nach - in diesem Punkt also war die Wiesbadener Bürokratie weiter als die Behörde Bilfinger heute.

Das Tauziehen in der Mannheimer Chefetage ist vorbei. Nun kann es nur noch in die eine Richtung voran gehen, in die von Koch vorgegebene Integration. Ob die entmachteten Teilkonzerne und vor allem die Industriesparte, die ihren langjährigen Chef verloren hat, dabei mitziehen, ist die große Frage.

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