Bilfinger verkauft Energie-Sparte: Panik auf der Bilfinger-Titanic

KommentarBilfinger verkauft Energie-Sparte: Panik auf der Bilfinger-Titanic

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Bilfinger muss sich verkleinern.

von Harald Schumacher

Es sollte Handlungsfähigkeit demonstrieren, was der neue Bilfinger-Chef Per Utnegaard in Abstimmung mit Großinvestor Cevian verkündete: Bilfinger werde sein durch und durch krankes Standbein, den Power-Bereich, abstoßen. Ein krasser Entschluss nach nur 17 Tagen Amtszeit.

Bilfinger wird seine Energie-Sparte verkaufen, das steht seit dieser Woche fest. Ein krasser Entschluss von Per Utnegaard, der nicht einmal drei Wochen auf dem Chefsessel sitzt. Auf den zweiten Blick zeigt der radikale Schnitt bei dem tief abgestürzten Mannheimer M-Dax-Konzern aber etwas ganz anderes: Panik herrscht auf der "Mannheimer Titanic" namens Bilfinger.

„Wer verkaufen will, müsste erst mal den Markt sondieren“, kommentiert ein Top-Manager mit ganz engem Bilfinger-Draht kritisch den Schnellschuss. Sondierung aber hat faktisch kaum stattgefunden. Ein Jahr will Utnegaard nach einem Käufer suchen. Das lähmt nicht nur die Mitarbeiter in der Power-Sparte, sondern hat negative Auswirkungen in den ganzen Konzern hinein, der mal vom Bau kam und nun ansonsten von Industriedienstleistungen und Gebäudemanagement lebt.

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Utnegaards Botschaft ist eine 180-Grad-Wende. Bilfinger-Konzernarchitekt und Interimschef Herbert Bodner vertrat bis zu seinem endgültigen Abschied Ende Mai die Ansicht, alle Sparten sollten beieinander bleiben. Nach fast einem Jahr Bodner-Agonie folgt nun der Juni-Schock. Mit Strategie hat das alles nimmer noch nichts zu tun.

Verkauf kann zusätzliche Kosten bringen

Außerdem: Den desolaten Power-Bereich nun als Totalschaden zu verkaufen, kann leicht zusätzliche Kosten statt echte Erträge bedeuten, die Utnegaard gerne hätte. Wer soll zuschlagen bei einem Bereich, der seinen Markt verloren hat, korruptionsbelastet ist und von dem zuletzt fünf Gewinnwarnungen ausgingen? Ein Käufer wird in der besten Verhandlungsposition sein und Forderungen ohne Ende stellen – Bilfinger will die Sparte ja bloß noch los werden, irgendwie.

Einzelteile des Power-Bereichs stehen sicher noch gut da und ließen sich zu separat einem angemessenen Preis veräußern. Würde Utnegaard aber diesen Weg wählen, behielte er am Ende nur die Leichen im Keller – viele Leichen. Auch keine schöne Aussicht und deshalb offenbar keine Option.

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Die anspruchsvolle Alternative wäre, den in gut zehn Jahren zusammen gekauften Energiedienstleistungsbereich zu sanieren, zu konzentrieren, zu internationalisieren – und in diese Entwicklung glaubwürdig zu investieren. Genau das traut der Investor Cevian sich und der Bilfinger-Mannschaft offenbar nicht mehr zu und sucht Hals über Kopf ein Ende mit Schrecken.

Für den eben genannten Bilfinger-Intimus ist das „eine Bankrotterklärung“.

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