BMW attackiert Bundesregierung: Stromstöße für die deutsche Politik

BMW attackiert Bundesregierung: Stromstöße für die deutsche Politik

, aktualisiert 12. Januar 2016, 16:13 Uhr
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Der i3 ist zwar das meistverkaufte Elektrofahrzeug in Deutschland, zufrieden ist der Konzern aber mit den Verkaufszahlen nicht.

von Christian SchnellQuelle:Handelsblatt Online

Der Autohersteller BMW hadert mit dem heimischen Markt. Der Konzern macht die Politik verantwortlich für den lahmen Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland und verweist auf Erfolgserlebnisse in anderen Ländern.

DetroitEs sind diese Meldungen, für deren Wertung es einen großen Unterschied macht, ob die relativen oder die absoluten Zahlen betrachtet werden. 29.513 seiner elektrisch angetriebenen Modelle i3 und i8 hat BMW im vergangenen Jahr weltweit verkauft. Gut 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu den mehr als zwei Millionen Autos, die die Münchener hingegen insgesamt verkauft haben, fällt der Anteil der vor knapp drei Jahren gestarteten Modellreihe hingegen weiterhin verhalten aus. Insgesamt wurden bis Ende vergangenen Jahres 47.617 Stück abgesetzt.

„Unsere Hybridmodelle verkaufen sich vor allem dort gut, wo es ein politisches Interesse an Alternativen Antrieben gibt“, begründet Ian Robertson die ungleichen Verkaufszahlen. Auf dem BMW-Stand bei der Detroiter Auto-Show nehmen die Elektromodelle wie schon in den Vorjahren wieder einen großen Platz ein.

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BMWs Vertriebschef kann sich zwar über achtbare Verkaufszahlen in Norwegen, den Niederlanden, aber auch in den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan freuen. Mit Deutschland hadert er jedoch. „Deutschland will hier stets Schritte in diese Richtung unternehmen, macht bislang aber zu wenig“, hadert er mit dem Heimatmarkt. In der Tat zählen die Modelle i3 und i8 im deutschen Straßenverkehr noch immer zu den Exoten. Wer einen erblickt, schaut sich danach um.

„Warum gehen 20 Prozent unserer Elektrofahrzeuge i3 und i8 nach Norwegen?“, fragt der 57-jährige Brite, um sich gleich selbst die Antwort zu geben. „Weil die Elektromobilität dort politisch gewünscht ist.“ Robertsons damit verbundene Klage ist in der Industrie nicht neu. Selbst gehe man mit revolutionären Entwicklungen in Vorleistung, dagegen setze die Politik weiter die falschen Anreize. Der Durchbruch am Massenmarkt bleibt damit aus. Gerade dann, wenn die Preise für Diesel und Benzin wie im Moment auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt liegen.

Auf die Elektromodelle will man bei BMW trotzdem weiter setzen, mit der Brennstoffzelle als weiterem alternativen Antrieb will er jedoch noch etwas warten, ehe BMW hier etwas Eigenes vorstellt. Auch wenn es mit Toyota bereits seit rund vier Jahren eine Kooperation zu diesem Thema gibt und die Japaner bereits im vergangenen Jahr eine Kleinserie ihres Brennstoffzellenautos Mirai vorgestellt haben. Und auch, dass der Wettbewerber Audi in Detroit den Prototypen h-tron präsentiert hat, versetzt Robertson bei dem Thema nicht in Eile.

Man habe schließlich ebenfalls einiges in der Pipeline. „Solange es aber bestenfalls in den Großstädten überhaupt eine kleine Infrastruktur gibt, ist es für dieses Thema zu früh, um ein serienreifes Modell vorzustellen“, so Robertson. In Deutschland gibt es gerade mal eine zweistellige Zahl an Zapfsäulen für Wasserstoff. Aktuell können BMW mit seinen Elektrofahrzeugen noch eine weitaus ausgereiftere Technik zum günstigeren Preis anbieten.

Die ständigere Weiterentwicklung Alternativer Antriebe ist die eine Seite bei BMW, das Geld verdient wird jedoch weiter mit Verbrennungsmotoren. Besonders mit dem Diesel. Und besonders in Europa. Bei rund 80 Prozent liegt BMWs Anteil hier, während er in den USA fünf Prozent beträgt und in China null. Die Gewohnheiten der Kunden dürften sich aber nicht so schnell ändern lassen. „Deswegen wird der Diesel auch 2020 noch eine bedeutende Rolle in Europa spielen“, ist sich Robertson sicher.

Quellle:  Handelsblatt Online
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