BMW-Chef Reithofer: "Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr"

BMW-Chef Reithofer: "Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr"

, aktualisiert 09. Februar 2012, 09:59 Uhr
von Tino AndresenQuelle:Handelsblatt Online

Es ist eigentlich der große Tag von Daimler-Chef Dieter Zetsche. Aber auch BMW-Lenker Norbert Reithofer tritt medienwirksam auf. Er hat den Stuttgarter Rivalen hinter sich gelassen - und formuliert ehrgeizige Ziele.

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Der Vorstandsvorsitzende der BMW AG, Norbert Reithofer, bei der Präsentation eines neuen Modells der BMW 3er Serie.

BochumWährend Daimler-Chef Dieter Zetsche in Stuttgart vor die Presse tritt, um die Bilanz des Autokonzerns zu präsentieren, betritt BMW-Chef Norbert Reithofer die Bühne des Car-Symposiums in Bochum. Und Reithofer kann ganz entspannt auftreten, auch wenn der große Stuttgarter Rivale im Jubiläumsjahr auf den ersten Blick glänzende Zahlen präsentieren kann.

Die Schwaben haben unter dem Strich sechs Milliarden Euro verdient, vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten waren es sogar neun Milliarden Euro. Im Verhältnis zum Umsatz entspricht das einer Rendite von neun Prozent. Ein guter Wert. Doch diese sogenannte Ebit-Marge dürfte Reithofer mühelos übertreffen. Sogar beim Börsenwert waren die Bayern 2011 vorübergehend vorbeigezogen – eine Premiere.

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Beim Absatz, das ist schon jetzt bekannt, hat BMW Daimlers wichtigste Sparte, Mercedes-Benz Cars, im vergangenen Jahr abgehängt – und zwar deutlich: mit 1,67 Millionen im Vergleich zu 1,38 Millionen verkauften Autos. Wenn man den Kleinstwagen Smart nicht berücksichtigt, hat sogar Audi die Stuttgarter überholt.

Mit der Vergangenheit hält Reithofer sich an diesem Vormittag aber nicht lange auf. Er beschäftigt sich lieber mit der Zukunft. „Die Automobilbranche steht vor einem Technologiesprung.“, sagt er und vergleicht die technische Revolution in der Branche mit dem Übergang von der Schreibmaschine zum Laptop und Smartphone oder dem Wechsel vom Pferd zum Auto. Für den BMW-Chef steht fest: „Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr.“ 

Reithofer formuliert den Anspruch von BMW offensiv. „Wir wollen als Gewinner aus dem technologischen Umbruch hervorgehen.“ Dabei setzt er auf Evolution, darunter versteht er sparsame Motoren sowie Hybridantriebe, und auf Revolution, für ihn das emissionsfreie Fahren. 

Den derzeitige Entwicklung der Elektromobilität beurteilt Reithofer zwar zunächst skeptisch. „Der erste große Hype scheint verflogen“, sagt er. Doch BMW bringt die ersten für Elektroantrieb maßgeschneiderten Modelle seiner Submarke i ja erst kommendes Jahr auf den Markt. Mit großen Ambitionen, so Reithofer: „Wir wollen dazu beitragen, dass sich der iPhone-Effekt, Menschen und Märkte zu bewegen, einstellt.“ 

Für Daimler sind das keine guten Nachrichten. Denn der Auto-Analyst Arndt Ellinghorst von der Schweizer Großbank Credit Suisse sagt: „Im Moment sehe ich nicht, wie Daimler wieder die Nummer eins in puncto Volumen und Profitabilität werden will.“ Kurzfristig ist er noch pessimistischer. „2012 wird Daimler den Rückstand nicht verringern können und 2013 möglicherweise sogar noch weiter zurückfallen.“

Und erst kürzlich hat er die gegenwärtigen Kraftverhältnisse auf den Punkt gebracht, indem er eine Studie überschrieb mit: „Was ist die Gemeinsamkeit zwischen Bayern München und BMW?“ Seine Antwort fiel schmerzhaft für Daimler aus: „Beide beherrschen ihre Liga.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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