Boehringer Ingelheim: Pharmariese steht vor größtem Zukauf der Firmengeschichte

Boehringer Ingelheim: Pharmariese steht vor größtem Zukauf der Firmengeschichte

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Boehringer will Sanofi kaufen.

Sanofi und Boehringer Ingelheim verhandeln über den milliardenschweren Tausch von zwei Sparten. Für Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern geht es um den größten Zukauf seiner Geschichte.

Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim steht vor dem größten Zukauf seiner Geschichte. Das Unternehmengreift nach dem milliardenschweren Tierarznei-Geschäft des französischen Pharmakonzerns Sanofi.

Dafür will Boehringer sein Geschäft mit rezeptfreien Arzneien und Gesundheitspräparaten an die Franzosen abgeben. Weil diese Sparte mit ihrem Verkaufsschlager "Mucosolvan"-Hustensaft aber weniger wert ist, würde Boehringer noch zusätzlich rund 4,7 Milliarden Euro an Sanofi zahlen, wie beide Unternehmen am Dienstag mitteilten.
"Unser gemeinsames Geschäft für Tiergesundheit wäre für weiteres Wachstum hervorragend aufgestellt - damit würde ein weltweit führendes Unternehmen entstehen", erklärte Boehringer-Chef Andreas Barner, der im kommenden Sommer nach 24-jähriger Tätigkeit für das Unternehmen in den Ruhestand geht. Durch den Zusammenschluss von Boehringer und der Sanofi-Sparte Merial entstünde nach dem US-Konzern Zoetis der zweitgrößte Anbieter im Markt für Tiergesundheit mit einem Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro. Merial wird mit 11,4 Milliarden Euro bewertet, die Selbstmedikations-Sparte (CHC) von Boehringer, also das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten, kommt auf einen Wert von 6,7 Milliarden Euro. Das CHC-Geschäft in China soll von der Transaktion ausgeschlossen bleiben.

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Boehringer Ingelheim - Der Konzern in Zahlen

  • Umsatz

    13,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2014.

  • Betriebsergebnis

    2,1 Milliarden Euro.

  • Mitarbeiter

    47.000 Mitarbeiter.

  • Bekannte Medikamente

    Spiriva: Das Arzneimittel zur Entspannung der Bronchialmuskeln bei Asthma-Erkrankungen wurde 1991 von Boehringer Ingelheim entwickelt. 2005 erhielt es den Robert Koch Award, eine Auszeichnung für eine herausragende Medikamentenentwicklung.
    Pradaxa: Wiederholt stand der Pharmakonzern wegen seines Blutgerinnungshemmers Pradaxa in der öffentlichen Kritik. 2011 war bekannt geworden, dass das Medikament zur Schlaganfallprävention mit Hunderten Todesfällen in Verbindung gebracht wurde.
    Thomapyrin: Thomapyrin ist ein schmerzstillendes und fiebersenkendes, rezeptfreies Medikament mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Koffein und Paracetamol.


Boehringer hatte sein Tiermedizin-Geschäft schon 2009 mit der Übernahme von Teilen des US-Tiergesundheitsspezialisten Fort Dodge gestärkt. Details zu der Transaktion wurden nie genannt, das Volumen war aber deutlich geringer als der nun geplante Zukauf. Eine Finanzierung des Deals dürfte für Boehringer kein Problem sein: Der 1885 gegründete Konzern hat laut Geschäftsbericht rund 8,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Die Tiermedizin gilt als lukratives Feld, da in den Industrieländern viel Geld für Haustiere ausgegeben wird und durch den Wandel der Ernährungsgewohnheiten die Nutztierhaltung in den Schwellenländern zunimmt. Außerdem ist der Tiermedizin-Markt im Gegensatz zur Hausmedizin nicht staatlich geregelt.

Boehringer Ingelheim Mitglied der Gründerfamilie übernimmt die Führung

Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern wird im kommenden Jahr erstmals seit 25 Jahren wieder von einem Mitglied der Inhaberfamilie geführt.

Der bisherige Finanzchef Hubertus von Baumbach wird zum 1. Juli 2016 neuer Vorsitzender der Unternehmensleitung. Quelle: dpa


Auch für Sanofi zahlt sich der Spartentausch aus: Die Franzosen würden nach eigenen Angaben mit einem künftigen Umsatz von gut fünf Milliarden Euro in diesem Jahr und einem globalen Marktanteil von rund 4,6 Prozent auf Platz eins der Anbieter von frei verkäuflichen Arzneimitteln vorrücken und an GlaxoSmithKline und Bayer vorbeiziehen. Finanzkreisen zufolge hatte Sanofi auch einen Börsengang seiner Tierarznei-Sparte geprüft. Der neue Firmenchef Olivier Brandicourt hatte Anfang November erklärt, sich vorerst auf magere Jahre einzustellen. Mit Investitionen in neue Medikamente will sich das Unternehmen gegen Einbußen im wichtigen Diabetes-Geschäft rüsten.

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