Bosch-Chef Volkmar Denner: „Mein Traum ist, dass wir den Krebs besiegen“

Bosch-Chef Volkmar Denner: „Mein Traum ist, dass wir den Krebs besiegen“

, aktualisiert 18. Juli 2016, 18:41 Uhr
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Chef Volkmar Denner hat einen „Kampfauftrag an meine Forscher“ ausgegeben.

von Martin-W. BuchenauQuelle:Handelsblatt Online

Der Technikkonzern Bosch hat den Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs aufgenommen. Neue Forschung soll vor allem den eigenen Mitarbeiter zugute kommen, die unter einem Tumor leiden. Was hinter Denners Plan steckt.

Der Autozulieferer und Technikkonzern Bosch hat ein „Bündnis gegen Krebs“ zusammen mit der Bosch Stiftung und dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gegründet. Dabei soll ein Forschungszentrum entstehen, das von der Robert Bosch Stiftung mit 24 Millionen Euro bis 2020 gefördert wird.

Außerdem sollen das Zentrum den Bosch-Beschäftigten zugute kommen. „Ab sofort werden wir Beschäftigten, die an einem Tumor erkrankt sind, auf Firmenkosten den Zugang zur neuesten Krebsdiagnostik hier im Krankenhaus ermöglichen“, kündigte Bosch-Chef Volkmar Denner am Montag in Stuttgart an. Bosch stellt dafür jährlich rund eine Million Euro zur Verfügung.

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Aber das Ganze ist mehr als nur eine Charity-Veranstaltung. Ein Blick zurück hilft: „Mein Traum ist es, dass wir mit Bosch den Krebs besiegen“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner bei der Grundsteinlegung für den 300 Millionen Euro teuren neuen Forschungscampus in Renningen im September 2012. Nun wird aus Bosch sicher kein Pharmakonzern, der Medikamente und Therapien entwickelt. Aber Denner legte damals den Grundstein für einen sogenannten „lab on the chip“. Dabei handelt es sich u8m ein Mikrosystem, das Diagnosen im Netz schnell verfügbar macht. „Das ist ein Kampfauftrag an meine Forscher“, sagte Denner damals, der eigentlich nicht für archaische Ausdrucksweise bekannt ist.

Wie Bosch 2015 abgeschnitten hat

  • Konzern

    Umsatz: 70,6 Milliarden Euro (2014: 64,2 Mrd.)*
    Ebit: 4,6 Milliarden Euro (2014: 3,7 Mrd.)*
    Operative Rendite: 6,5 Prozent (2014: 5,7 Prozent)
    Nettogewinn: 3,54 Milliarden Euro (2014: 2,64 Mrd.)

    Quelle: Geschäftsbericht 2014/2015

    *Pro-Forma-Angaben mit Automotive Steering und BSH Hausgeräte, die 2015 übernommen wurden: Ohne die beiden Sparten lag der Umsatz 2014 bei 49 Milliarden Euro, das Ebit bei 3,0 Milliarden Euro.

  • Mobility Solutions (Autozulieferer)

    Umsatz: 41,7 Milliarden Euro (2014: 37,2 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): 3.505 Millionen Euro (2014: 2.586 Mio.)
    Operative Rendite: 8,4 Prozent (2014: 7,0 Prozent)

  • Industrial Technology

    Umsatz: 6,6 Milliarden Euro (2014: 6,7 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): -104 Millionen Euro (2014: 67 Mio.)
    Operative Rendite: -1,6 Prozent (2014: 1,0 Prozent)

  • Consumer Goods (u.a. Werkzeuge und Hausgeräte)

    Umsatz: 17,1 Milliarden Euro (2014: 15,6 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): 1.226 Millionen Euro (2014: 1.031 Mio.)
    Operative Rendite: 7,2 Prozent (2014: 6,6 Prozent)

  • Energy and Building Technology

    Umsatz: 5,1 Milliarden Euro (2014: 4,6 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): 224 Millionen Euro (2014: 171 Mio.)
    Operative Rendite: 4,4 Prozent (2014: 3,7 Prozent)

Bosch ist stark im Bereich der Mikrosensorik. Auch haben die Schwaben schon optische Geräte zur Erkennung von Augenkrankheiten entwickelt. Und Bosch-Chef Denner lässt permanent nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für Bosch-Technologie Ausschau halten. Zu der gehört auch Software- und Internetkompetenz sowie eine eigene Cloud und damit Big-Data-Know-How.

Das Forschungszentrum in Renningen ist inzwischen mit 1.700 Forschern bezogen. An was die Bosch-Forscher in Renningen wirklich tüfteln, halten die Schwaben möglichst lange unter Verschluss. Ein Institut für Biotechnologie ist allerdings nicht dabei. Zu Bosch würde ohnehin eher Diagnostik als Therapie passen. Aber eines hat die Vergangenheit bislang gezeigt: Bosch-Chef Denner hat noch nie nur etwas so zufällig dahingesagt. Und schon gar nicht bei einer Grundsteinlegung.

Die weltweit größten Autozulieferer

  • Platz 10

    Faurecia (Frankreich)

    Umsatz 2016: 18,711 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 18,770 Milliarden Euro
    Veränderung: -0,3 Prozent
    Hauptprodukte: Sitze und Innenausstattung

    Quelle: Berylls Strategy Advisors

  • Platz 9

    Michelin (Frankreich)

    Umsatz 2016: 20,907 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 21,199 Milliarden Euro
    Veränderung: -1,4 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 8

    Bridgestone-Firestone (Japan)

    Umsatz 2016: 22,485 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 24,094 Milliarden Euro
    Veränderung: -6,7 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 7

    Aisin (Japan)

    Umsatz 2016: 27,977 Milliarden Euro

    Umsatz 2015: 24,133 Milliarden Euro
    Veränderung: +15,9 Prozent
    Hauptprodukte: Getriebe, Bremssysteme, Karosserie- und Motorenteile

  • Platz 6

    Hyundai Mobis (Südkorea)

    Umsatz 2016: 30,227 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 28,096 Milliarden Euro
    Veränderung: +7,6 Prozent
    Hauptprodukte: Cockpit-, Frontend- und Chassismodule

  • Platz 5

    ZF Friedrichshafen (Deutschland)

    Umsatz 2016: 32,353 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 27,113 Milliarden Euro
    Veränderung: +19,3 Prozent
    Hauptprodukte: Fahrwerks- und Antriebssysteme, Elektronik/Software

  • Platz 4

    Magna (Kanada)

    Umsatz 2016: 34,587 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 29,408 Milliarden Euro
    Veränderung: +17,6 Prozent
    Hauptprodukte: Karosserie & Fahrwerksysteme, Exterieur-Ausstattungen

  • Platz 3

    Denso (Japan)

    Umsatz 2016: 36,301 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 34,299 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,8 Prozent
    Hauptprodukte: Klimasysteme, Motorsteuerung, Human-Machine-Interface

  • Platz 2

    Continental (Deutschland)

    Umsatz 2016: 40,550 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 39,232 Milliarden Euro
    Veränderung: +3,4 Prozent
    Hauptprodukte: Brems-, Fahrwerk- und Sicherheitssysteme, Reifen

  • Platz 1

    Bosch (Deutschland)

    Umsatz 2016: 43.936 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 41,657 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,5 Prozent
    Hauptprodukte: Antriebs-, Sicherheits- und Komfortsysteme

Mit dem Bosch-Krankenhaus hat der Konzern einen direkten Zugang zur Praxis. Welcher andere Technologie-Konzern mit mehr als 70 Milliarden Euro Umsatz – außer Siemens mit seiner Medizintechnik in Erlangen – kann das schon von sich behaupten. Es ist ein „Kampfauftrag an meine Forscher“, sagt Denner.

Quelle:  Handelsblatt Online
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