BP: Öl-Riese macht höchsten Verlust seit 20 Jahren

BP: Öl-Riese macht höchsten Verlust seit 20 Jahren

, aktualisiert 02. Februar 2016, 11:46 Uhr

Die dauerhaft niedrigen Ölpreise haben dem Rohstoffriesen BP den höchsten Verlust seit 20 Jahren beschert, im vergangenen Jahr brach der Gewinn um die Hälfte ein. Das Unternehmen will weitere 3000 Stellen streichen.

Der rasante Ölpreis-Verfall hat BP 2015 tief in die roten Zahlen gerissen. Mit 6,5 Milliarden Dollar stand der höchste Verlust seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Bilanz, wie der britische Konzern am Dienstag mitteilte. Selbst 2010, als BP erste Belastungen aus der verheerenden Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko verbuchte, war das Ergebnis nicht so schlecht. Die Aktien des Konzerns büßten daraufhin in London fast acht Prozent ein. Das Management will nun den Stellenabbau ausweiten.

Der Ölpreis ist vergangenes Jahr wegen des weltweiten Überangebots um rund ein Drittel eingebrochen. Seit Mitte 2014 beträgt das Minus sogar 70 Prozent. Die großen Konzerne senken deswegen massiv ihre Kosten, indem sie Stellen streichen und Investitionen kürzen. BP kündigte in diesem Zusammenhang an, im Raffineriegeschäft - also der Weiterverarbeitung von Öl - 3000 Jobs bis Ende 2017 abzubauen. 4000 Stellen sollen zudem in der Öl- und Gasförderung wegfallen, wie bereits bekannt war. Zusammen sind das fast neun Prozent der Belegschaft.

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Was Sie über den Ölpreis wissen müssen

  • Maßeinheit

    Da Öl ursprünglich in Fässern abgefüllt wurde - Barrel im Englischen -, wird diese Maßeinheit in der Branche bis heute verwendet. Ein Barrel sind 159 Liter.

  • Preisrutsch

    Die steile Talfahrt begann Mitte 2014, bis Anfang 2016 hat sich der Preis mehr als gedrittelt. Hintergrund ist ein knallharter Wettbewerb zwischen den klassischen Ölförderern wie Saudi-Arabien und neuen Konkurrenten vor allem in Nordamerika, die Rohöl mit der aufwendigen Fracking-Methode aus Schiefergestein lösen. Beobachter gehen davon aus, dass die Ölförderer aus der Golfregion die ungeliebte Konkurrenz mit hohen Fördermengen und Dumpingpreisen aus dem Markt spülen wollen.

  • Ölsorten

    Rohöl ist nicht gleich Rohöl. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Sorten - je nach Region. Alleine der Finanzinformationsdienst Bloomberg listet mehr als 100 Stück auf, wovon allerdings nur wenige große Bedeutung haben. Als Richtwert am Finanzmarkt gilt das US-Rohöl West Texas Intermediate (WTI). Eine weitere wichtige Sorte ist das Nordsee-Öl Brent.

  • Qualitätsunterschiede

    Bei den Ölsorten gibt es gravierende Unterschiede bei der Qualität, was auch zu merklichen Preisunterschieden führt. So kann etwa die Sorte North Dakota Sour in der Raffinerie nur schwer verarbeitet werden, weil es stark schwefelhaltig ist. Das schlägt sich auch im Preis nieder.

  • Terminkontrakte

    Für US-Öl und Brent-Öl werden die Preise über das Spiel von Angebot und Nachfrage gebildet. Aber auch diese Sorten können eine Vielzahl von unterschiedlichen Preisen haben, was daran liegt, dass sie in sogenannten Future-Kontrakten gehandelt werden. Der Käufer erwirbt dabei Rohöl mit unterschiedlichen Lieferdaten. Der am meisten gehandelte und damit für die Anleger wichtigste Future-Kontrakt läuft über einen Monat.

  • OPEC-Ölpreis

    Auch die Ölsorten des Ölkartells Opec (Organisation erdölexportierender Länder) sind für die Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Von der Opec-Zentrale in Wien wird einmal täglich der sogenannte Opec-Korbpreis ermittelt. Hierfür melden alle Mitgliedstaaten des Ölkartells - darunter Saudi-Arabien, Kuwait und Nigeria - ihre jeweiligen Ölpreise, dann wird der sogenannte Korbpreis aller 13 Opec-Sorten errechnet. Dieser Durchschnittspreis wird allerdings immer mit einem Tag Verzögerung veröffentlicht und spiegelt daher nicht die neueste Entwicklung wider.

BP-Chef Bob Dudley sagte, der Konzern müsse sich rasch dem veränderten Marktumfeld anpassen. Allein im vierten Quartal summierten sich die Wertberichtigungen wegen der niedrigeren Ölpreise auf 2,6 Milliarden Dollar.

Der Konkurrenz geht es nicht besser. Chevron - die Nummer zwei in den USA - hatte zuletzt den ersten Quartalsverlust seit mehr als 13 Jahren ausgewiesen. Zahlen von Branchenprimus Exxon Mobil wurden noch im Tagesverlauf erwartet. Auch Royal Dutch Shell wird diese Woche noch die jüngste Bilanz veröffentlichen. Hier wird mit einer Halbierung des Gewinns gerechnet.

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Analysten zufolge werden die Investitionen der Branchengrößen 2016 auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren fallen - auf dann 522 Milliarden Dollar. 2015 wurden sie um 22 Prozent auf jetzt 595 Milliarden Dollar gekürzt. Es wäre das erste Mal seit 1986, dass die Branche in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ihre Investitionen drosselt. Bei BP summierten sie sich 2015 auf 18,7 Milliarden Dollar. Ursprünglich war mit 24 bis 26 Milliarden Dollar geplant gewesen. 2016 sollen die Investitionen am unteren Ende der prognostizierten Spanne von 17 bis 19 Milliarden Dollar liegen.

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