Branche im Umbruch: Wie Amazon zum Vorbild für Stahlkonzerne wird

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Branche im Umbruch: Wie Amazon zum Vorbild für Stahlkonzerne wird

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Innerhalb von drei Monaten wird der Hochofen Schwelgern II von rund 1.000 Arbeitern grundlegend modernisiert.

von Sebastian Schaal

Um den Wandel in der Stahlbranche zu bewältigen, gehen die deutschen Konzerne unterschiedliche Wege. Viele trennen sich von Mitarbeitern, einige investieren - in neue Technik oder ein neues Vertriebsmodell.

Ein Hochofen schläft nie. Rund um die Uhr lodert das Kohlefeuer mit bis zu 2100 Grad, an 365 Tagen im Jahr. Doch selbst als nach 21 Jahren Dauerbetrieb die Flammen im Hochofen Schwelgern II im Juni erloschen, kam die Anlage im Duisburger Norden nicht zur Ruhe. In den vergangenen drei Monaten hat sich die Belegschaft am Hochofen von ThyssenKrupp fast verdoppelt. Wo sonst rund 550 Mitarbeiter Stahl kochen, sind derzeit bis zu 1000 Menschen auf allen sieben Ebenen von Schwelgern II beschäftigt. Europas größter Hochofen wird von Grund auf modernisiert.

„Deshalb wird unter anderem die Feuerfestausmauerung erneuert“, sagt Herbert Eichelkraut, Produktionsvorstand von ThyssenKrupp Steel Europe. Insgesamt sollen die Bauarbeiten für eine bessere Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit sorgen.

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Dass Schwelgern II nicht läuft, hat sich auch direkt in der deutschen Rohstahlproduktion niedergeschlagen. Als der Hochofen im Juni abgeblasen wurde, brach das Wachstum laut der Wirtschaftsvereinigung Stahl von 7,4 Prozent im Mai auf 0,7 Prozent ein. Im August ging die Produktion sogar um ein Prozent auf 3,1 Millionen Tonnen zurück – im Mai waren es noch 3,9 Millionen Tonnen.

Jetzt gehen die Modernisierungsarbeiten auf die Zielgerade. „Wir werden den Hochofen II wie geplant bis Ende September wieder anblasen“, sagt Eichelkraut. Schnell soll er dann wieder seine volle Leistungsfähigkeit erreicht haben: täglich werden dann aus 19.000 Tonnen Eisenerz und 4000 Tonnen Koks bis zu 12.000 Tonnen Rohstahl entstehen.

Investition trotz Sparprogramm

Obwohl ThyssenKrupp auf der einen Seite im Einkauf 500 Millionen Euro pro Jahr einsparen will, steckt die Stahlsparte rund 200 Millionen Euro in die Modernisierung des Hochofens. Für weitere 90 Millionen Euro überholt der Essener Konzern auch eine sogenannte Stranggießanlage, um den Rohstahl verarbeiten zu können.

Die größten Stahlhersteller

  • Platz 1: Arcelor-Mittal

    Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

    Quelle: World Steel Association

  • Platz 2: Hesteel Group

    Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

  • Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

    Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

  • Platz 4: Posco

    Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

  • Platz 5: Baosteel Group

    Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

  • Platz 16: Thyssen-Krupp

    Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Rochus Brauneiser, Head of Steel Sector Research beim Analysehaus Kepler Cheuvreux, hält die Investition für notwendig: „Wenn ThyssenKrupp nicht in seine Hochöfen re-investiert, werden diese am Ende Ihrer Lebensdauer abgeschaltet werden müssen“, sagt Brauneiser im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

„Wir investieren rund 400 bis 500 Millionen Euro jährlich in unsere Werke, um unseren Anlagenpark auf dem technisch aktuellsten Stand zu halten und die Qualität unserer Produkte weiter zu steigern“, sagt Produktionsvorstand Eichelkraut. „Unabhängig davon müssen wir stetig an der Verbesserung unserer Kostenposition arbeiten. Nur wenn beides zusammenkommt, können wir im harten Wettbewerb bestehen.“

Vor dem Hintergrund einer anziehenden Konjunktur gehen die Experten vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) davon aus, dass die Rohstahlproduktion in diesem Jahr trotz des dreimonatigen Stillstands von Schwelgern II – der in der Statistik rund eine Millionen Tonnen kostet – um 0,5 Prozent wachsen wird. Für 2015 prognostiziert das RWI ein Produktionsplus von 1,7 Prozent.

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