Thyssenkrupp verkauft brasilianisches Stahlwerk

Brasilianisches Stahlwerk wird verkauft: Thyssenkrupp beendet verlustreiches Stahl-Abenteuer

, aktualisiert 22. Februar 2017, 08:33 Uhr
Bild vergrößern

Der Essener Konzern beendet endgültig die verlustträchtige Expansion nach Amerika.

Quelle:Handelsblatt Online

Thyssenkrupp beendet sein teures Stahl-Engagement in Amerika: Das brasilianische Werk geht für 1,5 Milliarden Euro an den Luxemburger Stahlkonzern Ternium. Der Verkauf soll den Umbau des Unternehmens voranbringen.

Nach mehr als einem Jahrzehnt beendet Thyssenkrupp endgültig die verlustträchtige Expansion seines Stahlgeschäfts nach Amerika. Wie der Essener Konzern am frühen Mittwoch mitteilte, wird das brasilianische Stahlwerk CSA für 1,5 Milliarden Euro an den Konkurrenten Ternium verkauft. "Das ist ein wichtiger Meilenstein beim Umbau von Thyssenkrupp hin zu einem starken Industriekonzern", erklärte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Die gescheiterte Expansion in die USA und nach Brasilien kostete laut Thyssenkrupp unter dem Strich rund acht Milliarden Euro. "Die Auswirkungen sind bis heute in der Bilanz sichtbar", räumte das Dax-Unternehmen ein.

Auf das Werk in Brasilien werde eine Wertberichtigung in Höhe von 900 Millionen Euro fällig. Der Verkauf werde negative Auswirkungen auf den Jahresüberschuss haben - Thyssenkrupp droht damit ein Jahresverlust. Bei den Anlegern kam der Befreiungsschlag in Brasilien gut an. Vorbörslich legten Thyssenkrupp-Aktien um 2,9 Prozent zu.

Anzeige

Hiesinger will mehr Geschäfte mit profitableren Industriegütern und Dienstleistungen machen. Thyssenkrupp erzielt nach eigenen Angaben in diesen Bereich inzwischen einen Umsatz von 75 Prozent. Noch im Jahr 2005 hatte sich das Management entschieden, Stahl billig in Brasilien zu kochen und in den USA und Europa weiterzuverarbeiten und zu verkaufen. Hiesinger stellte das Projekt nach seinem Amtsantritt als Konzernchef 2011 auf den Prüfstand. Aber auch im europäischen Stahlgeschäft des Konzerns könnte es in Zukunft zu einem Umbruch kommen. Thyssenkrupp spricht mit dem Konkurrenten Tata Steel über eine Stahlfusion. Der Konzern kämpft mit Gewinnrückgängen in seinem europäischen Stahlgeschäft.

Thyssenkrupp Hiesinger wirbt für Stahl-Fusion

Bei Thyssenkrupp steht die Traditionssparte Stahl auf dem Prüfstand. Während Konzernchef-Chef Hiesinger weiter in Richtung Fusion steuert, treffen die Pläne bei den Beschäftigten auf erbitterten Widerstand.

Der Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, Heinrich Hiesinger. Quelle: dpa

Hiesinger hatte schon einen ersten wichtigen Schritt zur Beendigung des Amerika-Engagements beim Stahl geschafft. Bereits im Jahr 2014 verkaufte Thyssenkrupp das Stahlverarbeitungswerk in Alabama an ArcelorMittal und Nippon Steel. In Brasilien bestanden zunächst Bindungen an den Mitgesellschafter Vale, die im vergangenen Jahr gelöst wurden. Hiesinger erklärte, das Werk sei inzwischen operativ in den schwarzen Zahlen. "Unsere Ausdauer und Beharrlichkeit haben sich gelohnt."

Der Verkauf von CSA soll laut Thyssenkrupp bis zum 30. September unter Dach und Fach sein. Die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen. Der Käufer Ternium verfügt über Produktionsanlagen unter anderem in Mexiko, Argentinien, Kolumbien, den USA und Guatemala. Mit Abschluss der Transaktion erhalte Thyssenkrupp einen "deutlichen Mittelzufluss", hieß es weiter. Damit wird der Konzern seine Netto-Finanzschulden "signifikant reduzieren".

Spionageangriff auf Thyssenkrupp Großalarm hätte die Risiken erhöht

Thyssenkrupp wurde Opfer eines groß angelegten Hackerangriffs. Über Monate bekämpfte der Konzern die Spione. Zum ersten Mal war ein Journalist bei einer solchen Abwehrschlacht dabei.

Datensicherheit: Thyssenkrupp wehrt sich gegen einen gigantischen Hackerangriff. Ein Blick hinter die Kulissen. Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche

Insgesamt hatte Thyssenkrupp rund zwölf Milliarden Euro in sein Stahlgeschäft in Amerika gepumpt. Insbesondere der Bau des Brasilienwerks war von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Die Anlage fuhr Milliardenverluste ein. Auch nach Abzug unter anderem der Verkaufserlöse für die Werke verbleibe unter dem Strich ein Verlust von rund acht Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%