Bremen als Wirtschaftsstandort : Erfolgreich, aber mit Problemen beladen

Bremen als Wirtschaftsstandort : Erfolgreich, aber mit Problemen beladen

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Bremen ist jüngst zum fünftgrößten Industriestandort in Deutschland aufgestiegen und hat Berlin überholt.

Bremen hat die höchste Arbeitslosenquote und Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer. Gleichzeitig sind Wissenschaft, Industrie und Welthandel in der Hansestadt zu Hause. Wie Bremen als Wirtschaftsstandort funktioniert.

Bremen ist jüngst zum fünftgrößten Industriestandort Deutschlands aufgestiegen und hat dabei sogar Berlin überholt. Doch hinter sich gelassen hat die Hanse- die Hauptstadt auch bei der Arbeitslosenquote - und ist mit 10,9 Prozent jetzt bundesweites Schlusslicht. Industrie, Handel und sichtbarer Wohlstand sind an der Weser seit Jahren eng verbunden mit gleichzeitiger Arbeitslosigkeit, Armut und hoher Staatsverschuldung. Woran liegt das?

Das kleinste Bundesland hat nur knapp 660 000 Einwohner, versorgt aber einen großen Raum mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Mehr als 100 000 Einpendlern stehen nach Angaben der Handelskammer knapp 33 000 Auspendler gegenüber. „Wie andere deutsche Großstädte auch hat Bremen zugleich aber eine schwierige Sozialstruktur und zum Teil verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Matthias Fonger.

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Dennoch hätten sich die Zahlen in den vergangenen Jahren verbessert. „Die Wirtschaftskraft insgesamt ist gut“, bestätigt auch der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Die Beschäftigungsstruktur mit viel Leiharbeit und prekärer Beschäftigung bleibe trotzdem schlechter als in vergleichbaren Städten.

Hoffnungslos Bremen ist ärmer als Griechenland

Die Hansestadt hat mittlerweile eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung als Griechenland – und muss nun das härteste Sparprogramm der Republik durchziehen.

Quelle: Illustration: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Seit dem Sterben der großen Werften hat der Senat immer wieder versucht, den Strukturwandel mit Steuergeld abzufedern. So wurde Bremen zu einem herausragenden Wissenschaftsstandort. Es gab aber auch Fehlschläge wie etwa den Versuch, einen Raumfahrt-Erlebnispark zu etablieren oder Bremen zu einem Musical-Standort zu machen. „Wir haben hier richtige Flops“, sagt Hickel.

Der Niedergang der Werftindustrie kostete viele Tausend Arbeitsplätze. Aus der Pleite des Autoherstellers Borgward 1961 wurde dagegen die Erfolgsgeschichte von Mercedes in Bremen. Zulieferbetriebe haben sich zuletzt aber nicht mehr in der Stadt angesiedelt, sondern im wenige Kilometer entfernten niedersächsischen Achim. Dort gibt es Flächen, dort ist die Gewerbesteuer niedriger.

Mit Unbehagen sahen die Bremer in den letzten Jahrzehnten auch, dass viele Traditionsunternehmen in fremde Hände kamen. Die Geschicke beim Kaffeeröster Jacobs, bei der Brauerei Beck & Co oder beim Schokoproduzenten Hachez werden längst von internationalen Konzernen gelenkt. Zuletzt verlagerte Kellogg's seine Zentrale nach Hamburg.

Nach Einschätzung der Handelskammer hat diese Entwicklung nicht in jedem Fall negative Auswirkungen auf Produktion und Arbeitsplätze. Weltweit werde heute mehr Beck's verkauft als je zuvor, bestätigt Brauereisprecher Oliver Bartels. Die Hälfte davon komme aus Bremen.

Dennoch werden in der Brauerei gerade Arbeitsplätze abgebaut - ebenso bei Hachez. Anders war die Entwicklung im Bremer Stahlwerk, das erst unter dem Dach des globalen Branchenriesen ArcelorMittal eine Überlebenschance hatte.

Die Landesgrenze ist kein Problem für Menschen, die in Bremen arbeiten und in Niedersachsen wohnen - wohl aber für das Land Bremen, das auf mehrere Tausend Euro Einnahmen pro Kopf und Jahr verzichten muss und gleichzeitig sieht, wie sich die Gewerbegebiete in den Umlandgemeinden mit Unternehmen füllen. „Das Grundproblem ist, dass Bremen fiskalisch völlig abgehängt ist“, sagt Hickel. Gemessen an seiner Wirtschaftskraft treibe das Land zu wenig Steuern ein.

Trotzdem gibt es keine Debatte über die Eigenständigkeit des kleinsten Bundeslandes. Das ist in der Bremer Landespolitik ein Tabu. Nach Hickels Überzeugung muss die Eigenständigkeit Bremens zwar immer wieder begründet, nicht aber aufgegeben werden: „Nehmt die Struktur, aber optimiert die Struktur.“ Mehr öffentliche Aufgaben könnten gemeinsam mit Niedersachsen erledigt werden.

Der Präses der Handelskammer, Christoph Weiss, hält dem rot-grünen Senat immer wieder Versäumnisse vor. Die Verwaltung sei in Teilen demotiviert, bei Genehmigungsverfahren gehe es nicht schnell und flexibel genug voran. Es mangele an Straßen und Gewerbeflächen.

Bei der Haushaltssanierung hält Bremen nur mit größten Anstrengungen Kurs, mit der Folge sinkender Investitionen und eines Sanierungsstaus. Die Schuldenbremse wirke in dieser Hinsicht schädlich, kritisiert Hickel. Um den Verfall der Infrastruktur zu stoppen, schlägt der Wissenschaftler einen Infrastrukturfonds vor.

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