Brexit-Folgen: Eine Bremsspur in Tiefrot

Brexit-Folgen: Eine Bremsspur in Tiefrot

, aktualisiert 24. Juni 2016, 11:36 Uhr
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Die Briten haben mehrheitlich für den Austritt Großbritanniens aus der EU votiert. Finanz- und Devisenmärkte reagierten zunächst geschockt auf das Ergebnis des Referendums. Die Folgen vor allem für die britische Wirtschaft werden massiv sein.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Für die britische Wirtschaft ist der Brexit ein schwerer Schlag. Doch auch für viele deutsche Unternehmen ist der EU-Austritt eine schlechte Nachricht. Welche Konzerne betroffen sind.

LondonDie Mahnung war klar und deutlich. „Es wäre ein sehr, sehr, sehr, sehr trauriger Tag, wenn das britische Volk für den Austritt stimmen würde. Ich denke, es wäre sehr, sehr schädlich für Großbritannien“, warnte Unternehmerlegende und Virgin-Gründer Richard Branson noch vor wenigen Tagen.

Doch seit Freitag ist aus der Sorge Gewissheit geworden – mit möglicherweise drastischen Konsequenzen für die britische Wirtschaft. Zwischen 500.000 und 800.000 Arbeitsplätze könnten nun innerhalb von zwei Jahren verloren gehen, wie aus einer vor der Abstimmung vorgelegten Studie von Schatzkanzler George Osborne hervorgeht. Demnach würde das Land in eine Rezession fallen und das Pfund deutlich an Wert verlieren.

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Eine Bremsspur in tiefrot. Vor allem die britischen Banken trifft der EU-Austritt schwer. „Die heimischen Banken sind stark an die britische Wirtschaft gebunden, alles dreht sich um Verbraucher- und Unternehmenskredite", sagte Caroline Simmons, stellvertretende Leiterin britische Investments bei UBS Wealth Management in London.

Sie wären stärker betroffen als internationale Banken wegen ihres größeren Engagements am britischen Immobilienmarkt und den Unternehmensinvestitionen. Aber auch für viele Firmen ist der Brexit eine schlechte Nachricht. Die Analyse zeige sehr klar, dass ein Austritt aus der EU ein schwerer Schlag für Lebensstandard, Jobs und Wachstum wäre, sagte die Chefin des Arbeitgeberverbandes CBI Carolyn Fairbairn.

So hat ein Brexit auch massive Folgen für die britische Luftfahrt. Kern des Problems sind die Verkehrsrechte, die es Fluggesellschaften erst ermöglichen, von einem Land ins andere zu fliegen. Ohne diese auf politischer Ebene ausgehandelten Rechte dürfen die Maschinen nicht abheben.

Großbritannien kann bisher als EU-Mitglied am Europäischen Binnenmarkt teilnehmen, der auch für die Luftfahrt gilt. Konkret bedeutet das: Fluggesellschaften aus der EU dürfen überall innerhalb der EU starten und landen, ohne dafür noch mal gesondert Verkehrsrechte vorzuweisen. Nach einem Austritt aus der EU können sich britische Airlines wie Easyjet nicht mehr darauf berufen.


Was folgt auf die Schockstarre?

Doch es sind nicht nur die britischen Firmen, die die Folgen der historischen Entscheidung zu spüren bekommen werden. Die Experten der DZ Bank haben ausgerechnet: Im schlimmsten Fall drohen auch der deutschen Wirtschaft allein bis 2017 Einbußen von bis zu 45 Milliarden Euro. Um den Jahreswechsel könnte sie in eine Rezession rutschen. „Für die deutsche Wirtschaft steht viel auf dem Spiel“, sagte DZ-Bank-Ökonomin Monika Boven.

Vor allem dann, wenn die Konjunktur auf der Insel in die Knie geht. „Ein Teufelskreis aus Währungsabwertung, Kursverlusten an Renten- und Aktienmärkten und verschreckten ausländischen Investoren könnte zu einer Schockstarre im Finanzsektor führen und über eine 'Kreditklemme' rasch die Realwirtschaft erreichen“, warnte Boven. Das bekäme die deutsche Wirtschaft sehr rasch zu spüren.

Die deutschen Direktinvestitionen im Vereinigten Königreich - von Fabriken bis Maschinen - summieren sich auf etwa 121 Milliarden Euro. Das entspricht rund sieben Prozent der gesamten deutschen Direktinvestitionen im Ausland.

Betroffen wären vor allem einige der größten deutschen Konzerne, die kräftig im Vereinigten Königreich investiert haben: vom Reisekonzern Tui Travel über die beiden Discounter Aldi und Lidl, den Energiekonzern Eon, den Versicherer Allianz und bis hin zum Autozulieferer Bosch.

Auch BMW hat viel Geld investiert - vor allem in seine Tochter Rolls-Royce und in die Produktion des Mini. „Wir warten ab und treffen dann eine Entscheidung“, antwortete BMW-Vorstand Ian Robertson bisher zum zukünftigen Engagement. Spätestens seit Freitag dürften die Strategen in München nun Überstunden machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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