Carbon-Konzern: Die schwierige Sanierung von SGL

Carbon-Konzern: Die schwierige Sanierung von SGL

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Der Stoff, aus dem die Träume sind Carbon-Fertigung des BMW i3 in Leipzig

von Jürgen Salz

Die Sanierung des angeschlagenen Wiesbadener Technologiekonzerns SGL rückt in weitere Ferne. Denn inzwischen mehren sich die Zweifel am superleichten Wunderstoff Carbon.

Das Comeback währte nur kurz. Erst Ende 2013 war der Grafitkonzern SGL vom kleineren Börsensegment SDax wieder in den MDax aufgestiegen, den Index für die mittelgroßen Unternehmen. Seither jagt eine Hiobsbotschaft die andere. Das Geschäftsjahr 2013 schloss SGL mit fast 400 Millionen Euro Verlust ab – bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2014 fielen miserabel aus (siehe Grafik). Und vor wenigen Tagen stufte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit von SGL weiter auf „hochspekulativ“ (B2) zurück – vor allem wegen der Probleme im Hauptgeschäft Grafitelektroden, die zum Schmelzen von Schrott zu Stahl benötigt werden. Die Aktie stürzte weiter ab (siehe Chart).

Am Mittwochabend vergangener Woche beschloss die Deutsche Börse dann, das havarierte Unternehmen wieder in den SDax zu verbannen. Beim Börsenumsatz und beim Börsenwert des Streubesitzes schafften die Wiesbadener die erforderlichen Kriterien nicht mehr. Dazu trug bei, dass der SGL-Streubesitz in den vergangenen Jahren von über 70 auf 38 Prozent gefallen ist, seit sich bekannte Investoren Pakete gesichert haben: Susanne Klatten aus der Quandt-Dynastie (26,9 Prozent), die Autokonzerne BMW (15,7 Prozent) und VW (knapp zehn Prozent) sowie der schwäbische Maschinenbauer Voith (neun Prozent). Die prominenten Eigentümer brauchen freilich für ihr Investment noch viel Geduld.

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Umsatz- und operative Gewinnentwicklung bei SGL

Umsatz- und operative Gewinnentwicklung bei SGL

Denn dass SGL in absehbarer Zeit noch einmal die Wende schafft, ist derzeit zweifelhaft. Der größte Hoffnungsträger im SGL-Portfolio – der Werkstoff Carbon, der hart wie Stahl, aber etwa nur halb so schwer, zum Beispiel im BMW-Elektroauto i3 zum Einsatz kommt – wird mehr und mehr entzaubert. Der neue Vorstandschef Jürgen Köhler, seit 1. Januar im Amt, spricht von einem „anhaltend“ unbefriedigenden Preisniveau für Carbon. Da gleichzeitig auch das Stammgeschäft mit den Grafitelektroden weiter abschmiert, sind die Aussichten für den bröckelnden Grafitkonzern eher mau.

Vorteil für Stahl und Alu

Die Eigentümer – allen voran Großaktionärin und Aufsichtsratschefin Klatten, die zugleich etwa 13 Prozent an BMW hält – haben vor allem wegen des vermeintlichen Wunderstoffs Carbon in SGL investiert. Doch ihre Hoffnungen haben vor wenigen Tagen einen weiteren Dämpfer bekommen: ThyssenKrupp-Manager Herbert Eichelkraut deutete auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Duisburg an, dass im nächsten i3-Modell wieder mehr Stahl verwendet werden könnte statt der Leichtbaustoffe Carbon und Aluminium. BMW äußert sich dazu nicht, bei SGL kann man Äußerungen Eichelkrauts nicht nachvollziehen.

Entwicklung der SGL-Aktie

Entwicklung der SGL-Aktie

Die große Carbon-Euphorie ist erst einmal vorbei. Weil die Nachfrage nach dem Leichtbau-Werkstoff zwar weltweit steigt, aber unter den hochfliegenden Plänen bleibt, gibt es Überkapazitäten am Markt. Die Absatzchancen für Europas größten Carbonhersteller SGL sind daher limitiert.

Zweifelhafte Rechnung

Denn außer BMW hat sich bisher noch kein Autobauer näher auf das Abenteuer Carbon eingelassen. Daimler hat sich gerade aus einem Joint Venture mit dem japanischen Unternehmen Toray zurückgezogen, Audi setzt auf Aluminium, auch Tesla kommt weitgehend ohne Carbon aus. Die Pkw-Hersteller stören sich vor allem an den hohen Kosten des leichten Werkstoffs.

„Carbon ist sechs- bis achtmal teurer als Stahl. Und verglichen mit dem ebenfalls leichten Aluminium, bringt Carbon zwar etwas mehr zusätzliche Gewichtsreduktion, allerdings sind die Kosten immer noch dreimal höher“, sagt Ralph Lässig, Partner bei der Beratung Roland Berger in München.

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