Carbon-Spezialist: Rot, tiefrot, SGL

Carbon-Spezialist: Rot, tiefrot, SGL

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SGL Carbon steckt tief in den roten Zahlen.

von Jürgen Salz

Der Kohlenstoffspezialist SGL Carbon aus Wiesbaden ist tief in die roten Zahlen gestürzt und weist für das Jahr 2013 einen Verlust von fast 400 Millionen Euro aus – bei einem Umsatz von gerade mal 1,5 Milliarden Euro. Ganz überraschend kam das Desaster allerdings nicht.

Bereits zweimal im vergangenen Jahr hatte SGL seine Gewinnprognose nach unten korrigiert. Die Ratingagenturen stuften SGL auf „spekulativ“ herab. Das  Dilemma: Das SGL-Hauptgeschäft Grafit hängt an zurzeit kriselnden Branchen wie der Stahl- und der Solarindustrie. Gleichzeitig erfordert der zukunftsträchtige Werkstoff Carbon hohe Investitionen, bringt aber noch längst nicht so viel Ertrag wie erhofft. Das Unternehmen muss daher zunächst vor allem die Kosten drücken.

Aus Carbon, dem superleichten, kohlefaserverstärkten Kunststoff – hart wie Stahl, aber schwierig zu verarbeiten –, wird etwa die Karosserie des neuen BMW-Elektroautos i3 gebaut. Die Carbonherstellung gilt als SGL-Domäne. Auf die Carbon-Technologie setzt vor allem SGL-Großaktionärin Susanne Klatten aus der Quandt-Dynastie, ebenso wie die anderen SGL-Aktionäre  BMW, VW und Voith (Maschinenbau).

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Als sich das Desaster im vergangenen Jahr bereits abzeichnete, übernahm Klatten im April den Aufsichtsratsvorsitz bei SGL. Und greift entsprechend durch: Klatten schrumpfte den Vorstand von fünf auf drei Mitglieder. Die Vergütung der Top-Führungskräfte lässt die Aufsichtsratsvorsitzende gerade überprüfen. Ein Sparprogramm, das vor allem Arbeitsplätze in den oberen Managementetagen trifft, ist ebenfalls beschlossen.

Und vor allem: Seit dem 1. Januar an regiert statt des alten SGL-Patriarchen Robert Koehler, mit dem sich Klatten nie wirklich verstand,  ein neuer, von Klatten ausgesuchter Vorstandschef in der Wiesbadener Zentrale, dem früheren Palais der Sekt-Dynastie Söhnlein. Sein Name: Jürgen Köhler.

Kriselnder Grafitkonzern SGL Carbon - Susanne Klatten greift durch

Großaktionärin Susanne Klatten greift jetzt durch beim kriselnden Grafitkonzern. Der neue Chef soll die Wende schaffen.

Quelle: dpa

Die Namensähnlichkeit zu Amtsvorgänger Koehler ist übrigens rein zufällig. Der 53-jährige Neu-Chef Köhler ist jedenfalls mehr nach dem Gusto von Großaktionärin Klatten: Der Bayer aus Ingolstadt gilt als teamorientiert und umgänglich. Eine Einarbeitungszeit hatte er  nicht nötig. Der promovierte Verfahrenstechniker und Ex-Hoechst-Manager arbeitet seit 2002 für SGL, unter anderem leitete er das Carbonfasergeschäft. Dem Vorstand gehört er erst seit gut einem halben Jahr an. Der begeisterte Skiläufer ist ein Technikexperte. Anders als Koehler sei Köhler aber noch nicht in allen Bereichen versiert, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Mit Marketing oder Finanzkommunikation habe der neue Chef bislang allenfalls am Rande zu tun gehabt.

Mit Köhler, Finanzchef Jürgen  Muth und Europa-Vorstand Gerd Wingefeld gehören  dem Vorstand seit dem  1. Januar an nur noch drei Mitglieder an statt bisher fünf. Neben Alt-Patriarch Koehler hat auch  Marketingspezialist Armin Bruch, gerade 60 geworden, das Führungsgremium verlassen. Im Einvernehmen, wie es heißt.

Das verbliebene Trio muss damit rechnen, künftig weniger zu verdienen. „Die Vorstandsvergütung steht auf dem Prüfstand“, sagte ein Sprecher von Aufsichtsratschefin Klatten vor einigen Wochen. Klar ist, dass die Bezüge nicht nach oben steigen werden. Der scheidende Chef Koehler erhielt für 2012 insgesamt 1,5 Millionen Euro an fixen und variablen Vergütungen, Finanzvorstand Muth etwa eine Million Euro.

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