Celesio: DocMorris ade - Brasilien wir kommen

Celesio: DocMorris ade - Brasilien wir kommen

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Seit 2007 gehört die Internet-Versandapotheke DocMorris zu Celesio. Den traditionellen Apotheker-Kunden war sie ein Dorn im Auge - seit März steht sie wieder zum Verkauf.

von Jürgen Salz

Celesio-Chef Markus Pinger will ein europäisches Apothekennetz aufbauen. Das und weitere Projekte machte er den Aktionären auf der Hauptversammlung schmackhaft.

Der Stuttgarter Pharmagroßhändler hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Der frühere Chef Fritz Oesterle musste auf Geheiß von Großaktionär Haniel, der 55 Prozent der Anteile hält, gehen. Der Finanzchef quittierte ebenfalls den Dienst. Der neue Celesio-Chef Markus Pinger, der vom Kosmetikkonzern Beiersdorf kommt, will Celesio nun wieder auf sein Kerngeschäft – die Belieferung von Apotheken – zurückführen. „Alle Versuche, jenseits des Kerngeschäfts zu wachsen, führten nicht zum Erfolg“, räumte Pinger auf der Hauptversammlung am Mittwoch ein.

Vorgänger Oesterle hatte den Fokus erweitert, damit aber letztendlich keinen Erfolg gehabt. Der frühere Celesio-Chef erwarb unter anderem eine Leiharbeitsfirma für Pharmaaußendienstler (Pharmexx) sowie den Internet-Versandhändler DocMorris. Beide Unternehmen stehen nun wieder zum Verkauf.

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Auch die Versandapotheke DocMorris soll abgestoßen werden. Das vor 177 Jahren gegründete Unternehmen hatte im Zeitraum 2007 bis 2011 allein rund 700 Millionen Euro an Firmenwerten abgeschrieben. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich. Im vergangenen Jahr hatte Celesio Börse und Anteilseigner mit drei Gewinnwarnungen erschreckt.

Der Apothekenschreck mit Sitz in den Niederlanden war der traditionellen Celesio-Klientel, den Apothekern, schon seit langem ein Dorn im Auge. „Die Apotheker waren gar nicht erfreut über den Kauf und haben uns das im Geschäft auch deutlich spüren lassen“, sagte Celesio-Chef Markus Pinger Ende Oktober 2011 im WirtschaftsWoche-Interview und setzte nach: „Wir werden diesen Konflikt lösen, das verspreche ich.“  Einige Monate später gab Pinger dann die Order aus, den Verkauf von DocMorris vorzubereiten. 

Einige Interessenten hätten sich schon gemeldet, sagte Pinger kürzlich, ohne Namen zu nennen – sowohl strategische Interessenten als auch Finanzinvestoren.  Der Verkauf dürfte dennoch, so ist aus der Branche zu hören, kein Selbstläufer werden. Der Bundesrat will gar den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verbieten lassen – schlecht fürs Geschäft. Und dass DocMorris kürzlich Softwareprobleme einräumen musste, der für Lieferverzögerungen bei den Pillenkunden sorgte, dürfte bei den Interessenten auch nicht gerade stimmungsaufhellend gewirkt haben.

Wegen des Konzernumbaus und hoher Abschreibungen ist Celesio nun zum Jahresauftakt in die roten Zahlen gerutscht. Im ersten Quartal fiel ein Verlust von 4,5 Millionen Euro an – nachdem Celesio im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 54,7 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. „Wir verstehen das laufende Jahr 2012 als Übergangsjahr“, sagt Pinger. Großaktionär Haniel steht hinter der Strategie.

Den Aktionären stellte der Manager den Aufbau eines europäischen Apothekennetzes in Aussicht. Aktuell besitzt der Konzern in Europa 2300 eigene Apotheken. Darüber hinaus kooperiert Celesio über seine Großhandelstöchter mit etwa 4500 eigenständigen Apotheken. Diese Geschäfte will der Konzern enger zusammenführen. „Ein starkes europäisches Apothekennetzwerk führt zu steigenden Ergebnisbeiträgen“, versprach Pinger.

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Die regionale Expansion in die Schwellenländer will der Manager vorantreiben. „Zunächst werden wir uns dabei auf Brasilien konzentrieren“, sagte Pinger. Celesio vor zwei Jahren mit der mehrheitlichen Übernahme von Panpharma mit einem Schlag größter Pharmahändler in Brasilien geworden. Darüber hinaus hatte Celesio im Oktober 2011 die Mehrheit am Spezialpharmahändler Oncoprod Group erworben. Inzwischen stammen mehr als sieben Prozent des Konzernumsatzes aus dem Brasilien-Geschäft.

Weitere Übernahmen in dem Land schloss Pinger nicht aus. Celesio werde dort eine „aktive Rolle“ spielen. „Wir wollen dadurch zusätzlich Marktanteile gewinnen“, sagte der Manager

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