Chefwechsel bei Siemens: Löschers Abgang war längst überfällig

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KommentarChefwechsel bei Siemens: Löschers Abgang war längst überfällig

von Matthias Kamp

Trotz großer Verdienste bei der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre: richtig angekommen war der Österreicher bei Siemens nie. Jetzt räumt er den Chefsessel – ein längst überfälliger Schritt.

Am Ende ging alles ganz schnell. Am Donnerstagnachmittag verkündete Siemens in einer knappen Pressemitteilung, dass das Unternehmen das Renditezahl von zwölf Prozent für das kommende Jahr verfehlen wird. Kaum einen Tag später deutet alles darauf hin, dass Konzernchef Löscher den Chefposten räumen wird.

Nach Beratungen im Aufsichtsrat, die sich am Samstag bis in die Abendstunden hinzogen, gebe es eine Mehrheit für seine Abwahl, sagten zwei mit der Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Kreisen zufolge hat sich die Mehrheit der Aufseher für Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger ausgesprochen.

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Kaum ein Ziel des Technologieriesen aus München war so eng mit dem Namen Löscher verbunden wie die Steigerung der Rendite bis 2014. Insofern ist es nur konsequent, dass der Vorstandschef Platz macht. Im Grunde wundert es, dass der Aufsichtsrat Löschers Treiben so lange tatenlos zugesehen hat. Der Siemens-Chef hätte schon viel früher gehen müssen und damit Verantwortung für seine vielen Fehler übernehmen müssen. Dass dies nicht geschah, war nur der starken Unterstützung des Arbeitnehmerflügels im Kontrollgremium, vor allem IG-Metall-Chef Berthold Huber zu verdanken.

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Die Liste mit Löschers Fehlern, Fehlgriffen und Fehlentscheidungen ist lang. Er mochte klare Zielvorgaben, am besten anhand von Zahlen. Auf 100 Milliarden Euro solle der Umsatz mittelfristig steigen, gab er schon vor Jahren aus. Die Folge solcher Forderungen: Abteilungen und Divisionen im Konzern nahmen Geschäft an, ob jedes Mal sinnvoll oder nicht, war zweitrangig. Was zählte, war Wachstum. Von diesem wie von anderen Zielen ist das Unternehmen weit entfernt. Zurzeit liegt der Umsatz bei gut 75 Milliarden Euro. Ähnlich ist es mit dem Renditeziel von zwölf Prozent. Um die magische Marke zu erreichen wurde gekürzt, gespart und zusammengelegt, manchmal ohne Blick auf eine schlüssige, langfristige Strategie, klagen viele im Konzern.


Am Ende lief es an vielen Stellen im Konzern nicht mehr rund. Zweimal musste Siemens die Auslieferung von 16 Zügen an die Deutsche Bahn verschieben. Mehrmals verzögerte sich der Anschluss von Windparks in der Nordsee. Bei der Labordiagnostik und in der Solarsparte leistete sich Siemens teure Zukäufe, die sich am Ende als Flops erwiesen. All das kostete den Konzern mehrere Hundert Millionen Euro. Immer wieder musste Löscher Gewinnprognosen kassieren. Konkurrenten wie GE und ABB lieferten bessere Zahlen ab.

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Dem Ökonom Löscher fehlte es an technischem Detailwissen. In den Vorstandssitzungen redeten die mächtigen Chefs der Sektoren. Michael Süß etwa, der den Energy-Sektor leitet und Siegfried Russwurm vom Industry-Sektor.


Doch Löscher, der seinen Posten in München 2007 antrat und bei der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre Großes geleistet hat, war auch nie richtig bei Siemens angekommen, bis zum Schluss fremdelte er. Was freilich zum Teil auch daran lag, dass er nicht wenige Feinde im Unternehmen hatte. In Erlangen, wo die mächtige Medizinsparte sitzt, hieß es über den Chef oft nur: „Den schwitzen wir auch noch aus.“ Die verspätete Auslieferung der Züge an die Deutsche Bahn hatten dem Vernehmen nach Löschers Gegner längst durchgestochen, als der Siemens-Chef offiziell Bahn-Chef Grube informierte.

(Mit Material von Reuters)

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