Chefwechsel bei Siemens: Mit Joe Kaeser gibt es keinen echten Neuanfang

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KommentarChefwechsel bei Siemens: Mit Joe Kaeser gibt es keinen echten Neuanfang

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Joe Kaeser - den großen Kulturwandel bei Siemens darf man mit dem neuen Konzernlenker nicht erwarten.

von Matthias Kamp

Hier ein bisschen anpassen, dort ein wenig optimieren: Ein radikaler Kurswechsel ist vom neuen Vorstandsvorsitzenden nicht zu erwarten. Kaeser gehört zur alten Garde.

Gegenüber seinem Vorgänger Peter Löscher, dem unzweifelhaft eine Reihe von Fehlern angekreidet werden müssen, ist der bisherige Finanzvorstand Joe Kaeser ganz sicher eine Verbesserung. Das sehen auch Investoren so. „Joe Kaeser ist aus unserer Sicht die beste Wahl in dieser Situation. Er sollte den notwendigen Rückhalt im Konzern haben, um Siemens wieder nach vorne zu bringen“, sagt Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment. Die Gesellschaft hält ein Prozent der Aktien.

Doch dass der Niederbayer der richtige Mann ist, das Unternehmen mit einem Umsatz von 78 Milliarden Euro und 370.000 Mitarbeitern in mehr als 180 Ländern zu alter Stärke, vor allem in eine Liga mit General Electric und Philips zurückzuführen, darf bezweifelt werden. Dazu bräuchte es Kulturwandel, und Kaeser müsste über Jahrzehnte gewachsene Strukturen aufbrechen. „Kaeser ist im Grunde der richtige Mann für eine politische Organisation wie Siemens“, sagt ein einstiger Weggefährte, „aber kein Manager, der frische Impulse geben kann.“ Außerdem schleppt Siemens für die kommenden Monate noch eine Erblast in Gestalt des 70-jährigen Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme hinter sich her.

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Doch braucht es in München überhaupt einen Neuanfang, einen radikalen Kurswechsel? Siemens ist sicherlich kein Sanierungsfall wie etwa ThyssenKrupp. Der Konzern fährt noch ansehnliche Gewinne ein und ist auf vielen Technologiefeldern noch immer Weltklasse. Doch in anderen Bereichen haben die Münchner auf neue Marktentwicklungen viel zu langsam reagiert. Die Konkurrenz aus Fernost im Trafogeschäft beispielsweise ist seit vielen Jahren zu erkennen. Erst im vergangenen Jahr ist Siemens aufgewacht und reagiert nun mit Zusammenlegungen und Schließungen in dem Bereich. Auf anderen Feldern lief es ähnlich.

Wirklich wundern kann einen so etwas nicht. Der 166 Jahre alte Technologieriese ist ein schwerfälliger Tanker mit extrem langen Reaktionszeiten, einer wuchernden Bürokratie, alten Seilschaften und teilautonomen Machtzentren, etwa in Erlangen. Eine US-Managerin des Unternehmens, die in der Vergangenheit mehrmals mit Vorschlägen zu Neuerungen an die Spitze herangetreten ist, berichtet von einem Satz, der in der Zentrale in München dazu jedes Mal gefallen sei: „Das geht nicht.“ Kaeser ist ein Produkt dieser Strukturen.

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