Chemie: Das Lanxess-Experiment

, aktualisiert 22. Mai 2014, 16:39 Uhr
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Der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert wartet in Köln auf den Beginn der Hauptversammlung der Lanxess AG.

von Jürgen Salz

Auf der Hauptversammlung versucht der neue Vorstandschef Matthias Zachert den Aktionären zu erklären, wie er das kriselnde Chemieunternehmen neu aufstellen will. Aufsichtsratsboss Rolf Stomberg müht sich derweil, den abrupten Abgang des früheren Chefs Axel Heitmann begreiflich zu machen.

Der Mann, um den es vorwiegend geht, ist nicht unter den 2000 Aktionären in der Kölner Lanxess-Arena: Axel Heitmann. Ende Januar musste der langjährige Vorstandschef das Unternehmen Knall auf Fall verlassen – wegen Meinungsverschiedenheiten über die künftige Strategie. Den Nachfragerückgang bei wichtigen Produkten wie Kunststoffen und Kautschuk – unglücklicherweise verbunden mit dem Auftreten neuer Wettbewerber – hatte Heitmann zu lange als "Wachstumsdelle" abgetan. Am Ende stand ein Konzernverlust von 159 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2013.

Nachfolger Matthias Zachert, zuvor als Finanzvorstand in Diensten des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck, zählte in seiner Rede die Sünden der jüngeren Vergangenheit auf – freilich ohne den Namen Heitmann zu nennen. Die Investitionen in Anlagen in Singapur und China waren zu hoch, die Neuverschuldung ist zu stark gestiegen, die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen.

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Der Name Heitmann fiel erst um 10.50 Uhr zum ersten Mal. Aufsichtsratschef Rolf Stomberg mühte sich, dessen abrupten Abgang zu erklären. Dieser sei allein wegen strategischer Differenzen erfolgt. Kurz darauf erhielt Stomberg allerdings einen Hinweis darauf, dass sich Heitmann 430.000 Euro aus der Konzernkasse überwiesen hatte – wegen erhöhter Sicherheitsaufwendungen für Fenster und Türen an seinem neuen, denkmalgeschützten Haus in Hamburg.

Ein erstaunlicher Vorgang. Und eine Pflichtverletzung, wie Anwälte feststellten. Der Aufsichtsrat war nicht involviert, sagt Stomberg. Der Umzug Heitmanns von Mülheim an der Ruhr nach Hamburg sei aus Konzernsicht nicht nötig gewesen. Und die zusätzlichen Kosten für das Haus seien vor allem auf Denkmalschutz-Auflagen und ein aufwendiges Sicherheitskonzept zurückzuführen. Nach einigem Hin und Her verzichtete Heitmann schließlich auf Abfindungszahlungen in Höhe von 7,1 Millionen Euro.

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