Chemie: Evonik und Clariant vor Mega-Allianz?

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Chemie: Evonik und Clariant vor Mega-Allianz?

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Der Chemiekonzern Evonik könnte den Schweizer Konkurrenten Clariant übernehmen.

von Jürgen Salz

Es wäre eine der größten Chemie-Übernahmen der jüngsten Zeit: Für 7,3 Milliarden Euro soll der Essener Konzern Evonik den Schweizer Konkurrenten Clariant übernehmen. Etliche Argumente sprechen jedoch dagegen.

Das neue Unternehmen würde einen Umsatz von etwa zwanzig Milliarden Euro erreichen – und damit Lanxess oder die Bayer-Chemie ganz weit hinter sich lassen. Nur die BASF liegt mit 70 Milliarden Euro Umsatz nahezu uneinholbar vorn.

Evonik-Chef Klaus Engel hatte schon länger durchblicken lassen, dass er an Übernahmen, auch größeren, interessiert ist. Mit einem Umsatz von 12,9 Milliarden Euro ist der Essener Konzern ungefähr doppelt so groß wie Clariant. Rund 23 Franken je Aktie soll Evonik die Offerte wert sein – ein durchaus ordentlicher Preis.

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Clariant, das in den vergangenen Jahrzehnten große Teile des früheren Hoechst-Konzerns sowie die Münchner Süd-Chemie übernommen hat, wurde schon länger als Übernahmekandidat gehandelt.  Der deutsche Chef Hariolf Kottmann hat den einstigen Pleitekandidaten Clariant in den vergangenen Jahren mit harten Maßnahmen wieder  in die Spur gebracht, Tausende Arbeitsplätze gestrichen und unrentable Geschäftsbereiche verkauft. Seine Ziele konnte er allerdings nicht ganz erreichen. Seinen Aktionären hatte er eine Gewinnmarge von 16 bis 19 Prozent ab 2015 angekündigt – davon liegt der Schweizer Spezialchemiekonzern noch ein gutes Stück entfernt. Aktuell liegt die Marge bei 14,2 Prozent - damit verfügt Clariant über ähnliche Ertragskraft wie Evonik.

Durch eine  Übernahme von Clariant könnte Evonik sich vergrößern und seine regionale Präsenz stärken. Die Schweizer sind etwa in Asien und Lateinamerika gut positioniert.

"Evonik wird breiter, nicht besser"

Ansonsten spricht jedoch auch viel gegen eine Übernahme. Das Synergiepotenzial ist eher bescheiden, die Zahl der Produktüberschneidungen eher überschaubar. Laut Branchenschätzungen gibt es nur bei 30 Prozent der Produkte Überschneidungen, etwa bei Zusatzstoffen für die Kosmetikindustrie. Evonik hole sich bei einer Übernahme nur jede Menge Geschäfte ins Haus, wo das Unternehmen über wenig Erfahrung verfüge – etwa Pigmente oder Kunststoffgranulate, sagt ein Branchenkenner, der nicht genannt werden möchte . „Evonik wird dadurch zwar breiter, aber nicht unbedingt besser.“ 

Auch die Kulturen sind eher unterschiedlich. Evonik gilt als eher bürokratisch, während sich Kottmann bei Clariant zumindest bemüht hat, etwas Dynamik reinzubringen.

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Schließlich hat Kottmann auch kürzlich erst wieder klargemacht, dass eine Übernahme bei Clariant unerwünscht ist: Der Schweizer „Handelszeitung“ sagte er vor wenigen Tagen, ohne konkreten Bezug auf Evonik: „Aber ich wäre sehr überrascht und auch bitter enttäuscht, wenn ein Konkurrent tatsächlich eine unfreundliche Übernahme starten würde. Denn  die Branche weiß, dass wir nicht übernommen werden wollen.“  Dass sich das Management eines Unternehmens gegen einen Aufkauf sperrt, macht eine Übernahme zwar nicht unmöglich, aber schwieriger.

Auch die Börse fällte bereits ihr Urteil: Die Aktie von Clariant schoss um neun Prozent in die Höhe, während Evonik-Papiere um gut zwei Prozent sanken.  

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