Chemie-Verband VCI: BASF-Chef Bock verbreitet Optimismus für Chemieindustrie

Chemie-Verband VCI: BASF-Chef Bock verbreitet Optimismus für Chemieindustrie

, aktualisiert 20. Juli 2017, 16:10 Uhr
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Der VCI-Chef und CEO des Chemiekonzerns BASF, Kurt Bock, verbreitet Optimismus für die Chemieindustrie.

von Siegfried HofmannQuelle:Handelsblatt Online

BASF-Chef Kurt Bock ist nicht als Schönfärber bekannt. Doch nun verbreitet Bock, der auch dem Branchenverband VCI vorsitzt, Zuversicht. Der Aufschwung kommt jetzt auch bei den mittelständische Chemie-Unternehmen an.

FrankfurtDie deutsche Chemieindustrie sieht sich weiter im Aufwind und signalisiert zusehends Optimismus auch für das zweite Halbjahr. So hat jetzt der Verband der chemischen Industrie (VCI) zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose angehoben. Er geht jetzt von einem Produktionswachstum von 1,5 Prozent aus, während man bisher nur ein Prozent Wachstum unterstellt hatte. Zu Jahresbeginn hatte sich die Branche sogar nur ein Plus von 0,5 Prozent zugetraut.

„Die Stimmung in der Branche ist derzeit insgesamt gut“, sagt VCI-Präsident Kurt Bock , der im Hauptberuf den Branchenführer BASF leitet. „In allen für die deutsche Chemie wichtigen Märkten rechnen die Unternehmen bis ins kommende Jahr hinein mit einem stabilen Wirtschaftswachstum.“ Anders als in der Vergangenheit sind nach Aussage Bocks auch die mittelständischen Unternehmen der Branche relativ positiv gestimmt.

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Auch die Umsatzentwicklung wird von den Branchenstatistikern positiver eingeschätzt. Der VCI rechnet nun für Deutschlands viertgrößten Industriesektor von einem Plus von fünf Prozent auf etwa 194 Milliarden Euro aus, während man bislang nur mit einem Wachstum der Erlöse von 3,5 Prozent kalkulierte.

All das deutet auf eine anhaltend starke Entwicklung auch bei den großen Akteuren der Chemieindustrie. In seiner Rolle als BASF-Chef hatte sich Bock dagegen bisher eher vorsichtig geäußert und auf Risiken für die Entwicklung im zweiten Halbjahr verwiesen. Bei der Vorlage der VCI-Zahlen klang er jetzt weniger zurückhaltend. Die führenden Unternehmen der Branche werden ihre Halbjahreszahlen indessen erst in den kommenden drei Wochen vorlegen, BASF und Bayer publizieren ihre Quartalsberichte am nächsten Donnerstag.

An der Börse hinterließen die erhöhte VCI-Prognose nur moderate Wirkung. Die Kurse von BASF, Bayer und Lanxess legten bis zum Nachmittag um rund ein Prozent zu, Covestro und Evonik notierten nahezu unverändert. Auch einige Analysten beurteilen die weiteren Perspektiven zum Teil mit gewisser Vorsicht. Die Preismacht und der Trend zur Margenverbesserung könnte im zweiten Halbjahr wieder abebben, warnten etwa die Experten von Baader Helvea noch vor wenigen Wochen.

Aktuell ist von einer solchen Trendwende allerdings wenig zu spüren. Vor allem die gute Konjunktur in Deutschland und Europa gab den Chemiekonzernen stärkeren Rückenwind als ursprünglich erwartet. Für viele Basisprodukte habe man Preiserhöhungen durchsetzen können. Den relativ kräftigen Ölpreisanstieg konnten die Unternehmen damit offenbar voll weitergeben.
Dabei half nicht zuletzt auch die weiter verbesserte Auslastung der Anlagen, die sich auf 87 Prozent verbesserte, gegenüber 84 Prozent im Jahr 2016. Alles in allem konnte die Chemieindustrie damit ihre Produktion im ersten Halbjahr um 1,5 Prozent und den Umsatz um fünf Prozent auf knapp 97 Milliarden Euro ausweiten.


Bock stellt Forderungen an die Politik

Allerdings wird die Entwicklung dabei etwas überzeichnet durch den hohen Anteil der Pharmaproduktion, die in den Verbandsdaten traditionell mit enthalten ist. Mit 3,5 Prozent verzeichnete die Pharmabranche weiterhin das stärkste Produktionswachstum. Die eigentliche Chemie bewegte sich in der Produktion nur auf Vorjahresniveau, bedingt vor allem durch weitere Rückgänge im Bereich der petrochemischen Basisprodukte. Alle anderen Chemie-Sparten, darunter Kunststoffe und Feinchemikalien legten um 1,5 bis drei Prozent zu. Und selbst die Stagnation in der Chemie (ohne Pharma) bedeutet eine spürbare Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als die Produktionsmengen der Chemie im engeren Sinne noch leicht rückläufig waren.

Die wachsende Zuversicht spiegelt sich nach Aussage Bocks auch in den Investitionsplänen der Branche wider. So planen die Chemieunternehmen nach Daten des VCI einen Anstieg ihrer Investitionen um knapp sieben Prozent auf etwa 7,5 Milliarden Euro. Fast parallel dazu dürften allerdings auch die Investitionen der deutschen Chemiekonzerne im Ausland steigen. Für diese erwartet der VCI einen Anstieg um etwa sechs Prozent auf 8,4 Milliarden Euro.

Ungeachtet des positiven Branchentrends nutzte Bock die Halbjahres-Pressekonferenz des VCI, um abermals politischen Forderungen zu stellen. Es gelte, die Gunst der Stunde zu nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu erhalten und auszubauen.
Als „Handlungsfelder“ für die Politik in der nächsten Legislaturperiode sieht VCI-Präsident dabei vor allem die Energiepolitik, die Forschungsförderung und den Ausbau der Infrastruktur aus. Die Energiekosten für die Industrie, fordert er, sollten gedeckelt werden, der Ausbau von Wind- und Solaranlagen künftig über den Bundeshaushalt finanziert werden.

Mit Blick auf die Innovationsstärke Deutschlands macht sich der VCI weiterhin sowohl für eine Stärkung der Projektförderung als auch für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung stark. Bock verwies in dem Zusammenhang auf Erfahrungen in anderen Ländern, die für einen deutlichen „Akzellerator-Effekt“ einer steuerlichen Forschungsförderung deuten. „Das führt dazu, dass sie sich über höhere Steuereinnahmen selbst finanziert.“
In Sachen Infrastruktur-Verbesserung fordert der VCI für 60 „prioritäre Verbesserungen“ im direkten Umfeld von Chemiestandorten und einen stärkeren Breitband-Ausbau im ländlichen Raum. Auch viele Hidden Champions aus dem Chemie-Mittelstand seien nicht in den Ballungszentren angesiedelt. „Sie brauchen, aber auch ihre Kunden und Lieferanten, brauchen leistungsfähige Anschlüsse zum Internet, wenn sie mit Wettbewerbern in Indien und China künftig auf Augenhöhe mithalten wollen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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