Chemiebranche: Evonik wächst mit Milliardenzukauf

Chemiebranche: Evonik wächst mit Milliardenzukauf

, aktualisiert 06. Mai 2016, 14:26 Uhr
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Zuwachs im Konzern: Evonik übernimmt Teile des Gaseherstellers Air Products.

von Bert FröndhoffQuelle:Handelsblatt Online

Evonik macht die lange erwartete Großübernahme perfekt: Für 3,8 Milliarden Dollar übernimmt der Chemiekonzern Teile des Spezialchemiegeschäfts vom Gasehersteller Air Products – und kommt so einem wichtigen Ziel näher.

Düsseldorf.Das Management von Evonik war die ewige Frage, wann denn endlich der große Zukauf käme, schon fast leid. Seit Jahren haben Konzernchef Klaus Engel und Strategievorstand Christian Kullmann mit Konkurrenten aus der Spezialchemiebranche über eine Fusion verhandelt – ohne Ergebnis. Doch vergangene Woche machte das Evonik-Spitzenduo bei einer Reise in die USA endlich die ersehnte Großübernahme perfekt.

Für rund 3,8 Milliarden Dollar (umgerechnet 3,5 Milliarden Euro) übernimmt Evonik große Teile des Spezialchemiegeschäfts vom amerikanischen Gasehersteller Air Products, wie der Konzern nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates am Freitag mitteilte. Der Deal soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Börse reagiert positiv auf die Übernahme: Der Evonik-Kurs schnellte am Freitag um zwei Prozent auf 28,60 Euro.

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Der US-Konzern Air Products hatte angekündigt, sich komplett vom Chemiegeschäft zu trennen und auf Industriegase zu fokussieren. Er wollte die Sparte zunächst über einen Spin-off an die Börse bringen. Jetzt gibt Air Products den Teilbereich Spezialadditive an Evonik ab. Das Umsatzvolumen der übernommenen Geschäfte beträgt rund 1,1 Milliarden Dollar.

Der Deal ist nicht billig. Evonik zahlt das 15-fache des operativen Gewinns, den die Air Products-Geschäfte im vergangenen Jahr gemacht haben. Allerdings steckt in der Übernahme ein erwarteter Steuervorteil von 500 Millionen Dollar für Evonik, der in die Kaufrechnung einbezogen wird. Dies eingerechnet ergibt sich ein Preis spricht, der dem 10-fachen des operativen Gewinns entspricht.

Die Spezialchemiesparte von Air Products ist hochprofitabel und kam im vergangenen Jahr auf eine Ebitda-Marge von 27 Prozent. Darin ist aber auch die Division Elektronikchemie eingerechnet, die bei Air Products verbleibt. Evonik kauft nur das Geschäft mit Spezialadditiven, das aber ebenso auf 22 Prozent Gewinnmarge kommt. Dazu zählen Inhaltsstoffe und Vorprodukte für Farben, Klebstoffe, Industriereiniger, Körperpflegemittel sowie Polyurethan-Schäume.

Mit diesen Produkten stärkt Evonik seine beiden wachstumsstärksten Sparten Nutrition & Care sowie Ressource Efficiency. Die erwarteten jährlichen Synergien werden auf 80 Millionen Dollar geschätzt und sollen 2020 voll erreicht werden. Der Konzern zahlt den Kaufpreis in bar - die Hälfte davon kommt aus der eigenen Kasse, der Rest wird extern finanziert.


Eine Übernahme, zwei Ziele

Die Essener kommen damit bei zwei Zielen ein großes Stück voran: Bis 2018 wollen sie den Konzernumsatz auf 18 Milliarden Euro steigern, im vergangenen Jahr lag er bei 13,5 Milliarden Euro. Zum anderen will der Konzern außerhalb Europas wachsen.

Bei den von Air Products zugekauften Geschäften entfällt mehr als die Hälfte des Umsatzes auf Nordamerika – einem Markt, in dem Evonik sich schon seit längerem deutlich verstärken wollte. Neben der regionalen Ergänzung unterstreicht der Konzern den strategischen Fit: Evonik sieht sich nach der Übernahme als Weltmarktführer bei Spezialadditiven.

Das Air-Products-Geschäft kommt auf die hohen Margen, weil die Produkte in Nischenmärkten in enger Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt und verkauft werden. Diese Spezialmärkte wachsen zudem deutlich stabiler als das Massenchemiegeschäft.

Konzernchef Engel und Strategievorstand Kullmann haben den Deal gemeinsam verhandelt, doch vor allem für Kullmann ist es eine Erfolgsmeldung. Als Strategievorstand war es neben der Neuausrichtung des Konzerns seine Hauptaufgabe, für einen gute externe Verstärkung zu sorgen. Kullmann soll im Jahr 2018 an die Konzernspitze rücken, denn der 62-Jährige Engel wird nicht für eine weitere Amtszeit antreten. Der Aufsichtsrat von Evonik setzte für die Nachfolge am Freitag ein klares Signal: Kullmann wurde zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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