Chemieindustrie: Die Gründe für den Abgang von Lanxess-Chef Heitmann

Chemieindustrie: Die Gründe für den Abgang von Lanxess-Chef Heitmann

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Axel Heitmann verlässt Lanxess. Angeblich hat er selbst um die Auflösung des Vertrags gebeten.

von Jürgen Salz

Die Suche nach einem Nachfolger lief schon seit Wochen. Zum Verhängnis wurde Heitmann die starke Abhängigkeit des Lanxess-Konzerns von der Autoindustrie.

Noch vor knapp einem Jahr konnte Lanxess vor Kraft kaum laufen. Der Chemiekonzern aus Köln war gerade in den Dax, die höchste deutsche Börsenliga, aufgestiegen. Der operative Gewinn lag deutlich über der Milliardengrenze – bei 1,2 Milliarden Euro. So hoch wird der Ertrag auf absehbare Zeit nicht mehr ausfallen: 2013 werden es maximal noch 760 Millionen Euro werden. Der Grund: Der Kautschuk-Spezialist Lanxess  ist zu stark von der Autoindustrie abhängig, die seit gut einem Jahr eine veritable Krise durchlebt. Allein 40 Prozent seines Gesamtumsatzes von jährlich etwa neun Milliarden Euro erwirtschaftet der Chemiekonzern  mit der Auto- und Reifenindustrie, die aus dem Lanxess-Kautschuk Reifen, Dichtungen  oder Schläuche herstellt.

Es sind aber nicht nur die schlechten Zahlen allein, die Lanxess-Chef Axel Heitmann zum Verhängnis wurden. Gestern gab der Konzern überraschend die Trennung von seinem Chef bekannt. Nachfolger wird spätestens zum 15. Mai dieses Jahres der amtierende Merck-Finanzvorstand Matthias Zachert. Wie es heißt, wurde Zachert bereits kurz vor Weihnachten vom Lanxess-Aufsichtsrat kontaktiert. In der vergangenen Woche traf er dann seine Entscheidung.

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Heitmann geht, Zachert kommt Lanxess tauscht Führungsspitze aus

Überraschendes Stühlerücken bei Lanxess. Vorstandschef Heitmann verlässt das Unternehmen, übernehmen soll Merck-Mann Matthias Zachert. Der ist für den Spezialchemiekonzern ein alter Bekannter.

Bild aus vergangenen Tagen: Lanxess-Chef Axel Claus Heitmann (rechts) bedankt sich im März 2011 bei seinem scheidenden Finanzvorstand Matthias Zachert. Jetzt soll Zachert, der derzeit als Finanzvorstand beim Pharmariesen Merck arbeitet, den Vorstandsposten von Heitmann übernehmen. Er verlässt das Unternehmen in einer schwierigen Phase. Quelle: dpa

Es rumorte also schon länger bei Lanxess.  Intern stand Heitmann in der Kritik, weil er es nicht schaffte, durch Akquisitionen die Abhängigkeit von der Pkw-Branche zu verringern, heißt es in Finanzkreisen. Die interne M&A-Abteilung habe bereits seit längerem unter Druck gestanden, doch Heitmann habe an der Truppe eisern festgehalten.  Um die Abhängigkeit vom Kautschuk-Geschäft zu mindern, hätte Heitmann etwa in der Lederchemie oder bei Pflanzenschutz-Vorprodukten zukaufen sollen.

Stets hatte der eloquente Heitmann, der aus der einstigen „Bayer-Resterampe“ Lanxess einen vorzeigbaren Dax-Konzern machte, Optimismus verbreitet. Er war zuversichtlich, dass sich die Geschäft bald wieder zum Besseren wenden. Doch in der jüngsten Zeit mehrten sich die negativen Zeichen. Vor wenigen Tagen  schrieb  die Investmentbank JP Morgan in einer Lanxess-Studie, dass die Hoffnungen auf eine zyklisch Markterholung übertrieben seien und empfahl ihren Anlegern,  von Lanxess-Aktien tendenziell lieber die Finger zu lassen.  Zu einer ähnlichen Einschätzung kam kurz darauf auch das Investmenthaus Barclays.

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Angeblich hat Heitmann selbst um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Im Aufsichtsrat wuchsen die Zweifel, ob Heitmann der richtige Mann sei, um Lanxess in die Zukunft zu führen. Aufsichtsratschef Rolf Stomberg drückte das fein verklausuliert so aus: „Lanxess steht vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Marktkapazitäten und Geschäftsportfolio. Der Aufsichtsrat hält deshalb den Zeitpunkt für gekommen, einer neuen Führung Verantwortung zu übertragen…“

Nachfolger Zachert, der von 2004 bis 2011 bereits Finanzvorstand bei Lanxess war und dann in gleicher Funktion zum Pharma- und Chemiekonzern  Merck wechselte, genießt am Kapitalmarkt einen hervorragenden Ruf. Die Reaktion der Anleger  fiel  eindeutig aus: Während die Lanxess-Aktie, die in den vergangenen Jahren bereits deutlich an Wert verloren hatte, nach der Bekanntgabe des Führungswechsels um etwa zehn Prozent zulegte, verlor Merck um etwa zwölf Prozent.

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