Chemiekonzern: BASF will Zentrale für grüne Gentechnik in die USA verlegen

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Feld mit der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora"

von Jürgen Salz

Der Chemiekonzern plant, die Zentrale für grüne Gentechnik von Deutschland in die USA zu verlagern. Es ist ein Alarmsignal für den Technologiestandort Deutschland und dürfte Jobs in Ludwigshafen kosten.

BASF-Chef Kurt Bock rechnet wohl nicht mehr mit einem Meinungswandel. Immer wieder ärgert er sich darüber, dass die meisten Deutschen die grüne Gentechnik strikt ablehnen. Dabei habe diese Zukunftstechnologie ihren Ursprung zum großen Teil in Deutschland, sagte er erst vor wenigen Tagen und warnte: „Wir haben eine hohe Kompetenz und sind dabei, diese zu verspielen.“ Die BASF-Tochter BASF Plant Science (BPS) arbeitet seit Jahren an genveränderten, ertragsstärkeren Pflanzen – um Bauern zu besseren Ernten zu verhelfen oder Nahrung gesünder zu machen.

Doch die Kritiker überzeugt das nicht. Jetzt zieht Bock offensichtlich Konsequenzen: Der Chemieriese plant, die Zentrale der BPS von Limburgerhof bei Ludwigshafen ins Gentechnik-freundlichere Amerika zu verlegen, voraussichtlich in das Forschungszentrum Research Triangle Park im US-Bundesstaat North Carolina.

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Darüber entscheidet der Vorstand wohl noch in diesem Monat, ist aus dem Unternehmen zu hören. Solch eine Entscheidung wäre ein schlechtes Signal für den Technologiestandort Deutschland, bedauert ein Manager. Zudem ist, wie es bei BASF intern heißt, auch ein Abbau von Jobs geplant: Die Zahl der BPS-Stellen soll von 839 auf 750 sinken.

Nicht mehr nur für Europa

Die Arbeitsplätze werden vor allem an den Standorten Limburgerhof und im ostdeutschen Gatersleben gestrichen. Dagegen sollen vor allem in den USA, aber auch im belgischen Gent sowie in Berlin etwa 100 Jobs entstehen. Auf Anfrage äußerte sich BASF nicht dazu.

Schon seit mehr als einem Jahr entwickelt der Konzern keine Pflanzen mehr ausschließlich für den europäischen Markt. Intern soll nun auch die Zukunft der BASF-Genkartoffel Amflora zur Debatte stehen. Mehr als zehn Jahre lang hatte das Unternehmen bei der EU-Kommission um die Zulassung der Ackerfrucht gekämpft, bevor es diese im März 2010 erhielt.

Gen-Knolle für Industrie

Die Gen-Knolle, die für den menschlichen Verzehr ungeeignet ist, soll Amylopektinstärke für die Industrie liefern, die Papier reißfester, Beton haltbar und Klebstoff länger verarbeitungsfähig machen. In Üplingen in Sachsen-Anhalt hat BASF die ersten Kartoffeln auf einem Versuchsfeld ausgesät. Schon zuvor war gerade Amflora ins Visier von Gentechnik-Gegnern geraten. Sie befürchten, dass die Gene der Kartoffel über kurz oder lang doch in Lebensmitteln landen.

Nach Aussage von Bock investiert BASF jedes Jahr rund 150 Millionen Euro in die Forschung für die grüne Gentechnik. Der BASF-Chef sieht darin langfristig ein Wachstumsfeld: „Das wird ein Geschäft werden.“ Aber Deutschland steht abseits.

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