Chemiekonzern: Das Erfolgsrezept von Bayer-Boss Dekkers

Chemiekonzern: Das Erfolgsrezept von Bayer-Boss Dekkers

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Erfolgsfaktor Volkstümlichkeit - Bayer-Chef Dekkers erhält in der Leverkusener Konzernzentrale einen Kölner Karnevalsorden

von Jürgen Salz

Arbeitsplatzabbau, Streichungen, Verlagerungen – wie der amerikanisch geprägte Vorstandschef Marijn Dekkers den deutschen Traditionskonzern umpolt, ohne die Mitarbeiter zu vergrätzen.

Die drei Herren aus dem benachbarten Köln, die Bayer-Chef Marijn Dekkers in seinem Büro im dritten Stock der Leverkusener Zentrale empfing, entsprachen nicht dem üblichen Dresscode. Der Anführer der Gruppe hatte sich ein rot-weißes Wams und eine weiße Strumpfhose übergestreift, sein Nebenmann hielt einen Dreschflegel in der Rechten, der Dritte im Bunde kaschierte sein Haar mit einer Perücke und Zöpfen.

Dekkers fand trotzdem den passenden Ton gegenüber dem karnevalistischen Trio – dem Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau. Ergebenst fragte der 54-Jährige die Tollitäten, wie sie es an die Spitze des kölschen Karnevals geschafft hätten. Und er ließ sie wissen, dass ihm der närrische Jubelruf „Alaaf“ aus seiner niederländischen Heimat, der Grenzstadt Tilburg, wohlvertraut sei. Eine gute Stunde nahm sich der Bayer-Boss Mitte Januar für die närrischen Regenten Zeit.

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Unruhe und Krach

Die Volkstümelei ist Teil des Erfolgsrezepts des Mittfünfzigers in den ersten 16 Monaten an der Bayer-Spitze. Dekkers tritt freundlich auf, verfügt über eine gute Portion Humor und erweist sich als äußerst lernfähig. Auf diese Weise schafft es der gebürtige Niederländer, den deutschen Traditionskonzern umzupolen und selbst harte Einschnitte durchzusetzen, ohne die Mitarbeiter zu vergrätzen und das Unternehmen zu lähmen. Die Zahlen sprechen für ihn: Am 28. Februar wird er für das Geschäftsjahr 2011 Umsatz- und Ergebniszuwächse verkünden.

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Zunächst herrschte Skepsis

Dekkers ist der erste Bayer-Boss, der von außen ins Unternehmen kam. Sein gesamtes Berufsleben davor hat der promovierte Chemiker in den USA verbracht. Dort, wo die Mitbestimmung der Beschäftigten nahezu unbekannt ist und einzig das Interesse der Aktionäre gilt. Skeptisch bis ängstlich hatten ihm die Bayer-Beschäftigten gegenübergestanden, als er im Januar 2010 seinen Dienst in Leverkusen antrat und neun Monate später die Führung des Konzerns übernahm. Als Chef des US-Laborausrüsters Thermo Electron hatte Dekkers Tausende Arbeitsplätze gestrichen, Geschäftsbereiche verkauft und neue gekauft, mit einem größeren Konkurrenten fusioniert und das Unternehmen so wieder in Schwung gebracht. Klar, dass so einem die Prophezeiung vorauseilte, er werde auch Bayer total und rigoros umbauen. Dass die Chemiesparte sein erstes Opfer sein würde, schien nur eine Frage der Zeit.

Doch es kam anders. Der polyglotte Manager, der mit seiner Familie in Düsseldorf-Kaiserswerth lebt, mutet den über 30.000 deutschen Bayer-Beschäftigten viel zu, doch die Mitarbeiter ziehen mit. Die anfängliche Unruhe hat sich gelegt, die Furcht vor dem Brutalo-Sanierer ist gewichen. Zwar krachte es anfangs gewaltig zwischen Dekkers und den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, inzwischen ist aber wieder von vertrauensvollen Gesprächen die Rede. „Dekkers hat dazugelernt“, sagt Reiner Hoffmann, Bayer-Aufsichtsratsmitglied und Landesbezirksleiter der Chemie-Gewerkschaft IG BCE.

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