China: Roboter übernehmen Jobs im Reich der Mitte

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China: Roboter übernehmen Jobs im Reich der Mitte

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Automatisch gestanzt - Der Verpackungshersteller Liangcai kann mit neuen, sensorgesteuerten Maschinen die Produktion nach Maß zugeschnittener Styroporplatten bei weniger Arbeitskräften vervierfachen

von Philipp Mattheis

In China werden Roboter und Maschinen immer häufiger auch für einfache Tätigkeiten eingesetzt. Das verändert das Land. Deutsche Maschinenbauer profitieren davon, erhalten aber neue gefährliche Konkurrenten.

Es ist schwül und laut in der Halle, ein Ventilator zerhackt die nach Öl riechende Luft. Wang Zhong, Chef des Verpackungsherstellers Liangcai in Suzhou, rund 100 Kilometer westlich von Shanghai, steht zwischen zwei Maschinen.

Noch benötigt Wang zwei Arbeiter, um die Maschine links von ihm, einen Stanzapparat, zu bedienen. Einer der Männer legt ein Stück Styropor ein, der andere drückt einen Hebel nach unten. Zwei Sekunden später spuckt die Stanze das zugeschnittene Teil aus. In dem Styropor werden später Autoteile wie Blinker oder Lenkräder verpackt, damit sie beim Transport keinen Schaden nehmen.

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Wang Zhong, Chef des chinesischen Verpackungsherstellers Liangcai (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Egill Bjarke für WirtschaftsWoche

Wang Zhong, Chef des chinesischen Verpackungsherstellers Liangcai (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Bild: Egill Bjarke für WirtschaftsWoche

Doch in Zukunft braucht Wang weniger Personal. Denn für die neue Maschine nebenan reicht eine einzige Kraft, um die gleiche Arbeit zu erledigen. „Sie produziert viermal so viel wie die alte“, sagt Wang. Denn Sensoren des Maschinenbauers Sick aus dem badischen Waldkirch sorgen dafür, dass die Anlage das Styropor künftig selbstständig richtig fixiert. „In unserer neuen Fabrik, die wir 2013 planen, werden solche Maschinen Standard“, sagt Wang. „Arbeitskräfte werden immer teurer. Wir automatisieren daher unsere Produktion.“

Die Werkbank der Welt rüstet auf. Aus dem Billiglohnland China soll ein High-Tech-Standort werden. Statt auf einfache Arbeitsvorgänge für schlecht ausgebildete, aber immer teurere Kräfte setzen immer mehr Unternehmen auf Maschinen und Roboter. Davon profitieren japanische und vor allem deutsche Maschinenbauer.

Übersicht zur Nachfrage und Bestand von Industrierobotern (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

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Gewaltiger Nachholbedarf

Die Kommunistische Partei hat die Automatisierung der Fertigung als Ziel in den zwölften Fünfjahresplan geschrieben. Daher subventioniert Peking heimische Unternehmen aus insgesamt 27 Industrien, die von Handarbeit auf maschinelle Produktion umstellen. „Wesentliches Ziel der Regierung ist die Transformation vom Billiglohnstandort zu einem der weltweit führenden Produzenten von Hochtechnologie“, sagt Georg Stieler, China-Chef der Unternehmensberatung STM aus dem badischen Lörrach. „Dementsprechend sollen Schlüsselindustrien wie Luftfahrt, Automobil, Eisenbahnbau, Elektronik und Rüstung mit leistungsfähigen Werkzeugmaschinen ausgestattet werden.“

Kamen etwa in der chinesischen Autoindustrie 2006 noch 37 Roboter auf 10.000 Mitarbeiter, waren es 2010 schon 105 – eine Verdreifachung. Trotzdem bleibt der Nachholbedarf gewaltig: In Japan kommen auf 10.000 Mitarbeiter 1400 Roboter. Damit wird China zum größten Kunden der weltweiten Automatisierungsindustrie. Schon 2014 soll das Reich der Mitte zum größten Absatzmarkt für Roboter werden, heißt es beim Internationalen Verband für Robotik (IFR). Allein der größte Arbeitgeber Chinas, der Apple-Zulieferer Foxconn mit Stammsitz in Taiwan, will bis 2013 eine Million Roboter einsetzen, hat Foxconn-Chef Terry Guo vollmundig angekündigt. Dagegen schätzt die IFR den Gesamtbestand für ganz China im Jahr 2015 nur auf gut 840.000.

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