Clemens gegen Robert Tönnies: Frieden im Fleischkonzern lässt auf sich warten

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Clemens gegen Robert Tönnies: Frieden im Fleischkonzern lässt auf sich warten

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Der Unternehmer Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies. Eine Einigung im Familienstreit ist noch immer nicht in Sicht.

von Mario Brück

Der Streit im Metzger-Clan Tönnies geht weiter. Eine angeblich bevorstehende Einigung im Streit um die Macht in Deutschlands größtem Fleischkonzern ist nicht in Sicht.

Clemens Tönnies hatte wieder einmal tief in die Trickkiste gegriffen, um den Druck auf seinen Neffen und Kontrahenten Robert Tönnies zu erhöhen. Dazu lancierte der Chef der gleichnamigen Großmetzgerei im westfälischen Rheda-Wiedenbrück in den vergangenen vier Wochen an verschiedene Medien die Behauptung, eine Einigung im Kampf um die Macht bei Deutschlands größtem Fleischkonzern befinde sich auf der Zielgeraden.

Jedes Problem sei in den vergangenen Wochen angesprochen und gelöst worden, eine Unterschrift unter einen Vertrag zur Beilegung der Streitigkeiten vielleicht schon bis Anfang August möglich. Zwischen den Zeilen klang mit: Sollte eine Einigung doch noch scheitern, dann kann das nur an seinem renitenten Neffen Robert und dessen möglichen Nachforderungen liegen.

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Die Deutschen stehen auf Wurst und Fleisch

  • Verzehr von Fleisch ist "selbstverständlich"

    Für viele Deutsche ist ein Frühstück ohne Wurst kaum vorstellbar. Eine repräsentative Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat ergeben, dass 85 Prozent aller Deutschen den Verzehr von Fleisch und Wurst als „selbstverständlich und naturbewusst“ ansehen. 83 Prozent der Befragten wollen unter keinen Umständen auf den Verzehr von Fleisch und Wurstwaren verzichten.

  • Kein schlechtes Gewissen

    Die Studie zeigt, dass jeder zweite Deutsche zumindest einmal am Tag Wurst oder Fleisch verzehrt. Ein Viertel der Befragten hat ein schlechtes Gewissen, wenn er an die geschlachteten Tiere denkt. Knapp 42 Prozent achten beim Fleischeinkauf jedoch insbesondere auf einen möglichst günstigen Preis.

  • Grillen ist Männersache?

    Über 80 Prozent der Befragten essen gerne gegrilltes Fleisch und gegrillte Würstchen. Das Grillen ist eines der beliebtesten Hobbys der Deutschen und ganz klar eine Männerdomäne. Sechs von zehn Befragten sind der Meinung, dass „Männer einfach mehr Fleisch zum Essen brauchen als Frauen.“ Frauen sind hingegen weniger häufig bedingungslose Fleischesser. Sie haben nicht nur häufiger gesundheitliche Bedenken beim Fleischkonsum, sie achten auch eher auf die Herkunft des Fleisches.

  • Fleischskandale ändern Ansichten

    Nur etwas mehr als jeder Dritte (36 Prozent der Befragten) gab an, beim Fleischkonsum vorsichtiger geworden zu sein. Die Fleischskandale der vergangenen Jahre haben zu einem Umdenken bei vielen Fleischkonsumenten geführt: Ein Drittel der Studienteilnehmer sagt, dass eine vegetarische Ernährung gesünder sei. Außerdem könne der Verzicht auf Fleisch Gesundheitsrisiken vorbeugen.

  • Gesundheitliche Risiken durch den Fleischkonsum

    Während sich ein Großteil der Befragten beim Fleischkonsum mit gesundheitlichen Risiken konfrontiert sieht, verzichten nur 15 Prozent generell auf Fleisch. Lediglich drei Prozent gaben an, sich ausschließlich vegetarisch zu ernähren. Zwölf Prozent der Befragten kaufen ausschließlich Bio-Fleisch. Allerdings legen 65 Prozent der Befragten laut der Studie keinen besonderen Wert auf die artgerechte Haltung der Tiere.

  • Fleisch ist nicht gleich Fleisch

    Doch nach Meinung vieler Befragter ist Fleisch nicht gleich Fleisch: 58 Prozent der Befragten gaben an, Geflügel – sogenanntes „weißes Fleisch“– sei gesünder als „rotes Fleisch“ von Rind oder Schwein. Doch die Geflügelskandale der vergangenen Jahre beunruhigen die deutschen Fleischkonsumenten. 29 Prozent kaufen ihr Fleisch deshalb direkt bei Bauern oder Erzeugern.

  • Fleischkonsum als Gruppenzwang?

    Fleischkonsum als Gruppenzwang? Knapp 19 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, weniger Fleisch und Wurst einkaufen zu wollen, Familie oder Partner wollten aber nicht auf Fleisch verzichten. Insbesondere Frauen haben ein ambivalentes Verhältnis zum Fleischkonsum. Ein Viertel der weiblichen Studienteilnehmer gab an, zumindest zeitweise auf den Verzehr von Fleisch oder Wurstwaren zu verzichten.

  • Fleischkonsum ist Bildungsfrage

    Alter, Bildung und Herkunft der Befragten spielten eine Rolle: So achten 54 Prozente der 20- bis 29-Jährigen beim Fleischeinkauf auf einen günstigen Preis. Dagegen haben 34 Prozent der Jüngsten (14- bis 19-Jährige) ein schlechtes Gewissen, wenn sie beim Fleischkonsum an die geschlachteten Tiere denken. Menschen mit höherer Schuldbildung essen weniger Fleisch, als Menschen mit niedriger Bildung. In den neuen Bundesländern waren 90 Prozent aller Befragten der Meinung, dass Fleischessen beim Menschen naturbedingt ist.

  • Zur Studie der GfK-Marktforschung

    Die durch den „Wort & Bild Verlag“ veröffentlichte Studie wurde von der GfK-Marktforschung vom 9. bis zum 27. August 2013 als telefonische Befragung durchgeführt. In diesem Rahmen wurden 2094 Befragte im Alter ab 14 Jahren befragt. Die nach Quoten gezogene Stichprobe gilt als repräsentativ für die Bundesrepublik Deutschland.

Die Wirklichkeit ist jedoch eine andere. Laut Informationen der WirtschaftsWoche aus dem Familienumfeld handelt es sich bei dem angeblich unterschriftsreifen Vertrag nur um einen Grobentwurf der Münchner Anwaltskanzlei Noerr, die Clemens Tönnies vertritt.

Vertrag ist nicht abgestimmt

Von einem bevorstehenden westfälischen Frieden kann keine Rede sein. Jede Seite des Vertrags trägt den Hinweis der Kanzlei Noerr: „Noch nicht final mit Mandant abgestimmt.“ Soll heißen: Der angeblich unterschriftsreife Text ist nicht einmal von Clemens Tönnies abgesegnet.

Mittlerweile soll der Stuttgarter Anwalt Mark Binz den Vertragsentwurf im Auftrag seines Mandanten Robert Tönnies sogar zurückgewiesen und eine deutliche Überarbeitung gefordert haben. Knackpunkt ist dem Vernehmen nach, dass die Anwälte von Clemens Tönnies im Entwurf die Gleichberechtigung des Onkels mit seinem Neffen verwässert haben.

Die aber hatten beide mündlich ausdrücklich vereinbart. Auch Punkte wie eine zu gründende Zwischenholding, die Ausgestaltung und Kompetenzen einer Doppelkonzernspitze aus Clemens und Robert Tönnies sowie die Frage, wie stark sich beide künftig ins Tagesgeschäft einbringen, sind umstritten. Keine Einigung gibt es auch über die Einbindung anderer Familienmitglieder.

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Onkel und Neffe sind jeweils zur Hälfte an Deutschlands größtem Fleischkonzern mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro beteiligt. Robert fordert allerdings von seinem Onkel, der im Nebenberuf dem Fußballbundesligisten Schalke 04 vorsteht, einen fünfprozentigen Anteil zurück, den er ihm vor Jahren geschenkt hatte.

Clemens habe die Schenkung verwirkt, weil er hinterrücks ein eigenes Wurstimperium – die Zur-Mühlen-Gruppe mit Marken wie Böklunder und Gutfried – aufgebaut und auf eigene Rechnung in Russland Schweinemastbetriebe gegründet habe.

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