Coca-Cola-Vorstoß: Die Mehrwegflasche wird zum Auslaufmodell

Coca-Cola-Vorstoß: Die Mehrwegflasche wird zum Auslaufmodell

Der jüngste Schwenk von Coca-Cola hin zu mehr Wegwerfflaschen hat die Politik aufgeschreckt. Das weltweit kopierte Mehrwegsystem erodiert. Vor allem durch den Getränkeverkauf in Discountern, die Mehrweg boykottieren.

230 Glasnoppen hat sie, 0,7 Liter passen hinein. Die Perlen stehen für die sprudelnde Kohlensäure und machen die Flasche rutschfest. Die 1968 von Günter Kupetz entworfene „Normbrunnenflasche“ ist ein Designklassiker. Sie eroberte den Getränkemarkt, später kam noch die PET-Variante hinzu. Mit 1,2 Milliarden Mineralwasser- und Limoflaschen soll dieses Mehrweg-System nach Angaben der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) das größte Europas sein. Die Frage ist, wie lange noch?

Denn viele Bürger greifen seit Jahren lieber zur schnöden Einweg-Wasserflasche aus dem Discounter. Das zermalmende Quietschen im Rückgabeautomaten gehört zur Begleitmusik beim Einkauf. Auch hier ist zwar Pfand - meist 0,25 Cent - zu zahlen. Und der Plastikmüll wird oft zu neuen Flaschen wiederverwertet. Aber Energie- und Ressourcenaufwand sind um einiges größer - die Ökobilanz ist schlechter. Selbst Dosen sind wieder verstärkt auf dem Vormarsch. Es ist ein Rückschlag. Mit der Einführung der Perlenflasche beendete die GDB mit vielen Mineralwasser- und Limoherstellern damals das ineffiziente System mit unterschiedlichen Flaschentypen. Die Entscheidung setzte Maßstäbe im Umweltschutz.

Getränkeriese Sparkurs von Coca-Cola zeigt erste Wirkung

Bei Coca-Cola geht es bergauf: Trotz sinkender Beliebtheit des Getränks in Nordamerika und Europa zeigt der Sparkurs von Konzernchef Muhtar Kent erste Erfolge.

huGO-BildID: 35364517 ARCHIV - Zwei-Liter-Getränkeflaschen mit Coca Cola stehen am 21.08.2013 auf einem Transportband. Foto: Jens Kalaene (zu dpa "Coca Cola veröffentlicht Jahreszahlen" vom 18.02.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Eine Glasflasche wird heute im Schnitt 50 Mal wiederbefüllt, die PET-Variante 15 bis 25 Mal. Aber der Mehrweganteil liegt bei Mineralwasser nur noch bei 29,6 Prozent, der Grund liegt im Billigwasserverkauf im Discounter. Für 19 Cent sind 1,5 Liter schon zu bekommen, das Pfand ist mitunter teurer als das Produkt. Dank der Bierflachen kann zwar noch eine Mehrwegquote von 45,7 Prozent erreicht werden - aber vom in der Verpackungsverordnung verankerten Ziel einer 80-Prozent-Quote an Mehrwegverpackungen und „ökologisch vorteilhaften Einweggetränkeverpackungen“ ist man sehr weit entfernt. Aufgeschreckt hat die Bundesregierung daher der jüngste Schwenk von Coca-Cola. Der Getränkekonzern will bei 0,5- und 1,5-Literflaschen verstärkt auf Einweg setzen.

„Unserer Schätzung nach sind deutschlandweit etwa 1000 Jobs durch die Entscheidung pro Einweg massiv bedroht“, meinte Freddy Adjan von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Dabei gehe es um Fahrer oder Arbeiter, die Kästen bestücken und Flaschen reinigen. Coca-Cola sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Bisher habe man eine Mehrwegquote von 56,7 Prozent bei Erfrischungsgetränken - doppelt so hoch wie der Bundesschnitt. Die 0,5-Liter-Flasche sei heute ein klassisches Unterwegsprodukt, die Flasche werde also selten im Mehrwegkasten zurückgegeben. Daher gebe es höhere Flaschenverluste und geringere Umlaufzahlen.

Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), sieht einen Mitgrund in der Marktmacht der Discounter. „Die Entscheidung von Coca-Cola, seine Produkte bei Aldi und Lidl zu listen, ist als eine Entscheidung für Einweg zu verstehen, dort werden grundsätzlich keine Mehrwegverpackungen angeboten.“ Die wollen keine Lagerräume für Leergut vorhalten.

Der klassische Getränkemarkt mit Mehrwegsystem wird so zum Auslaufmodell. Was also tun? Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will keine gesetzliche Mehrwegquote, da dies nach Worten einer Sprecherin einem Teil-Verbot von Einwegverpackungen gleichkommen und Getränkehersteller über Gebühr belasten würde. Auch eine Zwangsabgabe auf Einweg will sie „derzeit“ nicht. Die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, hält hingegen Zwangsmaßnahmen für denkbar: „Eine Zusatzabgabe für Einweg, zur Stützung des Mehrwegs, schließen wir nicht aus.“

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DUH-Mann Fischer findet das gut, ihm schweben 20 Cent vor - dann würde die Wasserflasche beim Discounter 39 statt 19 Cent kosten, plus 25 Cent Pfand. Und was soll mit den Einnahmen passieren? Das könne für Abfallvermeidungsmaßnahmen und zur Unterstützung des Mehrwegsystems eingesetzt werden. Das Einwegpfand müsse parallel beibehalten werden, denn sonst würde die Landschaft zugemüllt. Vor allem aber werden die Länder ermahnt, als ersten Schritt ein im Bundesrat vor sich hin schmorendes Vorhaben umzusetzen: Eine klare Kennzeichnungspflicht im Supermarkt, was ist Einweg, was ist Mehrweg. Denn viele denken Pfand gleich Mehrweg. Der Entwurf liegt seit Februar 2013 vor. Hendricks mahnt, rasch zuzustimmen. Auch Krautzberger pocht darauf: „Denn viele Verbraucher wollen Mehrweg kaufen, landen aber bei Einweggetränken.“

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