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Cromme im Kreuzfeuer: Der Tag der langen Messer bei ThyssenKrupp

von Andreas Wildhagen

Furcht und Nervosität vor der Hauptversammlung des gebeutelten Stahlkonzerns ThyssenKrupp: Droht nun Gerhard Cromme das Fegefeuer?

Gerhard Cromme, 69, der Aufsichtsratschef der ThyssenKrupp AG

Seit seinem Einstieg Ende der 1980er Jahre saß er an allen wichtigen Schaltstellen des Essener Konzerns - und war für den Umbau des Traditionsunternehmens mitverantwortlich. Stets unter dem wachsamen Auge von Berthold Beitz, mit dem er sich abspricht. Cromme saß im Krupp-Chefsessel, schon bevor diese in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, und noch bevor diese mit der Thyssen Stahl AG fusionierte. Seit 2001 ist er der Aufsichtsratsvorsitzende der ThyssenKrupp AG - und in dieser Position war er an allen wesentlichen Entscheidungen beteiligt, die schließlich zur Fehlinvestition der Stahlwerke in Brasilien und den USA führten. Nun dürften nicht wenige Aktionäre die Frage stellen: Was und wie viel wusste Gerhard Cromme genau?

Bild: dapd

Am Freitag, den 18. Januar, kann Gerhard Cromme, 69, seinen Kritikern nicht mehr ausweichen. Dann ist Hauptversammlung, das jährliche Treffen der Aktionärsvertreter des ThyssenKrupp-Konzerns, als dessen Aufsichtsratsvorsitzender Cromme seit 2001 fungiert. Zuviel ist zusammen gekommen: Fehlinvestitionen in Brasilien und USA in Milliardenhöhe, ein Jahresverlust in Höhe von 5 Milliarden Euro, Kartellabsprachen beim Aufzugsgeschäft sowie das unsägliche Kartell der „Schienenfreunde“ wie sich die Kartellanten bei ThyssenKrupp selber nannten. Dazu kommen noch Luxusreisen mit ausgewählten Journalisten, Prunk- und Protzreisen des Vorstandes und First-Claas-Trips des gesamtes Aufsichtsrates.

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Nachdem das Handelsblatt eine Reihe von Protokollen aus Aufsichtsratssitzungen veröffentlicht hat, in denen das Frage- und Antwortspiel um die Milliardeninvestitionen in Übersee eher einer lockeren Plauderei mit leeren Versprechungen glich, ist es vollends um die Glaubwürdigkeit des Aufsichtsrates und des größten Anteilseigners, der Krupp-Stiftung geschehen.

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Die Glaubwürdigkeit ist dahin

Es wird schwer sein, diese Glaubwürdigkeit auf der Hauptversammlung in Bochum wieder zu erringen. In den Tagen vor der Aktionärsversammlung ist ein fußballmannschaft-starkes Beratungsteam rund um Cromme damit beschäftigt, den früher so souveränen Aufsichtsratschef zu präparieren. Konzerninsider berichten, dass Cromme immer unduldsamer, reizbarer, fordernder in seiner Umgebung geworden ist. Die Fragen aus dem Aktionärskreis werden bohrend sein, Cromme kann ihnen nicht ausweichen, das Aktienrecht zwingt ihn, präzise und zutreffende Antworten zu geben, alle Antworten sind am Freitag zudem justitiabel.

Stärke 1: Das Unternehmen besitzt ein solides Liquiditätspolster. Zwar hat Thyssen-Krupp gerade den zweiten Milliardenverlust in drei Jahren eingefahren. Dennoch ist der Konzern, dank eines sehr konservativen Finanzengagements, erstaunlich gut bei Kasse. Im vierten Quartal gelang es Finanzchef Guido Kerkhoff, die liquiden Mittel auf 3,6 Milliarden Euro zu erhöhen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Verkauf eigener Aktien, die ursprünglich als strategische Reserve für Übernahmen gedacht waren. Der Verkauf brachte einen Erlös von 1,6 Milliarden Euro.

Bild: dpa

Im Aktienrecht ist das Auskunftsrecht eines jeden stimmberechtigten Aktionärs klar geregelt: „Jedem Aktionär ist auf Verlangen in der Hauptversammlung Auskunft über Angelegenheiten der Gesellschaft zu geben“. So heißt es sogar in der Einladung zur Hauptversammlung.

Cromme ist präpariert. Er wird, wie es seine bisher erprobte Art ist, die von ihm beauftragten Spitzenadvokaten zitieren, die auch sämtliche Reisen von Aufsichtsräten und Vorständen unter die Lupe genommen haben. Falls diese nicht Luxusreisen von Cromme zum Thema haben, wird der allgewaltige Aufsichtsratschef, der auch Chefkontrolleur von Siemens ist, wahrscheinlich ungeschoren, aber mit knapper Not und schlechten Schlagzeilen aus der Hauptversammlung ins Wochenende gehen.

Aktionärsstruktur ThyssenKrupp

So what? So könnte man fragen. Der größte Aktionär, die Krupp-Stiftung und der 99-jährige Berthold Beitz stehen hinter ihm, noch jedenfalls. Damit ist Cromme unverwundbar, so scheint es. Die anderen Großaktionäre haben sich bisher noch nicht öffentlich zu Cromme geäußert. Das könnte sich noch ändern. Anfragen der WirtschaftsWoche laufen. Beitz hat sich in einem Telefongespräch mit Handelsblatt-Redakteuren kurz vor Weihnachten in einem kurzen und knochigen Bekenntnis für Cromme ausgesprochen. Basta.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 17.01.2013, 11:00 Uhrfelix

    Also, die Headline des Artikels ist in Verbindung mit ThyssenKrupp ja sowas von daneben.

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