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Das ewige Duell: Keine Niederlage für Airbus

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der deutsch-europäische Flugzeughersteller sieht sich trotz weniger Bestellungen noch in Führung vor dem Erzrivalen Boeing. Doch ausruhen kann sich Airbus angesichts der vielen Herausforderungen in diesem Jahr nicht.

Airbus sieht sich trotz weniger Bestellungen in Führung vor dem ewigen Erzrivalen Boeing - und das nicht etwa aufgrund der jüngsten Probleme der Amerikaner mit ihrem 787 Dreamliner. Quelle: dpa
Airbus sieht sich trotz weniger Bestellungen in Führung vor dem ewigen Erzrivalen Boeing - und das nicht etwa aufgrund der jüngsten Probleme der Amerikaner mit ihrem 787 Dreamliner. Quelle: dpa

Ein bisschen geknickt hätte Fabrice Brégier heute eigentlich schon aussehen können. Schließlich musste der Chef des europäischen Flugzeughersteller Airbus heute eingestehen, dass er trotz aller Anstrengungen die Führung der Branche an den US-Rivalen Boeing abgeben musste. Im vergangenen Jahr haben die Amerikaner unter dem Strich 1.203 Flugzeuge verkauft. Die Europäer hingegen kamen nur auf 833. Im Jahr 2011 war das Verhältnis noch anders herum. Dazu hat Airbus mit 588 Flugzeugen ein gutes Dutzend Maschinen weniger gebaut als Boeing.

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Airbus A320neo

In der nach Stückzahlen wichtigsten Klasse der Mittelstreckenjets für bis zu gut 200 Passagiere aus Europa ist derzeit das Maß aller Dinge. Kein Flugzeug hat sich so schnell verkauft wie die drei Modelle der Neo-Familie. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Denn im Gegensatz zur 737 Max genannten fünften Auflage seines Bestseller bietet der neo mehr Neuerungen und wird bald auch in den USA gebaut. Seine Triebwerke sind größer und damit sparsamer. Und weil am Airbus auch die neuen PW1000G mit dem Getriebe hängen, könnte das Flugzeug auch leiser sein, angesichts der immer schärferen Fluglärm-Diskussion in allen Industrieländern ein großer Vorteil.

Länge (Meter): 34 - 45

Passagiere: 124-220

Maximale Reichweite (KM): 7800

Verkauft: 1425 (Stand Juni 2012)

Listenpreis (Mill. Dollar): 84 - 107

Ausgeliefert: 2015

Bild: REUTERS

Wenn Brégier trotzdem bester Laune war, dann war das nicht etwa Schadenfreude über die jüngsten Probleme der Amerikaner mit ihrem Leichtbauflieger 787. Denn aus seiner Sicht lief 2012 deutlich besser als erwartet und die Niederlage gegen Boeing ist keineswegs bitter. Von seiner Warte aus liegt Airbus nämlich nach wie vor in Führung. Nimmt man die Jahre 2011 und 2012 zusammen, hat Airbus nach wie vor mehr Flugzeuge verkauft. Dazu sitzt Airbus auf einem Auftragsbestand von gut 4.600 Flugzeugen, etwa acht Prozent mehr als die Amerikaner.

Das reicht derzeit für mehr als sieben Jahre. Selbst beim als überholt verschrienen kleinen Langstrecken-A330 reicht es noch für fast drei Jahre Produktion. Auch darum traut sich Airbus die Flugzeugpreise gegenüber dem Vorjahr um gut drei Prozent anzuheben. Zu guter Letzt sind beim Superjumbo A380 die Probleme mit dem Flügel zumindest technisch gelöst.

Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich

  • Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich

    Umsatz (in Millionen Euro):

    Airbus: 33.103
    Boeing: 27.931

    Gewinn (Ebit, in Millionen Euro):

    Airbus: 584
    Boeing: 2.699

    Beschäftigte:

    Airbus: 55.000
    Boeing: 80.000

    Angaben für 2011

  • Auftragsbestand

    Flugzeuge:

    Airbus: 4.437
    Boeing: 3.371

    Wert (in Millionen Euro, Listenpreis):

    Airbus: 495.513
    Boeing: 226.487

    Angaben für 2011

  • Bestellungen und Auslieferungen

    Bestellungen 2011:

    Airbus: 1.419
    Boeing: 805

    Bestellungen 2012 (Stand: 31. August):

    Airbus: 384
    Boeing: 666

    Auslieferungen 2011:

    Airbus: 534
    Boeing: 477

Aber am Ende ist dem Airbuschef mehr als bewusst, dass er 2013 kein leichtes Jahr vor sich hat. Die französische Luftwaffe erwartet die ersten vier Exemplare des fast fünf Jahre verspäteten Militärtransporters A400M. Der A320neo genannte neu Mittelstreckenjet muss vorankommen und zeigen, dass er wirklich rund ein Sechstel weniger Sprit verbraucht als seine Vorgänger. Vor allem aber muss der A350, das Konkurrenzmodell zur Boeing 787, seinen Erstflug hinter sich bringen.

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Da ist zwar laut Brégier derzeit alles im Plan. Doch gerade die Pannenwoche des Boeing Dreamliners zeigt, dass immer etwas schief gehen kann. Beim derzeit drängendsten Problem der US-Fliegers, den Lithium-Ionen-Akkus, sieht sich Airbus auf der sicheren Seite. Die Europäer bauen die Elektrik ihres A350 etwas anders und nutzen im Schnitt zwei Batterien mit niedrigerer Leistung, wo Boeing einen starken Akku verwendet. Doch so ganz sicher ist sich Airbus in dem Punkt nicht. Um kein Risiko einzugehen wollen die Ingenieure nochmal alles zusammen mit der US-Aufsichtsbehörde FAA klären. Aber auch das kann Brégier nicht beunruhigen. Denn selbst wenn er an seiner Elektrik oder den Akkus etwas ändern muss: im Gegensatz zu Boeing hat er noch gut ein Jahr Zeit bis zur ersten Auslieferung.

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