
Ein bisschen geknickt hätte Fabrice Brégier heute eigentlich schon aussehen können. Schließlich musste der Chef des europäischen Flugzeughersteller Airbus heute eingestehen, dass er trotz aller Anstrengungen die Führung der Branche an den US-Rivalen Boeing abgeben musste. Im vergangenen Jahr haben die Amerikaner unter dem Strich 1.203 Flugzeuge verkauft. Die Europäer hingegen kamen nur auf 833. Im Jahr 2011 war das Verhältnis noch anders herum. Dazu hat Airbus mit 588 Flugzeugen ein gutes Dutzend Maschinen weniger gebaut als Boeing.
Bild: REUTERSAirbus A320neo
In der nach Stückzahlen wichtigsten Klasse der Mittelstreckenjets für bis zu gut 200 Passagiere aus Europa ist derzeit das Maß aller Dinge. Kein Flugzeug hat sich so schnell verkauft wie die drei Modelle der Neo-Familie. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Denn im Gegensatz zur 737 Max genannten fünften Auflage seines Bestseller bietet der neo mehr Neuerungen und wird bald auch in den USA gebaut. Seine Triebwerke sind größer und damit sparsamer. Und weil am Airbus auch die neuen PW1000G mit dem Getriebe hängen, könnte das Flugzeug auch leiser sein, angesichts der immer schärferen Fluglärm-Diskussion in allen Industrieländern ein großer Vorteil.
Länge (Meter): 34 - 45
Passagiere: 124-220
Maximale Reichweite (KM): 7800
Verkauft: 1425 (Stand Juni 2012)
Listenpreis (Mill. Dollar): 84 - 107
Ausgeliefert: 2015
Bild: REUTERSBoeing 737 Max
Die insgesamt vierte Neuauflage der Mittelstreckenjets 737 soll die Erfolgsgeschichte des mit knapp 6000 verkauften Jets erfolgreichsten Zivilflugzeugsfortsetzen. Doch trotz neuer Flügel und Triebwerke sowie einer Auffrischung der Inneneinrichtung namens Sky Interior mit geschickten Lichteffekten und versenkbaren Gepäckfächern verkaufen sich die drei Max-Modelle noch deutlich hinter dem Neo genannten Nachfolger des klassischen Airbus A320. Doch Boeing will das ändern – allein schon deshalb, weil Airbus den Markt allein gar nicht bedienen kann und sich die neuen Wettbewerber aus Brasilien, China und Russland noch zeigen müssen, wie gut sie wirklich sind.
Länge (Meter): 34- 42
Passagiere: 130-215
Maximale Reichweite (KM): k.A.
Verkauft: 451
Listenpreis (Mill. Dollar): 78 - 102
Ausgeliefert: 2017
Bild: REUTERSBombardier C-Series
Nach dem langsamen Siechtum seiner Canadair-Jets hat Bombardier aus Kanada mit seiner neuen C-Series eigentlich alles richtig gemacht: Leichtere Materialien, sparsame Flüster-Triebwerke und mehr Passagierkomfort. Trotzdem wollen bislang nur sehr weniger Fluglinien das Flugzeug haben, auch weil es wenige Gemeinsamkeiten zu anderen Flugtypen gibt, was die Kosten für Wartung und Schulungen des Personals nah oben treibt. Auch darum hat Bombardier den riskanten Schritt gewagt und Teile der Produktion an die solvente staatliche Avic aus China geben. Das mag die Kosten senken, doch es weckt auch Zweifel, ob der Flieger pünktlich und ohne große Kinderkrankheiten fertig wird.
Länge (Meter): 35 - 38
Passagiere: 100-145
Maximale Reichweite (KM): 5500
Verkauft: 140
Listenpreis (Mill. Dollar): 58 - 67
Ausgeliefert: 2013
Bild: REUTERSBoeing 787
Leichter, sparsamer, leiser, gesünder für die Passagiere – den Traum einer jeden Fluglinie brachte Boeing und seinen Zulieferern zwei Rekorde: fast 900 Bestellungen und weit mehr als 13 Milliarden Euro Mehrkosten. Zwar wird sich der Dreamliner für Boeing wohl erst nach 2020 rechnen, nicht zuletzt weil sich kleinere Modell schlechter verkauft als erwartet und der Start eines längeren 787-10 in den Sternen steht. Doch die Technik, Flugzeuge in leichten Verbundwerkstoffen statt schweren Metallen zu bauen erleichtert Boeing die Neuentwicklung jedes künftigen Modells. Denn Airbus muss die Kunst des Leichtbaus noch meistern und in der zeit kann Boeing seine Führung bei den mittelgroßen Langstreckenfleiern durch eine Neuauflage der 777 ausbauen.
Länge (Meter): 57 - 63
Passagiere: 210 - 290
Maximale Reichweite (KM): 15700
Verkauft: 845 (Stand Juni 2012)
Listenpreis (Mill. Dollar): 194 - 228
Ausgeliefert: 2011
Bild: dpaBoeing 747-8
Trotz einer langen Durststrecke nach dem Programmstart Ende der sechziger Jahre hat ein Flugzeug am Ende mehr Geld verdient als der legendäre Jumbojet. Das hofft Boeing nun auch für die neues Auflage der „Königin der Lüfte“. Doch danach sieht es bisher nicht aus. Zwar fliegt die fünfte Neuauflage des Jumbos deutlich leiser als ihre Vorgänger und laut neutralen Berechnungen pro Passagier sogar sparsamer als der Airbus A380. Aber am Ende ist der Markt der Riesenflieger wohl deutlich kleiner als die Hersteller hoffen. Und wer so einen Riesenflieger kauft will eben doch lieber ein Modell, das nicht nur grundlegend erneuert, sodnern eben wirklich ganz neu ist – wie der A380.
Länge (Meter): 69
Passagiere: 467
Maximale Reichweite (KM): 14 800
Verkauft: 106 (Stand Juni 2012)
Listenpreis (Mill. Dollar): 333
Ausgeliefert: Seit 2011
Bild: dapdAirbus A380
War die Idee zum Bau des weltgrößten Flugzeug nun visionär, größenwahnsinnig oder nur von Eitelkeit getrieben: in jedem Fall war es sehr, sehr teuer. Denn bis heute tut sich Airbus schwer damit, die leichtfertig zugesagten Freiheiten der Kunden beim Einrichten des Fliegers umzusetzen ohne selbst all zu sehr drauf zu legen. Und dann hagelt es ständig neu Überraschungen wie die Explosion eines Triebwerks bei einem Qantas-Flieger Ende 2010 oder die Probleme beim Flügel Anfang dieses Jahres. Kein Wunder, dass Airbus deutlich mehr Bestellungen braucht als die derzeit 180 offenen Orders um Geld zu verdienen. Nur einen kümmert das nicht: den Kunden. er Superjumbo ist derzeit das mit Abstand beliebteste Verkehrsflugzeug.
Länge (Meter): 72
Passagiere: 500 - 800
Maximale Reichweite (KM): 15200
Verkauft: 257 (Stand Juni 2012)
Listenpreis (Mill. Dollar): 380
Ausgeliefert 2007
Bild: APAirbus A350
Die derzeit größte Wette mit Flügeln, das ist der neuen Langstreckenjet von Airbus. Denn die ersten Exemplare will Airbus-Chef Fabrice Brégier noch vor Weihnachten 2014 ausliefern. Damit das klappt darf beim Bau des bereits zwei Mal verzögerten Flugzeugs nichts schief gehen. Und auch dann bleibt die Sache wackelig. Bei der kleineren Fassung A350-800 steigen immer mehr Kunden aus und wechseln zur längeren -900. Bei der gestreckten -1000 zögern die Kunden, weil das Triebwerk noch Probleme macht – und Boeing an einer in der Branche 777-X genannten Neuauflage seines Bestsellers 777 baut. Der kann soll dank neuer Triebwerke und ein paar Änderungen ähnlich effizient aber angesichts der geringeren Baukosten deutlich billiger sein.
Länge (Meter): 61 -
Passagiere: 270 - 350
Maximale Reichweite (KM): 15700
Verkauft: 548 (Stand Juni 2012)
Listenpreis (Mill. Dollar): 245 – 321
Ausgeliefert: 2015
Airbus A320neo
In der nach Stückzahlen wichtigsten Klasse der Mittelstreckenjets für bis zu gut 200 Passagiere aus Europa ist derzeit das Maß aller Dinge. Kein Flugzeug hat sich so schnell verkauft wie die drei Modelle der Neo-Familie. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Denn im Gegensatz zur 737 Max genannten fünften Auflage seines Bestseller bietet der neo mehr Neuerungen und wird bald auch in den USA gebaut. Seine Triebwerke sind größer und damit sparsamer. Und weil am Airbus auch die neuen PW1000G mit dem Getriebe hängen, könnte das Flugzeug auch leiser sein, angesichts der immer schärferen Fluglärm-Diskussion in allen Industrieländern ein großer Vorteil.
Länge (Meter): 34 - 45
Passagiere: 124-220
Maximale Reichweite (KM): 7800
Verkauft: 1425 (Stand Juni 2012)
Listenpreis (Mill. Dollar): 84 - 107
Ausgeliefert: 2015
Wenn Brégier trotzdem bester Laune war, dann war das nicht etwa Schadenfreude über die jüngsten Probleme der Amerikaner mit ihrem Leichtbauflieger 787. Denn aus seiner Sicht lief 2012 deutlich besser als erwartet und die Niederlage gegen Boeing ist keineswegs bitter. Von seiner Warte aus liegt Airbus nämlich nach wie vor in Führung. Nimmt man die Jahre 2011 und 2012 zusammen, hat Airbus nach wie vor mehr Flugzeuge verkauft. Dazu sitzt Airbus auf einem Auftragsbestand von gut 4.600 Flugzeugen, etwa acht Prozent mehr als die Amerikaner.
Das reicht derzeit für mehr als sieben Jahre. Selbst beim als überholt verschrienen kleinen Langstrecken-A330 reicht es noch für fast drei Jahre Produktion. Auch darum traut sich Airbus die Flugzeugpreise gegenüber dem Vorjahr um gut drei Prozent anzuheben. Zu guter Letzt sind beim Superjumbo A380 die Probleme mit dem Flügel zumindest technisch gelöst.
Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich
Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich
Umsatz (in Millionen Euro):
Airbus: 33.103
Boeing: 27.931Gewinn (Ebit, in Millionen Euro):
Airbus: 584
Boeing: 2.699Beschäftigte:
Airbus: 55.000
Boeing: 80.000Angaben für 2011
Auftragsbestand
Flugzeuge:
Airbus: 4.437
Boeing: 3.371Wert (in Millionen Euro, Listenpreis):
Airbus: 495.513
Boeing: 226.487Angaben für 2011
Bestellungen und Auslieferungen
Bestellungen 2011:
Airbus: 1.419
Boeing: 805Bestellungen 2012 (Stand: 31. August):
Airbus: 384
Boeing: 666Auslieferungen 2011:
Airbus: 534
Boeing: 477
Aber am Ende ist dem Airbuschef mehr als bewusst, dass er 2013 kein leichtes Jahr vor sich hat. Die französische Luftwaffe erwartet die ersten vier Exemplare des fast fünf Jahre verspäteten Militärtransporters A400M. Der A320neo genannte neu Mittelstreckenjet muss vorankommen und zeigen, dass er wirklich rund ein Sechstel weniger Sprit verbraucht als seine Vorgänger. Vor allem aber muss der A350, das Konkurrenzmodell zur Boeing 787, seinen Erstflug hinter sich bringen.
Da ist zwar laut Brégier derzeit alles im Plan. Doch gerade die Pannenwoche des Boeing Dreamliners zeigt, dass immer etwas schief gehen kann. Beim derzeit drängendsten Problem der US-Fliegers, den Lithium-Ionen-Akkus, sieht sich Airbus auf der sicheren Seite. Die Europäer bauen die Elektrik ihres A350 etwas anders und nutzen im Schnitt zwei Batterien mit niedrigerer Leistung, wo Boeing einen starken Akku verwendet. Doch so ganz sicher ist sich Airbus in dem Punkt nicht. Um kein Risiko einzugehen wollen die Ingenieure nochmal alles zusammen mit der US-Aufsichtsbehörde FAA klären. Aber auch das kann Brégier nicht beunruhigen. Denn selbst wenn er an seiner Elektrik oder den Akkus etwas ändern muss: im Gegensatz zu Boeing hat er noch gut ein Jahr Zeit bis zur ersten Auslieferung.
























