Deutsche Firmen in Ost-Ukraine: Unbedingt normal wirken

Deutsche Firmen in Ost-Ukraine: Unbedingt normal wirken

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Die Unruhen in der Ukraine haben die deutschen Unternehmen bisher nicht betroffen, aber das kann sich bald ändern

von Mario Brück, Anke Henrich, Mark Fehr und Matthias Kamp

Gereizt, wortkarg oder demonstrativ um Normalität bemüht, geben sich deutsche Unternehmen mit Aktivitäten in der Ost-Ukraine. Es sind ohnehin nicht viele deutsche Unternehmen, die sich mit ihren Vetriebsbüros oder Fabriken im Ostteil des Landes angesiedelt haben. In der Regel werden ukrainische Kunden von Russland aus oder aus der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew bedient.

Nicht so beim Münchner Technologiekonzern Siemens, der sein wichtigstes und größtes Büro in der Ukraine in der Krisenregion Donezk betreibt. Rund 150 der insgesamt 260 Mitarbeiter in der Ukraine sitzen in der Bergbaustadt im Osten des Landes. Die Siemens-Mannschaft in Donezk kümmert sich vor allem um den Verkauf von Anlagen an die metallverarbeitende Industrie in der Region. Doch Siemens ist im Osten der Ukraine auch mit den Sparten Medizintechnik, Energie und Infrastruktur aktiv. „Im Moment ist die Situation bei uns in Donezk ruhig“, sagt ein Siemens-Manager in der Ukraine. „Unsere Leute gehen normal zur Arbeit.“ Im Geschäftsjahr 2013 erzielten die Münchner in der Ukraine einen Umsatz von 90 Millionen Euro.

Sanktionen könne auch deutsche Unternehmen treffen

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Etwa 100 Kilometer nördlich von Donezk in der Stadt Kharkov produziert der deutsche Gasehersteller Messer aus Bad Soden im Taunus mit gut 100 Mitarbeitern Sauerstoff, Stickstoff und Argon. Kunden sind die metallverarbeitenden Betriebe in der Region. Eingestiegen in das Geschäft mit Industriegasen in der Region Donezk ist Messer schon vor zehn Jahren. Damals kauften die Deutschen drei Luftzerlegungsanlagen. Wegen der unsicheren Lage musste Messer zuletzt die Produktion drosseln. Einerseits hat eine Reihe von Fabriken, die Messer beliefert, ihre Fertigung heruntergefahren. Außerdem haben die Russen zeitweilig die Grenze dicht gemacht, so dass die Deutschen ihre Kunden in Russland nicht beliefern konnten. Inzwischen jedoch hat sich bei Messer die Situation beruhigt. „Jeder Mitarbeiter geht geregelt seiner Arbeit nach“, sagt Gerhard Weiss, Geschäftsführer bei Messer in der Ukraine.

Der in Düsseldorf ansässige Schwermaschinenbauer SMS-Group, bestätigt zwar widerwillig in der Ost-Ukraine ein Vertriebsbüro für seine ukrainischen Kunden zu betreiben, möchte sich aber weder zu Details wie der Zahl der Mitarbeiter und eventueller Maßnahmen für deren Sicherheit äußern. Wenn sich die Situation weiter verschärfe, werde man Maßnahmen einleiten, sagt ein Sprecher, ohne auf Details einzugehen.

Nahezu ohrenbetäubend ist das Schweigen beim bayerischen Baustoffhersteller Knauf aus Iphofen bei Würzburg. Das Familienunternehmen lehnt jegliche Stellungnahme zu seinen Aktivitäten in der Ukraine und das Ausmaß einer möglichen Bedrohung ab. Ebenfalls verstummt ist Peter Mrosik, Chef des Fensterprofileherstellers Profine aus Troisdorf bei Bonn. Vor drei Wochen noch hatte Mrosik mögliche Sanktionen gegen Russland kommentiert: „Sanktionen rufen Gegensanktionen hervor. Deshalb ist es denkbar, dass deutsche Firmen wie wir darunter leiden werden.“ Nachdem sich die Lage nun zuspitzt, schweigt auch Mrosik. Profine baut in Zaparozhe, rund 300 Kilometer entfernt von Donezk, Fensterprofile und beschäftigt dort 60 Mitarbeiter in der Produktion und Logistik.

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