Deutsche Wohnungskonzerne: Die Annington-Gagfah-Fusion ist erst der Anfang

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Deutsche Wohnungskonzerne: Die Annington-Gagfah-Fusion ist erst der Anfang

von Harald Schumacher und Mark Fehr

Nach der Großfusion der Konzerne Deutsche Annington und Gagfah erwartet die Wohnungsbranche weitere Übernahmen. Denn hinter vielen Unternehmen stecken dieselben Großaktionäre.

Willkommen bei den Sch’tis“ möchte man Deutsche-Annington-Chef Rolf Buch beim Blick auf das Ranking der größten Immobilienunternehmen des Kontinents zurufen. Darin wird der künftige Wohnungsriese aus Deutsche Annington und Gagfah, deren Fusion Buch vergangene Woche ankündigte, auf Rang zwei rangieren. Vor ihm: ein französischer Konzern. Hinter ihm: drei französische Konzerne, die mit Shoppingcentern und Büros Geschäfte machen (siehe Grafik).

Der Megadeal an der Ruhr – Annington sitzt in Bochum, Gagfah in Essen – bringt 350 000 Wohnungen unter ein Konzerndach und verändert die Immobilienbranche. Für Ulrich Höller, Vorstandschef des börsennotierten Immobilienunternehmens DIC Asset in Frankfurt, ist die Fusion „ein weiterer Meilenstein im Konsolidierungsprozess des deutschen Immobilien-Aktienmarktes“. Weitere Übernahmen wie diese würden in den nächsten Jahren folgen und der Branche zu „einem schärferen Profil“ verhelfen.

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Die größten kontinentaleuropäischen Immobilienkonzerne.

Konzerne zusammenzuführen, ist in der Wohnungsbranche auch vergleichsweise einfach. Denn oft stecken hinter den Konkurrenten identische Hauptaktionäre mit ähnlichen Interessen.

Vermietungskonzerne gibt es nur in Deutschland. Sie gelten als eigene Anlageklasse, die Renditen von drei bis fünf Prozent verspricht. „Der Markt ist hoch reguliert“, sagt Buch, aber das sorge für Stabilität: „Die Investoren mögen stabile Verhältnisse. Wir sind der langweilige, aber zuverlässige Teil in einem Investmentportfolio.“

Fusion von Deutsche Annington und Gagfah Der neue Wohnungsriese braucht ein neues Image

Die beiden Wohnungskonzerne  Deutsche Annington und Gagfah wollen fusionieren. Das eingesparte Geld muss vor allem in die Sanierung fließen - und damit in die Beziehungen zu den Mietern.

Altbauten Friedrichshain Quelle: dpa

Trotz der Großkonzerne wird der Mietwohnungsmarkt noch von lokalen Anbietern dominiert. Viel Luft also für Zusammenschlüsse. Im Frühjahr hat die Deutsche Annington bereits den Wettbewerbern Vitus und Dewag 41 500 Wohnungen abgekauft. Zwei bis drei Jahre werde die Aktie nun von der Hebung der Synergieeffekte aus dem Gagfah-Deal leben, meint Wohnungsmarktexperte André Adami vom Berliner Marktanalyse-Unternehmen Bulwiengesa, „dann wird eine neue Perspektive gesucht.“ Als potenzielle Übernahmeziele nennt Adami etwa Mittelständler wie Adler Real Estate in Hamburg oder Westgrund in Berlin. Als potenzieller Übernahmekandidat gilt TAG aus Hamburg mit 74 000 Wohneinheiten.

Karussell gestartet

Durch die Übernahmen in diesem Jahr sei ein „Karussell in Gang gesetzt worden“, sagt Stefan Kofner, Direktor des Trawos-Instituts für Wohnungswirtschaft an der Hochschule Zittau/Görlitz. Sein Geheimtipp für die nächste Runde ist die Düsseldorfer LEG, „denn ihr einseitig auf NRW fokussiertes Portfolio lässt sich nicht gut als Wachstumsstory verkaufen“.

Die höhere Attraktivität für Investoren war auch ein Grund für die Deutsche Annington, Gagfah zu kaufen: Bei seiner Tournee zu Londoner Investoren und Analysten in den vergangenen Tagen wurde Vorstandschef Buch klar, „dass wir uns durch die neue Größe des Unternehmens eine ganz neue Investorengruppe erschließen: Es gibt große Publikumsfonds, die nur in Unternehmen mit so hoher Marktkapitalisierung investieren.“

Das bestätigt Wissenschaftler Kofner: „Durch die Übernahme entsteht eine Art deutschlandweit investierter Wohnungsfonds, mit dem sich das Thema Deutsche Wohnimmobilien aus Anlegersicht gut abdecken lässt.“

Für weitere Deals spricht, dass die Großaktionäre bei Deutsche Annington, Gagfah, Deutsche Wohnen, LEG und TAG auffallend identisch sind. Der kanadische Lebensversicherer Sun Life Financial zählt mit Anteilen von drei bis elf Prozent bei allen fünf Unternehmen zu den großen Eignern, der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock (USA) bei vieren, Norwegens Zentralbank Norges Bank und die US-Investmentgesellschaft The Capital Group jeweils bei zwei Wohnungsunternehmen.

Sie mischen sich nicht wie Hedgefonds in die Unternehmensstrategie ein und sind kaum in den Aufsichtsräten vertreten. Dennoch verhindern die auf verschiedenen Seiten präsenten Teileigentümer scharfe Preiskämpfe bei Immobilienkäufen, beobachtet eine Managerin.

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