Diesel-Skandal in Europa: VW-Abgasbetrug ist kein Einzelfall

Diesel-Skandal in Europa: VW-Abgasbetrug ist kein Einzelfall

, aktualisiert 15. Januar 2017, 14:54 Uhr
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Die Logos der Automobile Jeep und Fiat, Marken des Fiat-Chrysler-Konzerns. In der EU sollen 33 000 Jeep und Dodge mit geschummelten Abgaswerten im Umlauf sein.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Diesel-Skandal zieht in Europa weitere Kreise. In Frankreich haben neben Renault andere Hersteller geschummelt. Und Verkehrsminister Dobrindt verlangt von Fiat sogar eine Rückrufaktion einzelner Fahrzeuge.

Berlin/ParisDer Diesel-Abgasskandal dürfte sich noch ausweiten. In Frankreich könnte es nach Angaben des Umweltministeriums neben Renault auch gegen weitere Hersteller Ermittlungen geben. In Deutschland fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt öffentlich einen Rückruf bestimmter Fahrzeuge von FiatChrysler .

Bei den Renault-Fahrzeugen habe es eine Reihe von Unregelmäßigkeiten gegeben, sagte Umweltministerin Segolene Royal der französischen Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“. „Das gilt auch für andere Autohersteller in anderem Ausmaß. Deswegen könnte es Ermittlungen geben.“ Nähere Angaben, um welche Anbieter es sich handeln könnte, machte sie nicht.

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Die Pariser Staatsanwaltschaft prüft einem Insider zufolge derzeit einen möglichen Abgasbetrug bei Renault. Die Ermittlungen in dem Fall sind offenbar so weit gediehen, dass inzwischen Richter mit der Frage befasst sind, ob es zum Prozess kommt. Renault wies den Schummelverdacht zurück. Das Unternehmen beachte alle Gesetze zu Abgasemissionen.

Dobrindt griff unterdessen Fiat Chrysler und die Aufsicht an: „Die italienischen Behörden wissen seit mehreren Monaten von uns, dass Fiat nach Auffassung unserer Fachleute illegale Abschalteinrichtungen verwendet“, sagte der CSU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Der italienisch-amerikanische Autobauer habe sich bisher aber verweigert, an der Aufklärung mitzuwirken. Daher habe er die EU-Kommission eingeschaltet. „Die muss konsequenterweise dafür sorgen, dass für die Fiat-Fahrzeuge ein Rückruf organisiert wird.“

Zuletzt hatte Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne nach Vorwürfen der Abgas-Manipulation jeden Vergleich mit VW scharf zurückgewiesen und erklärt, man habe „keinerlei Betrug begangen“. Dennoch erhöhte die EU den Druck auf das Unternehmen und die italienischen Behörden.


Brüssel verlangt von Fiat Chrysler Aufklärung

In den USA steht der Branchenriese im Verdacht, bei rund 100 000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben. Dies hatte das Umweltamt EPA am Donnerstag mitgeteilt. Es geht um Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler nicht offengelegt haben soll.

Die EU-Kommission nannte die Anschuldigungen „besorgniserregend“. Man werde mögliche Auswirkungen für in Europa verkaufte Autos prüfen. In Brüssel war von Schätzungen die Rede, wonach in der EU ungefähr 33 000 betroffene Jeep und Dodge im Umlauf sein dürften.

Volkswagen hatte im Herbst 2015 eingeräumt, bei Diesel-Abgastests getäuscht zu haben. Damit wirken die Wagen umweltfreundlicher als sie eigentlich sind. Betroffen waren Millionen Autos. Dies hatte VW in eine schwere Krise gestürzt. Ob es sich bei den bei Fiat Chrysler beanstandeten Programmen wie bei Volkswagen um illegale Abschalteinrichtungen („defeat devices“) handelt, muss laut EPA erst noch ermittelt werden.

Das Verkehrsministerium in Berlin hatte bereits im September erklärt, Fiat Chrysler habe unzulässige Abschalteinrichtungen bei Dieselmotoren verwendet. Eine Sprecherin der EU-Kommission hatte Italien am Freitag erneut dazu aufgerufen, Brüssel bald davon zu überzeugen, dass bei Fiat Chrysler alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

VW hatte nach langem Ringen mit der US-Umweltbehörde im September 2015 zugegeben, eine illegale Software zu verwenden. Diese sorgt dafür, dass Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im normalen Straßenverkehr ist der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches höher. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Aufarbeitung des Abgasskandals kostet den Wolfsburger Konzern voraussichtlich mehr als 20 Milliarden Euro. Analysten halten sogar mehr als 30 Milliarden für möglich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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