Dieselgate in den USA: Volkswagen verliert weitere Milliarden

Dieselgate in den USA: Volkswagen verliert weitere Milliarden

, aktualisiert 27. Juni 2017, 12:43 Uhr
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Der Konzern erlebt den finanziellen Aderlass.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Die Dieselaffäre sorgt dafür, dass Volkswagen Bargeld-Reserven auflösen muss. Knapp neun Milliarden Dollar sind in diesem Jahr bislang in die USA als Entschädigung geflossen. Und das Ende ist damit nicht erreicht.

DüsseldorfVolkswagen bekommt die Folgen der Dieselaffäre schmerzlich zu spüren. Immer mehr Geld muss der Konzern an Kunden und Behörden vor allem in den USA überweisen. In diesem Jahr sind bisher knapp neun Milliarden Dollar über den Atlantik geflossen. Das geht aus dem aktuellen sogenannten Statusbericht der US-Justiz hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Auch der Stuttgarter Autozulieferer Robert Bosch hat seine ersten Entschädigungszahlungen an US-Kunden geleistet.

Den Großteil des Geldes von Volkswagen haben Kunden in den Vereinigten Staaten bekommen. Wie aus dem Statusbericht (hier zum Download) hervorgeht, sind mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar an Käufer von Dieselmodellen mit manipulierten Motoren gegangen. Der Wolfsburger Autokonzern hat bislang etwa 300.000 Fahrzeuge von amerikanischen Kunden zurückgenommen.

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Dieser Austausch betrifft bislang nur Fahrzeuge der Marken Volkswagen und Audi mit einem Zwei-Liter-Dieselmotor. Knapp 500.000 sind davon in den USA mit manipulierter Motorsteuerung verkauft worden. Der Austausch von Autos mit einem größeren Drei-Liter-Motor hat gerade erst begonnen und betrifft etwa 90.000 Fahrzeuge. Dazu gehören Modelle der Marken VW, Audi und Porsche. Die Entschädigung dieser Kunden wird auch noch einmal mehr als eine Milliarde Dollar kosten.

An verschiedene US-Behörden hat Volkswagen in diesem Jahr bislang knapp 2,6 Milliarden Dollar überwiesen, wie aus dem Statusbericht ebenfalls hervorgeht. Dazu gehört etwa ein Betrag von 1,45 Milliarden Dollar, den der Wolfsburger Konzern zum Ausgleich der Umweltschäden zahlt, den die in den USA verkauften manipulierten Dieselautos verursacht haben.

Der Autozulieferer Bosch, der wegen seiner Beteiligung an der Affäre einem Vergleich mit betroffenen US-Kunden zugestimmt hat, kommt vergleichsweise glimpflich davon. Bislang hat das Unternehmen 84 Millionen Dollar in die USA überwiesen. Insgesamt hat Bosch Entschädigungsleistungen von rund 300 Millionen Dollar zugesagt. Ein einzelner Kunde kann damit rechnen, dass er von Bosch einen niedrigen dreistelligen Dollarbetrag bekommt. Bei Volkswagen sind auch fünfstellige Beträge möglich.

Die Entschädigungszahlungen werden auch in den kommenden Monaten fortgesetzt. Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter hatte angekündigt, dass in diesem Jahr ein „zweistelliger Milliardenbetrag“ in die USA abfließen dürfte. Für den VW-Konzern ist dieser Cash-Abfluss in diesem Jahr das größte Finanzproblem. Witter will Sorge dafür tragen, dass der Cashflow im Konzern trotz der Milliardenzahlungen in die USA groß genug bleibt.

Volkswagen hofft in diesem Jahr auf anhaltend gute Verkaufszahlen. Außerdem soll das Anlagevermögen heruntergefahren sowie der Forschungsaufwand reduziert werden. Volkswagen dürfte bislang gut die Hälfte der anstehenden US-Entschädigungen ausgezahlt haben. Für die weltweiten Folgen der Affäre hat Volkswagen bislang Rückstellungen von 22,6 Milliarden Euro gebildet.


Keine Entschädigung in Europa

In einem Vergleich mit US-Kunden hatte sich Volkswagen dazu bereiterklärt, dass die Käufer der knapp 500.000 Autos mit Zwei-Liter-Motor mit maximal zehn Milliarden Dollar entschädigt werden. Noch kann der Wolfsburger Konzern darauf hoffen, dass dieser volle Betrag nicht fällig wird und dass das Unternehmen günstiger davonkommt.

Entscheidend ist dafür, dass Volkswagen die manipulierten Autos umrüsten darf und nicht verschrotten muss. Die Umrüstung der meisten Dieselfahrzeuge muss aber noch von den US-Behörden genehmigt werden, erst einige wenige Zehntausend sind für die Umrüstung freigegeben worden. Sollte Volkswagen die Freigabe für Hunderttausende von Fahrzeugen bekommen, könnte der Konzern möglicherweise Milliarden sparen. Kunden, die ihre Autos noch nicht zurückgegeben haben, würden bei einer Umrüstung nur eine niedrigere Entschädigungszahlung von Volkswagen bekommen. Autos, die jetzt schon wieder in die Hände des Unternehmens zurückgegangen sind, könnten nach einer Umrüstung als Gebrauchtwagen verkauft werden.

Bis Mitte 2019 müssen 85 Prozent aller manipulierten Autos in den USA von den Straßen verschwunden sein oder eine genehmigte Umrüstung erhalten haben. Andernfalls drohen Volkswagen zusätzliche Strafzahlungen. Bei den Zwei-Liter-Modellen hat Volkswagen schon jetzt eine Quote von 61 Prozent erreicht. Deshalb ist auch die US-Justiz zuversichtlich, dass Volkswagen in den kommenden zwei Jahren auf die festgeschriebene Quote von 85 Prozent kommen wird. In dem US-Statusreport ist von „großen Fortschritten“ beim Rückruf der manipulierten Fahrzeuge die Rede.

Die Entschädigungsleistungen bleiben unverändert ausschließlich US-Kunden vorbehalten. Europäische Käufer können nicht mit einer Zahlung durch den Wolfsburger Autokonzern rechnen. Die EU-Kommission in Brüssel hatte sich Mitte Juni mit VW auf eine „De-Facto-Extragarantie“ von zwei Jahren auf Bauteile geeinigt, die von der Umrüstung betroffen sind.

Davor hatte EU-Justizkommissarin Vera Jourová noch Geldzahlungen für betroffene Autofahrer verlangt, konnte sich damit aber bei Volkswagen nicht durchsetzen. Der Autokonzern vertritt die Position, dass es in Europa keine Rechtsverstöße gebe und deshalb auch kein Entschädigungsanspruch bestehe. Wer als betroffener Autofahrer trotzdem auf eine Geldzahlung durch VW pocht, der muss den Wolfsburger Konzern verklagen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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