Donald Trump: Wie der US-Präsident Toyota instrumentalisiert

Donald Trump: Wie der US-Präsident Toyota instrumentalisiert

, aktualisiert 10. April 2017, 15:24 Uhr
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Der Toyota Camry (Foto) oder Prius prägen das Stadtbild zahlreicher amerikanischer Metropolen. Nun lobt US-Präsident Donald Trump die Japaner überschwänglich.

Quelle:Handelsblatt Online

Toyota ist der wichtigste ausländische Autobauer in den USA. Wegen eines neuen Investments bekommen die Japaner nun ein Extralob von US-Präsident Donald Trump. Doch das dürfte vor allem Taktik sein.

In amerikanischen Metropolen wie Los Angeles gehören Modelle wie der Toyota Camry oder Prius zum Stadtbild. Mit 14 Prozent Marktanteil sind die Japaner hinter General Motors und Ford der drittgrößte Autobauer der USA – und dort fast doppelt so groß wie VW, BMW und Daimler zusammen. Ein Erfolg, der in Zeiten von Trump auch eine politische Gefahr birgt.

Denn der US-Präsident, dessen wirtschaftspolitische Leitlinie „America first“ lautet, wetterte immer wieder gegen ausländische Marken, die in den USA zu erfolgreich waren und gleichzeitig Autos in Mexiko produzierten. Bereits BMW und Mercedes waren von Trump in die Mangel genommen worden. Und auch Toyota war das Ziel seiner Angriffe.

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Im Januar attackierte Trump den japanischen Autohersteller, weil dieser angekündigt hatte, seine Fertigung für eine kleine Version des Corolla in Mexiko aufzubauen. Via Twitter wetterte Trump: „Auf keinen Fall! Baut das Werk in den USA oder zahlt hohe Grenzsteuer.“

Da wundert es nicht, dass Toyota jetzt versucht, die eigenen Investitionen in den USA zu nutzen, um den US-Präsidenten gnädig zu stimmen. 1,33 Milliarden Dollar wollen die Japaner in ihr bestehendes US-Werk in Georgetown, Kentucky, investieren, teilten sie am Montag mit. 700 neue Jobs sollen dabei entstehen. „Das ist die größte Investition in der Geschichte unseres Werks“, jubelte Toyota-Werkschef Wil James. Und auch im Weißen Haus findet das Investment großen Anklang.

US-Präsident Trump, der zuletzt immer wieder mit einigen politischen Initiativen gescheitert war, braucht dringend gute Nachrichten. Statt weiterer Kritik verteilte er prompt ein Extralob an die Japaner. Die Ankündigung sei „ein weiterer Beleg, dass die Hersteller unter meiner Regierung davon überzeugt sind, dass sich das ökonomische Klima deutlich verbessert hat“, lässt Trump sich in der offiziellen Ankündigung zitieren.

Das Investment ist allerdings keineswegs eine Reaktion auf Trumps Wirtschaftspolitik. Es ist Teil eines zehn Milliarden Dollar schweren Investitionsprogramms, das Toyota bereits im Jahr 2015 für die kommenden fünf Jahre angekündigt hatte.

Wer hochrangige Toyota-Vertreter derzeit auf den neuen US-Präsidenten anspricht, erntet meist nur Schulterzucken. Öffentliche Kritik an einem amtierenden Präsidenten ist nicht Toyotas Art. Ohnehin sind die Fakten auf der Seite der Japaner: In insgesamt zehn Fabriken in acht amerikanischen Bundesstaaten baut Toyota pro Jahr etwa zwei Millionen Fahrzeuge. Damit gehören sie zu den größten Autobauern der USA.

Die Produktion in Mexiko ist dagegen vergleichsweise klein. Bislang werden dort etwa 100.000 Pick-ups gefertigt. Der Streit entfacht sich vor allem an einem neuen Werk, das Toyota nach wie vor für rund eine Milliarde Dollar in Mexiko bauen will. Ab 2019 soll hier eine kompakte Version des Corolla vom Band laufen.

Bereits im vergangenen Monat hatte Toyotas Nordamerika-Chef Jim Lentz versucht, den Präsidenten zu besänftigen. Er versprach unter anderem Investitionen in den USA, um die Entwicklung selbstfahrender und vernetzter Autos voranzutreiben.

Obwohl die Japaner mehr Autos in den USA bauen als die meisten anderen Konzerne, waren sie bei den ersten Konsultationen des neuen US-Präsidenten – bei denen unter anderem GM-Chefin Mary Barra, Ford-Chef Mark Fields und Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne geladen waren – außen vor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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