DS-Deutschlandchef Perrin: „Wir haben einen leeren Rucksack“

DS-Deutschlandchef Perrin: „Wir haben einen leeren Rucksack“

, aktualisiert 01. Juni 2016, 12:07 Uhr
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Dieses Jahr will die Premiummarke des DS-Konzerns 6000 Autos in Deutschland verkaufen - und damit mehr als Lexus, Infiniti und Alfa Romeo zusammen.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Die französische Premiummarke des PSA-Konzerns will sich von Citroën emanzipieren. Dazu will DS mehr eigenes Profil entwickeln. Im Interview erklärt Deutschlandchef Nicolas Perrin, wie das gelingen soll.

DüsseldorfDie französische Premiummarke DS hat zwar einen historischen Namen, doch verkauft erst seit zwei Jahren unter einem eigenen Logo. In der Heimat von Audi, BMW und Mercedes treten die Franzosen mit einem eigenen Konzept an. Im Interview erklärt Deutschlandchef Nicolas Perrin, mit welcher Strategie DS gegen die deutschen Premiumriesen bestehen will.

Handelsblatt: Als Sie Anfang 2015 die Leitung von DS in Deutschland übernommen haben, war die Marke erst seit wenigen Wochen eigenständig. Was hat sich seitdem getan?
PerriN. Wir haben die Zeit genutzt, um unser Profil stärker auszubilden. Wir können jetzt sagen, dass wir eine eigenständige Marke sind – ein wichtiger Schritt für uns. Mit dem DS 5, DS 4 und jetzt auch dem neuen DS 3 zeigen wir, was französische Premiumautos ausmacht. Das ist eine fundamentale Entwicklung.  Wir untersuchen genau, wie unsere Marke wahrgenommen wird. Ich kann so viel verraten, dass unsere Markenbekanntheit innerhalb des ersten Jahres in Eigenständigkeit bereits deutlich zugelegt  hat.

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Trotzdem ist der Anteil von DS am deutschen Markt mit 0,2 Prozent noch vergleichsweise gering...
Der Premiummarkt in Deutschland wird natürlich durch die großen deutschen Hersteller dominiert. Aber wir können durchaus Erfolge vorweisen: Dieses Jahr wollen wir rund 6.000 Autos verkaufen - das sind mehr als Alfa, Lexus und Infiniti zusammen. Wir entwickeln uns völlig stabil. Mit den neuen Modellen wird der Absatz weiter steigen.

Haben Sie dafür genug Händler?
Es kommt weniger auf die Zahl der Niederlassungen und Händler an als auf die Qualität. Unser Ziel ist es, rund 70 DS-Händler in Deutschland zu haben. Rund zehn Prozent davon sind eigene Stores, in denen ausschließlich DS verkauft wird, andere können in ihren Räumen einen DS-Salon einrichten, um die Marke angemessen zu präsentieren.  Bis Mitte 2018 wollen wir unser Konzept komplett umgesetzt haben - spätestens.

Bei PSA ist die Lücke zwischen erfolgreichen und erfolglosen Händlern immer sehr groß gewesen. Ist diese Lücke mittlerweile geschlossen?
Nein, ist sie leider nicht. Wir haben nach wie vor bei gleichen Produkten einige Händler, die eine hohe Rentabilität von drei Prozent und mehr vorweisen und viele Autos verkaufen und andere Händler, die eine suboptimale Kundenzufriedenheit und weniger Rendite erwirtschaften können. Das bleibt für uns ein Schlüsselthema in Deutschland.

Bleibt im engen deutschen Premiummarkt genug Spielraum für eine neue Marke? Wie wollen Sie DS positionieren?
Wir werden DS in Deutschland genauso positionieren wie in allen anderen Ländern. Unsere Strategie gilt weltweit. Wir können etwas bieten, das die anderen nicht haben - nämlich den französischen Luxus, den man beispielsweise aus der Mode kennt. Der verkauft sich in Deutschland genauso wie in England oder Südamerika.

In Deutschland ist allerdings das Flottengeschäft deutlich wichtiger. Haben Sie als vergleichsweise kleiner Anbieter überhaupt eine Chance gegen die großen Drei?
Es kann natürlich nicht unser erstes Ziel sein, einen großen Fuhrpark zu gewinnen. Wir wollen uns durch die kleine Flotte entwickeln und Gewerbetreibende gewinnen - beispielsweise Optiker, Apotheker und kreative Berufe. Darum setzen wir auf individuellere Angebote, unsere Kunden im Flottengeschäft haben in der Regel keine Vorschriften für die Autowahl wie bei Unternehmen mit  2000 Angestellten.


Ein Ausblick auf die elektrische Zukunft

Trotzdem: welches Alleinstellungsmerkmal können Sie ihren Kunden bieten?
Mit drei Produktmerkmalen, die heute gültig sind und morgen wie übermorgen gültig bleiben. Das erste sind die Raffinesse und die Liebe zum Detail, beispielsweise durch unser Leder im Innenraum und das außergewöhnliche Lichtdesign. Alleine für den DS 3 bieten wir rund drei Millionen verschiedene Varianten der Individualisierung  - drei Mal mehr als der beste Wettbewerber. Das ist in dem Segment einzigartig. Das zweite ist avantgardistisches Design und schließlich Technologie ohne Kompromisse, wie unsere neue, hocheffiziente  Motorengeneration mit 110 und 130 PS oder den Diesel-Hybrid, den wir als erster Hersteller auf den Markt gebracht haben.

Seit diesem Jahr startet DS auch mit einem eigenen Rennteam in der Formel E - vor wenigen Wochen auch beim Rennen in Berlin. Was versprechen Sie sich von diesem Engagement?
Diese Rennserie hat für uns zwei ganz wichtige Merkmale. Sie ist zum einen eine globale Veranstaltung - gefahren wird in den USA, China, Europa und sogar Südamerika. Und zum anderen ist die Formel E eine urbane Veranstaltung. Die Rennen werden in den Innenstädten ausgetragen. Hier sehen Sie nicht nur das typische Motorsportpublikum, sondern auch Familien mit kleinen Kindern. Als Marke können wir dadurch Kunden erreichen, die uns sonst nicht wahrnehmen. So wie die Serie sich entwickelt, wird sich auch DS aufbauen und entwickeln.

Kann DS denn auch technisch von der Formel E profitieren? Bislang gelten viele technische Vorgaben dort für alle Teams gleichermaßen.
Das wird sich ändern. Schon dieses Jahr können wir alles zwischen Batterie und Rädern selbst machen. Hier entstehen Technologien, die wir morgen schon auf der Straße sehen werden - viel stärker, als das beispielsweise bei der Formel 1 der Fall ist.

Bislang hat DS aber noch nicht mal ein eigenes Elektroauto im Angebot. Bisher haben wir mit 400-PS-Elektroauto E-Tense nur ein Concept gesehen…
Der E-Tense ist nicht nur ein Concept, sondern ein Versuchslabor für das Design und die Technologie von DS. Wir werben nicht umsonst mit dem Slogan „Spirit of Avantgarde“ - wir wollen der Konkurrenz technologisch ein Stück voraus sein. Die elektrische Mobilität wird konzernweit eine wichtige Rolle spielen, von DS bis zu unseren Nutzfahrzeugen.

Was kann DS besser als andere Premiumautobauer?
DS hat einen leeren Rucksack, keine Belastungen aus der Vergangenheit. Wir haben zwar einen traditionsreichen Namen, aber keine Strukturen, die man reformieren müsste. Das gibt uns die Möglichkeit, die Marke auf dem weißen Blatt Papier neu aufzustellen - auch im Vertrieb. Das ist eine riesige Chance.

Quelle:  Handelsblatt Online
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