Duell der Aufsichtsräte: Im Zeichen der Egos: Cromme gegen Ackermann

ThemaSiemens

Duell der Aufsichtsräte: Im Zeichen der Egos: Cromme gegen Ackermann

Bild vergrößern

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, Gerhard Cromme liegt mit Josef Ackermann im Clinch.

von Andreas Wildhagen

Über den Machtkampf zwischen Gerhard Cromme und Josef Ackermann nach dem Chefwechsel bei Siemens.

„Gerhard Cromme könnte kurz vor seinem Rücktritt stehen“, ahnte vorige Woche ein enger Wegbegleiter, der den Siemens-Aufsichtsratschef gut kennt. Doch festlegen wollte sich dieser lang gediente Manager nicht. Denn: „Durch Cromme tobt zurzeit ein Gefühlssturm, der ihn von der einen Seite auf die andere wirft.“ Der Tod von Berthold Beitz habe dessen früheren Stellvertreter in der Krupp-Stiftung „schwerst getroffen“. Und die in der Öffentlichkeit geäußerten Forderungen, Cromme solle als Aufsichtsratschef von Siemens zurücktreten und den Weg für einen Neuanfang freimachen, kämen ihm „wie ein Dolchstoß“ vor.

„Cromme hat in München kaum noch Freunde“, sagt der Manager. Nur sein Stehvermögen und seine Härte, die er hinter Charme verberge, bewahrten ihn vor Wutausbrüchen gegenüber den Siemens-Kontrolleuren, insbesondere Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der ihn ablösen lassen will, wie es aus dem Aufsichtsrat heißt. Cromme schweigt dazu. Er habe sich nach Meinung von Ackermann durch sein fast schon selbstherrliches Zusehen als ThyssenKrupp-Chefaufseher bis hin zur Existenznot des Industriekonzerns auch für Siemens desavouiert.

Anzeige

So berichten es Gewährsleute aus dem Siemens-Aufsichtsrat. Die Abwerbung von Heinrich Hiesinger von Siemens zu ThyssenKrupp sei zum Schaden von Siemens erfolgt. Und Gerüchten, Siemens sei an der profitablen Technologiesparte von ThyssenKrupp (Rolltreppen, Aufzüge, Anlagenbau) interessiert, sei Cromme nicht entgegengetreten.

Reitzle ante portas?

In dem Schweizer Ackermann hat Cromme einen ebenbürtigen Gegner. Soft nach außen, stets im Kammerton sprechend, ist Ackermann – Siemens-Kontrolleur, Shell-Aufsichtsrat, Präsident des Verwaltungsrates der Zürich Versicherung – ein Durchzieher seiner Meinungsbildung in die Praxis. Und die lautet jetzt offenbar: Crommes Entscheidungen sind falsch, er hätte die Wahl von Finanzer Joe Kaeser zum Vorstandschef verhindern müssen. Ackermann hat zwar Kaeser mitgewählt. Eine Gegenstimme auf der Kapitalseite hätte schlecht ausgesehen. Aber laut Ackermann hätte Siemens wohl eher einen Ingenieur gebraucht.

Weitere Artikel

Da bietet sich einer für den Aufsichtsrat an: Wolfgang Reitzle, der im Mai 2014 aus Altersgründen beim Gasehersteller Linde ausscheidet. Er hat als Chefkontrolleur beim Autozulieferer Continental bewiesen, dass er nicht mehr der Exzentriker von früher ist, sondern ein „faktenbasierter“ Manager (Reitzle über Reitzle). Cromme hatte sich 2007 gegen Reitzle als Nachfolger von Klaus Kleinfeld als Siemens-Chef ausgesprochen. Nun könnte es eine Chance im Aufsichtsrat geben.

Folgt Reitzle auf Cromme? Dessen Gedanke sei möglicherweise, so heißt es aus Siemens-Kreisen in München, erst die Beisetzung von Beitz abzuwarten, bevor er seinen Rücktritt ankündigt. Denn der Zeremonie will Cromme als Siemens-Aufsichtsratschef und nicht als Privatmann beiwohnen. Doch auch das ist unsicher.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%