E.ON: E.ON-Chef will Konzern-Aufspaltung um jeden Preis

E.ON: E.ON-Chef will Konzern-Aufspaltung um jeden Preis

Die Energiewende hat den Branchenriesen Eon in den größten Umbau der Konzerngeschichte getrieben. Bei der Abspaltung kommt das Unternehmen inzwischen voran.

E.ON -Chef Johannes Teyssen will die Aufspaltung des Energieriesen trotz des Gegenwinds aus der Politik vorantreiben. "Ich werde diesen Prozess zu einem erfolgreichen Ende führen, koste es, was es wolle", sagte der Manager am Donnerstagabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. "Wir warten nicht auf gute Entscheidungen anderer." Teyssen kritisierte Überlegungen der Bundesregierung für ein neues Gesetz, wonach E.ON noch viele Jahre für die ausgegliederten Atomkraftwerke mithaften müsste. E.ON hält sich nach seinen Worten eine Verfassungsklage dagegen offen. "Das entscheide ich, wenn ich es kenne."

Die künftige E.On-Struktur

  • Aufspaltung

    E.On will das Geschäft mit der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie der Energiehandel 2016 mehrheitlich an die eigenen Aktionäre verschenk und an die Börse bringen. Die übrigen Anteile will E.On danach in kleineren Schritten über die Börse verkaufen. Der verbleibende Konzern besteht dann eigenen Angaben zufolge mit insgesamt 40.000 Mitarbeitern und 33 Millionen Kunden aus den drei Säulen: Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen.

    Quelle: Nachrichtenagentur Reuters (Stand: Dezember 2014)

  • Erneuerbare Energien

    Im Bereich Erneuerbare Energien steht E.On nach eigener Einschätzung weltweit auf Platz drei der Offshore-Windkraftbetreiber. In europäischen Gewässern betreibt E.On Anlagen mit einer Kapazität von 0,7 Gigawatt (GW). An Land betreibt der Versorger derzeit Windparks mit einer installierten Kapazität von 3,6 GW, davon 1,1 GW in Europa und 2,5 GW in den USA. Vorstandschef Johannes Teyssen kündigte an, im Zuge der Neuausrichtung das Solargeschäft auszubauen. Die Wasserkraftwerke sollen dagegen mit den Atom- und Kohlekraftwerken in die neue Gesellschaft ausgegliedert werden. 2013 setzte E.On im Bereich Erneuerbare Energien mit rund 1700 Mitarbeitern 2,436 Milliarden Euro um, das Ebitda belief sich auf 1,431 Milliarden Euro.

  • Energienetze

    E.On verfügt über mehr als eine Million Kilometer Stromnetze, davon 411.000 Kilometer in Deutschland, 136.000 in Schweden, 314.000 im übrigen Europa und 200.000 Kilometer in der Türkei. Neben Investitionen ins Netz plant Teyssen Zukäufe in ausgewählten Regionen.

  • Kundenlösungen

    Der Geschäftsbereich Kundenlösungen umfasst rund 33 Millionen Kunden, 7,7 Millionen in Großbritannien, 6,1 Millionen in Deutschland, 10,4 Millionen im übrigen Europa und neun Millionen in der Türkei. E.On will durch die Modernisierung seiner Netze den Kunden künftig neue Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Energieeffizienz und dezentrale Erzeugung liefern.

  • Neue Gesellschaft

    Bei den ausgegliederten Geschäftsteilen - Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie der Energiehandel - werden künftig noch 20.000 Mitarbeiter beschäftigt sein. Das Ebitda auf Basis von 2013 beträgt gut vier Milliarden Euro.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Donnerstag berichtet, dass die Regierungspläne bei Insidern, Investoren und Analysten Zweifel am Erfolg der Aufspaltung nähren. "Wenn das geschieht, macht die Aufspaltung keinen Sinn mehr", hatte eine an den Plänen beteiligte Person gesagt. Die Bundesregierung könnte schon bald eine Gesetz auf den Weg bringen, durch das E.ON nach der Aufspaltung 2016 in zwei neue Konzerne länger als fünf Jahre für Zusatzkosten für den Abriss seiner Atomkraftwerke und die Müllentsorgung haften müsste.

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Teyssen: Sondergesetz wäre in der Welt einmalig

Ein solches Sondergesetz gebe es für kein anderes Risiko in dieser Republik, weder für Chemiewerke noch für Banken, kritisierte Teyssen. "Ein solches Sondergesetz gibt es in keinem anderen Land der Welt." Ob es dadurch zu Verzögerungen beim Aufspaltungsprozess kommen könne, ließ er offen. Er könne keinen Plan bewerten, den er nicht kenne. Die Überlegungen der Regierung seien zwar wichtig, "aber es ist nicht die Mutter aller Themen".
Kritiker befürchten, dass sich E.ON durch die Aufspaltung aus der Verantwortung für die Atomlasten stehlen wolle und die milliardenschweren Rückstellungen nicht ausreichen. Der Konzern weist beides strikt zurück. E.ON soll künftig ein reiner Ökostromkonzern sein. Die Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke werden in eine neue Gesellschaft mit dem Namen "Uniper" abgespalten.

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Teyssen machte klar, dass er auch den Staat in der Verantwortung sieht. "Es ist nicht einmal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Kernkraftwerk gebaut worden, das nicht der Staat bestellt hat." Der Bund will eine Kommission einsetzen, die über das weitere Verfahren mit den Atomlasten berät. Ergebnisse sollen bis Ende November vorliegen. Im Gespräch ist unter anderem eine öffentlich-rechtliche Stiftung oder ein Fonds, in den die AKW-Konzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Rückstellungen von insgesamt über 38 Milliarden Euro einbringen könnten. Teyssen begrüßte die Einrichtung der Kommission. Es müsse eine faire Lösung für alle geben. "Wir müssen das einfach mal zum Ende bringen."

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