EADS: Französische Dreistigkeit, deutsche Paranoia

ThemaRüstung

KommentarEADS: Französische Dreistigkeit, deutsche Paranoia

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die geplante Fusion von EADS und BAE ist ein Opfer unzureichender Vorbereitung und nationaler Egoismen – zum Schaden des Unternehmens.

Wer in den vergangenen Jahren mit führenden Managern der EADS über die nationalen Gegensätze und politische Einmischungen sprach, erntete bestenfalls ein gelangweiltes Lächeln. „Wir arbeiten innerhalb von EADS eng zusammen und orientieren uns klar am Geschäft - ohne nationale Konflikte“, erklärte der zur Jahresmitte ausgeschiedene Vorstandschef Louis Gallois noch im Frühjahr gegenüber der WirtschaftsWoche.

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Leider lässt sich das von den nationalen Teilhabern des Unternehmens nicht sagen. Denn die geplante Fusion der EADS mit der britischen BAE zum weltgrößten Luftfahrtkonzern platzte am Mittwoch, weil sich trotz monatelanger Verhandlungen die drei großen Länder Großbritannien, Frankreich und vor allem Deutschland nicht einigen konnten. Am Ende, so ein EADS-Sprecher, „war es in erster Linie die deutsche Regierung, die das hat scheitern lassen.“

Die knallende Ohrfeige für Berlin hat ihre Berechtigung. Denn so ganz nach vollziehbar ist die deutsche Haltung vorsichtig ausgedrückt nicht. Zwar lag ein Angebot auf dem Tisch, das den Einfluss der drei Länder ein für alle Mal gebremst hätte. Maximal neun Prozent der Aktien für ein Land, dazu sollte kein Aktionär mehr als zehn Prozent halten dürfen. Dafür gab es Sonderrechte für die Länder in strategisch wichtigen Fragen in Form einer goldenen Aktie.

Ein Paket wie es auch der Wirtschaftsrat der CDU und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler mittragen wollten. Doch nicht zuletzt, weil beide Gruppen die Diskussion den Fusionsgegnern überließen, blieb es beim deutschen Veto.

Die Argumente der Gegner kreisen vor allem um die Furcht, am Ende könnte Frankreich trotz aller Limits das Unternehmen dominieren. Das ist natürlich peinlich. Anderen Länder wie Griechenland schreibt die Kanzlerin strenge Privatisierungsprogramme vor. Nur im eigenen Land setzt sie wider jede wirtschaftliche Vernunft auf Industriepolitik zu Lasten der Unternehmen.

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Dieses Misstrauen widerspricht dem europäischen Geist einer engeren europäischen Zusammenarbeit. Statt dessen erinnert es an die dumpfen Ressentiments der Gründerzeit der EADS als das Unternehmen, wie es mal ein führender Manager ausdrückte, dominiert wurde von „französischer Dreistigkeit und deutscher Paranoia“. Weil sich die deutsche Seite - allen voran die Bundesregierung - kaum für die Details der EADS und der im Vergleich zur Autoindustrie hierzulande weniger wichtigen Luftfahrt interessierte, nutzte der französische Staat die Freiräume und die Macht, die ihm seine im Vergleich zu Deutschland größere Förderung der Branche gab. Und am Ende war die deutsche Seite ganz überrascht, dass sie ins Hintertreffen zu geraten drohte.

Am Ende passierte zwar bisher das Gegenteil. Doch nun droht es Realität zu werden. Und zwar nicht trotz, sondern wegen des deutschen Vetos. Denn - auch wenn Deutschland nun EADS-Aktien von Daimler kauft, und einen ähnlich großen Anteil wie Frankreich hat - am wirtschaftlichen Alltag des Unternehmens oder der Verteilung der Arbeitsplätze ändert das nichts. Denn die richten sich danach, wo sich die Airbus-Flugzeuge und Raketen effizienter fertigen lassen. Das kann Deutschland nur ändern, wenn es sich in der Luftfahrt so engagiert wie Frankreich und nicht durch Bockigkeit.

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