EADS: Gallois hinterlässt Milliardengewinn

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EADS: Gallois hinterlässt Milliardengewinn

von Rüdiger Kiani-Kreß

Louis Gallois hat den Luftfahrtriesen in seinen knapp sechs Jahren als Konzernchef deutlich voran gebracht. Doch wie der jüngste Krach mit der Bundesregierung zeigt: ein normales Unternehmen ist die EADS noch nicht.

Wenn EADS-Chef Louis Gallois heute die Bilanz des von ihm geführten Luft- und Raumfahrtkonzerns vorstellt, hätte das eigentlich auch ein besinnlicher Termin werden können. Schließlich ist das die wahrscheinlich letzte große Veranstaltung des 68-Jährigen, bevor er nach einer eindrucksvoll langen Karriere  unter anderem als Chef der französischen Eisenbahn in den Ruhestand geht und sich seinen Hobbys und der Arbeit in einer politischen Stiftung widmet.

Doch leider überschattet den Termin mal wieder ein Thema, das mit Gallois eigentlicher Arbeit als Vorstandsvorsitzender wenig zu tun hat. Als der erklärte Fan bayerischer Barock-Kirchen im Januar einen Ausblick auf das Geschäftsjahr geben wollte, interessierte alle nur die Frage, warum der Deutsche Thomas Enders erst mit Verspätung zu seinem Nachfolger gekürt wird. Diesmal brennt den meisten vor allem eine von Enders angestoßene Diskussion unter den Nägeln: wie sehr darf die EADS ihre aus politischen Gründen auf die zwei Hauptquartiere Paris und München, den Firmensitz Amsterdam sowie die Airbuszentrale im südfranzösischen Toulouse verteilte Verwaltung zentralisieren – und damit zu einem normalen Unternehmen werden. Laut Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze am liebsten gar nicht. Und er fordert obendrein noch, dass sich Beförderungen ins obere Management wieder vor allem nach der Nationalität richten sollen und weniger nach der Qualifikation, auch wenn das der EADS schadet.

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Das erinnert auf den ersten Blick fatal an das Jahr 2006 als Gallois in einer Notaktion EADS-Chef wurde. Damals musste gerade der französische EADS-Chef Noël Forgeard gehen, weil er mit einer politischen Intrige das deutsch- französische Gleichgewicht hatte kippen wollen (und als Chef der wichtigsten EADS-Tochter Airbus die Verspätung des Superjumbo A380 zu verantworten hatte). Doch der Vergleich hinkt. Damals ging es um am Ende nicht weniger als das Überleben des der EADS.  Heute hingegen geht es darum, ob das europäische Vorzeigeprojekt EADS ein echtes Unternehmen werden darf, das vor allem nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt wird.

Der Fortschritt ist nicht zuletzt der Verdienst von Gallois. Denn zusammen mit Enders hat er es verstanden, EADS zu drehen. Von einer transnationalen Arbeitsgemeinschaft, die an ihrer Besessenheit für Wachstum und Technologie sowie nationalen Gegensätzen zu ersticken drohte, hin zu einem immer weiter integrierten Unternehmen. Dafür sorgte nicht zuletzt die Arbeitsteilung mit Enders, bei der beide quasi die nationalen Stereotypen wechselten: Gallois gab (größtenteils) den kompromissbereiten deutschen Franzosen  und Enders den französischen Deutschen, der den Aufbrausenden gibt und bewusst auf Machtpolitik sowie offene Worte setzt.

Als Gallois anfing, drohte die EADS – neben politischer Einflussnahme und deutsch-französischen Animositäten in der Belegschaft – vor allem an drei Dingen zu scheitern: Es begann mit den verkorksten Programmen vom A380 über den Militärtransporter  A400M bis zu oder Hubschraubern wie dem NH90, bei denen die Ingenieure Kosten und technische Herausforderungen unterschätzt hatten. Dazu lebte der Konzern zu sehr vom stark schwankenden Airbus-Umsatz und zu wenig von stetigeren Geschäften mit Rüstung und vor allem Dienstleistungen. Zu guter Letzt produzierte die EADS fast ausschließlich in Europa, aber verkaufte im Dollar-Raum, so dass jede Schwäche der US-Währung im Vergleich zum Euro den Konzern in die roten Zahlen zu drücken drohte.

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