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EADS und BAE Systems: Mega-Fusion unter Beschuss

von Lukas Bay und Thomas Hanke Quelle: Handelsblatt Online

Der Widerstand gegen die Fusion der europäischen Rüstungskonzerne EADS und BAE Systemswächst. Nicht nur die europäischen Regierungen kämpfen um ihren Einfluss - auch Großaktionär Daimler wird langsam nervös.

Eurofighter

Das international Typhoon genannten Kampfflugzeug ist ein Gemeinschaftsprodukt der deutsch-französischen EADS, der britischen BAE Systems und Alenia aus Italien von EADS. Zu Zeiten des Kalten Kriegs als Jäger 90 erdacht, wollen es die Hauptbestellländer Deutschland, Großbritannien und Italien trotz mehrfacher Erneuerung heute eigentlich nicht mehr abnehmen.

Bild: REUTERS

Die Fusion des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit der britischen BAE Systems steht auf der Kippe, denn die Vorbehalte der Politik und Großaktionäre wachsen. Es ist ein Kampf um die Machtbalance und den Einfluss beim neuen Rüstungsriesen, die das Projekt insgesamt gefährden. Öffentlich demonstrierten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident François Hollande bei einem gemeinsamen Mittagessen am Samstag zwar noch Einigkeit, doch die Vorbehalte auf beiden Seiten sind groß. Während die Franzosen ihren Einfluss nicht aufgeben wollen, fürchtet Deutschland um die Machtbalance im neuen Konzern.

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Derzeit halten Frankreich und die französische Bankengruppe Lagardère zusammen 22,5 Prozent an EADS. Der deutsche Daimler-Konzern und eine deutsch-dominierte Bankengruppe namens Dedalus kommen gemeinsam ebenfalls auf 22,5 Prozent. Doch diese Machtbalance ist in Gefahr. Der Daimler-Konzern möchte seinen direkten Anteil in Höhe von 15 Prozent halbieren und an den Bund beziehungsweise an die Staatsbank KfW veräußern. Frankreich möchte an seinen Anteilen von 15 Prozent festhalten. Damit kämen Deutschland und Frankreich auf einen Anteil am neuen Gesamtkonzern von über zehn Prozent, was die britische Regierung ablehnt. Die Briten könnten damit zum entscheidenden Dritten Faktor werden.

Auch die weltweite Rüstungsindustrie bleibt von den Staatsschuldenkrisen nicht verschont: Laut einer aktuellen Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) sanken die Erlöse der 100 größten Rüstungsschmieden im Jahr 2011 um fünf Prozent auf 410 Milliarden Dollar. Als Gründe nannte das Institut zum einen der Sparkurs vieler Regierungen, zum anderen der Truppenabzug aus dem Irak und aus Afghanistan. Bereits 2010 hatte sich der Umsatzanstieg verlangsamt. Die Erlöse der Waffenschmieden lagen um mehr als die Hälfte über dem Niveau von 2002. Rüstungsfirmen hinken dem Konjunkturzyklus hinterher, weil viele Waffen lange Lieferfristen haben.

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Bild: dapd

Auch Pläne von EADS-Chef Tom Enders, die Staatsanteile in eine „Goldene Aktie“ umzuwandeln, lehnen die Franzosen ab. Doch die Zeit drängt: Damit die Fusion ordnungsgemäß über die Bühne gehen kann, muss die britische Börsenaufsicht bis zum 10. Oktober informiert werden. Und der politische Streit um Standorte, Arbeitsplätze, aber auch Mitspracherechte hat gerade erst begonnen.

Nicht nur in Europa, auch in den USA sind die Bedenken gegen den neuen Rüstungsriesen groß. Die USA fürchten, dass der Einfluss der Europäer auf sensible Rüstungsdeals zu groß werden könnte.

Das "Wall Street Journal" berichtet, dass die Fusion die guten Beziehungen von BAE zum Pentagon gefährden könnte. BAE unterhält in den USA Verbindungen zu zahlreichen wichtigen Firmen wie Boeing oder Lockheed Martin. Dies ist möglich, weil das US-Verteidigungsministerium BAE eine Sondergenehmigung - eine sogenannte SSA - erteilt und damit Zugang zu brisanten Informationen ermöglicht hat. EADS operiert in den USA dagegen mit deutlich strengeren Vorgaben des Pentagons.

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US-Konzerne dominieren das globale Rüstungsgeschäft. Noch. Mit dem geplanten Zusammenschluss der deutsch-französischen EADS und der britischen BAE würden sich die Gewichte verschieben - wenn die Fusion die Hürden nimmt.

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BAE ist in den USA unter anderem am 1,5-Billionen-Dollar Rüstungsprogramm F-35 Joint Strike Fighter beteiligt. In den USA kommt der Konzern auf einen Umsatz von 14 Milliarden Dollar und beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter. Das US-Geschäft von EADS ist mit einem Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar und 3.000 Mitarbeitern nur ein Zehntel so hoch.

Die Briten wollen ihre lukrativen Verbindungen in den USA nicht für eine Fusion opfern. Um strengere Auflagen für einen gemeinsamen Konzern zu vermeiden, sollen BAE und EADS dem US-Verteidigungsministerium die Gründung eines zweckgebundenen Rüstungsunternehmen in den USA vorgeschlagen haben, hatte die „Sunday Times“ ohne Angaben von Quellen berichtet. Geführt werden soll die Firma von US-Managern. Einige Analysten rechnen außerdem damit, dass BAE Systems einen Teil seines Geschäfts in den USA veräußern muss, um die Zustimmung der US-Behörden zu bekommen.

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