KommentarEADS: Vorläufiger Frieden

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Der Bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer hat seinen Widerstand gegen eine teilweise Verlagerung der EADS-Konzernzentrale aufgegeben.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die bayerische Landesregierung lässt die EADS einen ihrer Verwaltungssitze von München nach Toulouse verlagern – aber nicht so ganz. Jetzt bleibt die Frage, wie Bundesregierung agiert, wenn sie wie geplant ihre Anteile am Luftfahrtkonzern aufstockt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat also den Widerstand gegen eine teilweise Verlagerung der EADS-Konzernzentrale von München ins südfranzösische Toulouse aufgegeben. Die spontane Frage, die sich da stellt ist natürlich: warum denn nicht gleich so? Schließlich steckt hinter dieser Erlaubnis nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit. EADS darf wie ein Unternehmen handeln und muss nicht wie eine Behörde die Erlaubnis der deutschen Regierung einholen.

Doch für eine komplette Entwarnung ist es noch deutlich zu früh. Denn, wer die Worte Seehofers im Handelsblatt von heute einmal genau liest, entdeckt kurz darauf einen bemerkenswerten Satz. Der künftige EADS-Chef Thomas Enders, steht da, müsse „EADS auch ein Stück weit so gestalten können, wie es nötig ist, um das Unternehmen erfolgreich zu führen.“
Nur „ein Stück weit“? Heißt das im Klartext: So richtig Unternehmer sein darf Enders also auch künftig nicht? Ist die EADS also aus Sicht Seehofers nach wie vor nicht komplett ihren Eigentümern, den Aktionären, sowie den Gesetzen der Betriebswirtschaft verpflichtet, sondern eben auch der deutschen Politik und ihren Bedürfnissen?

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Hinein ins Forderungskarussell
Das klingt nicht danach, dass die Politik den Widerstand aufgibt. Es klingt nur nach einem vorläufigen Frieden und lässt für die Zukunft auf wenig Gutes hoffen. Denn nach den jüngsten Plänen, soll künftig die deutsche Staatsbank KfW ja noch in diesem Jahr möglichst viele der Anteile übernehmen, die bislang im Besitz des Autokonzerns Daimler sind. Und dann könnte das Gezerre um Posten und Arbeitspakete erneut loslegen, weil Deutschland dann mit großer Überzeugung in seiner Eigenschaft als Aktionär Forderungen stellen könnte, die im Zweifel eben der Politik geschuldet sind – und nicht der Betriebswirtschaft. Das ist zu befürchten, wenn man Seehofers Worte liest und noch die Äußerungen von Staatssekretär Peter Hinze aus dem Bundeswirtschaftsministerium vor Augen hat.

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Und wenn Deutschland so offene Forderungen stellt, dann dürfte Frankreich als Besitzer von 15 Prozent der EADS-Aktien sicher bald mit ähnlichen Forderungen kommen. Das könnte dann zu einem deutsch-französischen Forderungskarussell führen - am Ende gehen die alten weitgehend überwundenen Grabenkämpfe wieder neu los. Keine schönen Aussichten.

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