Edelstahlwerk Bochum vor dem Aus: Schock im Ruhrgebiet

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Das Bochumer Edelstahlwerk will der finnische Betreiber Outokumpu schon im nächsten Jahr schließen. Auch ThyssenKrupp und 500 Arbeitsplätze sind davon betroffen.

von Andreas Wildhagen

Der finnische Betreiber Outokumpu will das Bochumer Edelstahlwerk schon im nächsten Jahr schließen. Auch ThyssenKrupp und 500 Arbeitsplätze sind davon betroffen.

Seit Dienstagnachmittag demonstrieren die Mitarbeiter der Outokumpu-Edelstahlwerke von Krefeld und Bochum gegen die vorzeitige Schließung der Bochumer Stahlproduktion. Ende 2012 haben die Finnen die Edelstahlwerke von ThyssenKrupp übernommen. Der mit Nickel überzogene, glänzende Rostfrei-Stahl war einst eine Erfindung von Krupp („Nirosta“). Auf dem Hügel in Essen, direkt vor der Villa Hügel von Krupp, steht eine übermannshohe Schiffsschraube des einstigen Schnelldampfers Bremen hellglänzend in der Sonne. Sie ist aus reinem Edelstahl gegossen und blinkt wie ein Juwel unter dem Essener Himmel. Aber dieser Stahl wird bei Krupp nicht mehr hergestellt. Enorme Überkapazitäten auf dem europäischen Markt und steigende Stromkosten, die bei Edelstahl produktionstechnisch höher ausfallen als bei normalen Stahlblechen haben das Edelstahlgeschäft für ThyssenKrupp nicht mehr lohnend erscheinen lassen. Seit Jahren schrieb der Konzern in diesem Bereich rote Zahlen. Schließlich erschien nur der Verkauf als Rettung.

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Quelle: dpa

Auch Outokumpu wollte die drei Edelstahlwerke in Deutschland - in Benrath bei Düsseldorf, in Krefeld und in Bochum - nicht auf ewig betreiben. Für das Edelstahlwerk in Bochum, das einst zum Kernbereich von Krupp gehörte und in dem 1985 ein gewisser Gerhard Cromme seine Sporen verdienen musste, bevor ihn der mittlerweile verstorbene Testamentsvollstrecker von Krupp, Berthold Beitz, zum Unternehmenschef aufrücken ließ, gab es sowieso keine unlimitierte Zukunft mehr. Eigentlich sollte das Werk Ende 2016 dichtmachen, nun wird die Schließung um zwei Jahre vorgezogen und gerät somit in greifbare Nähe. Im nächsten Jahr ist Schluss in Bochum.

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Die Schließung hat auch Auswirkungen auf die Bochumer Warmbreitbandstraße von ThyssenKrupp, denn beide Anlagen liegen auf demselben Werksgelände. ThyssenKrupp verarbeitet dort Outokumpu-Edelstahl weiter. Beim Edelstahl sind 500 Arbeitsplätze betroffen. Nach dem Ende des Bergbaus ist eine weitere Grundstoffproduktion im Ruhrgebiet dabei zugrunde zu gehen, der Edelstahl.

Outokumpu-Chef Mika Seitovirta gibt sich zerknirscht. „Diese Maßnahmen sind zwar schmerzhaft, jedoch notwendig, um unter den schwierigen Marktbedingungen eine Trendwende einzuleiten, sagt er. Doch wird es Brancheninsidern nicht bei der Schließung der Edelstahlwerke an Rhein und Ruhr bleiben.

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Zum Edelstahl gehört auch das Titanwerk in Essen. Auch diese Produktionsstätte haben die Finnen von ThyssenKrupp gekauft. Noch prangt der Schriftzug ThyssenKrupp VDM auf der grüngrauen Fertigungshalle in Essen zwischen den ICE-Bahngleisen nach Berlin und der hochaufragenden Konzernzentrale von ThyssenKrupp am Essener Kruppgürtel. Konzernchef Heinrich Hiesinger, der nicht mehr an die Zukunft der Stahlerzeugung in Deutschland glaubt, blickt von seinem Arbeitszimmer im 13. Stock des Krupp-Hochhauses direkt auf das Titanwerk zu seinen Füßen. Es hat keine Zukunft mehr, weder bei ihm noch bei Outokumpu. Die Härte, die der Name des Metalls verheißt, ist nur eine Ruhrgebiets-Fata-Morgana. „Das Glöckchen der De-Industrialisierung läutet“, sagt ein Arbeitnehmervertreter.

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