Actelion: Johnson & Johnson zahlt 30 Milliarden Dollar

Einigung mit Actelion: Johnson & Johnson übernimmt Biotechfirma für 30 Milliarden Dollar

, aktualisiert 26. Januar 2017, 12:33 Uhr
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Ein Gebäude des Pharmakonzerns Johnson & Johnson in Irvine, California

Der US-Konzern Johnson & Johnson und das Schweizer Biotechnologieunternehmen Actelion haben sich doch noch geeinigt. Der Pharmariese aus New Jersey übernimmt Actelion für 30 Milliarden Dollar.

Der US-Konzern Johnson & Johnson greift nach Europas größter Biotech-Firma Actelion. 30 Milliarden Dollar will der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey für den Hersteller von Lungenmedikamenten aus Allschwil bei Basel auf den Tisch legen.

Die Übernahme kommt erst im zweiten Anlauf zustande: Nach einer ersten Verhandlungsrunde ohne Einigung zog sich J&J zunächst zurück und überließ dem französischen Pharmakonzern Sanofi das Feld. Nun kündigte J&J am Donnerstag an, den Actelion-Aktionären 280 Franken je Aktie in bar zahlen. Der Deal wäre einer der größten im Pharmasektor seit Anfang 2016.

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"Die Struktur des Deals ist sehr attraktiv", sagte Eleanor Taylor Jolidon, Fundmanagerin bei der Genfer Union Bancaire Privee, die zu den 40 größten Actelion-Investoren zählt. Die Offerte entspricht einem Aufpreis von 23 Prozent gegenüber dem letzten Börsenkurs.

Nimmt man als Messlatte den Aktienkurs von vergangenen November, als erste Spekulationen über ein Interesse der Amerikaner an Actelion die Runde machten, streichen Investoren sogar mehr als drei Viertel als Prämie ein. Daher halten es Börsianer auch für wenig wahrscheinlich, dass ein Konkurrent in letzter Minute eine noch höhere Offerte aus dem Hut zaubert. "Das ist so gut wie unter Dach und Fach", erklärten die Analysten der Bank Berenberg. An der Börse in Zürich schoss die Actelion-Aktie um 20 Prozent auf 272,80 Franken in die Höhe.

Actelion-Chef Clozel übernimmt Leitung

Im Zuge der Transaktion soll Actelions Forschung in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert werden. Dieses solle mit einer Milliarde Franken ausgestattet und an die Schweizer Börse SIX gebracht werden. Die Actelion-Aktionäre erhalten Aktien dieser R&D NewCo genannten Firma, an der auch J&J beteiligt sein wird. Actelion-Chef Jean-Paul Clozel wird R&D NewCo leiten. Der 61-jährige Kardiologe, einer der Firmengründer, war in der Vergangenheit ein entschiedener Verfechter eines eigenständigen Kurses und galt als Schlüsselfigur bei dem Deal.

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Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten in einer Apotheke in Hamburg. Quelle: dpa

Actelion ist auf Medikamente zur Behandlung von lebensbedrohlichem Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) spezialisiert und hochprofitabel. Im vergangenen Jahr stand bei zwei Milliarden Franken Umsatz unter dem Strich ein Gewinn von 552 Millionen Franken. Analysten trauen den beiden neuen PAH-Arzneien Opsumit und Uptravi 2020 zusammen mehr als 4,6 Milliarden Franken Jahresumsatz zu.

Milliardenschwere Deals in der Pharmabranche

Die Pharmabranche sorgte in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Milliarden-Deals für Schlagzeilen. Angetrieben vom Auslaufen vieler Patente sowie hohen Kosten für Forschung und Entwicklung schließen sich immer mehr Firmen zusammen. Anfang vergangenen Jahres schluckte der britische Pharmakonzern Shire nach monatelangem Flirten seinen US-Rivalen Baxalta für 32 Milliarden Dollar. Im April verstärkte der US-Pharmariese Abbott Laboratories mit dem 25 Milliarden Dollar schweren Kauf von St. Jude Medical sein Medizintechnik-Geschäft.

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J&J greift für Actelion tief in die Tasche. In der Branche wurden in der Vergangenheit allerdings auch noch höhere Prämien gezahlt: Im vergangenen August erwarb der US-Pharmariese Pfizer den Krebsspezialisten Medivation für 14 Milliarden Dollar - mehr als das doppelt des Börsenwerts vor Bekanntwerden des Kaufinteresses.

J&J will den Zukauf mit Geld finanzieren, das außerhalb der USA liegt. Die Transaktion wird nach Angeben des US-Konzerns auf Basis des bereinigten Gewinns je Aktie sofort gewinnsteigernd sein. J&J ist in der Schweiz kein Unbekannter: 2011 übernahmen die Amerikaner für 21 Milliarden Dollar das Schweizer Orthopädieunternehmen Synthes.

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