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Einzelgänger der Chemiebranche: Die risikoreiche BASF-Strategie

, aktualisiert 10. Januar 2017, 19:24 Uhr
von Jacqueline Goebel

Die ganze Chemiebranche wälzt sich um, fusioniert und spezialisiert sich. Nur BASF nicht. Die Königin der Chemie setzt auf ihre Tradition. Doch damit wird es dem Konzern schwer fallen, neue Herausforderer abzuwehren.

Kurt Bock kennt sich aus mit den Traditionen und der Geschichte von BASF. Der heutige Konzernchef begann sein Berufsleben hier, bis auf einen kurzen Abstecher zu Bosch hat er seine ganze Karriere bei der "Badischen Anilin- und Soda-Fabrik" verbracht, dem größten Chemiekonzern der Welt.

Doch wohl kaum ein Jahr war so turbulent wie das vergangene: Umwälzungen in der Branche, wirtschaftliche Schwierigkeiten und ein Unglück, bei dem vier Menschen starben, durchrüttelten das Unternehmen.

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Konzernchef Bock reagiert darauf wie immer: Ruhig, besonnen, abwartend. Nur keine übereilten Entscheidungen. BASF hat seine Strategie, und der bleibt man treu.

Dabei spricht wenig dafür, dass die kommenden Jahre weniger turbulent werden. Der Chemiesektor steht vor gewaltigen Umwälzungen. Und langfristig müssen Bock und seine Vorstandskollegen mit neuen Herausforderungen und Herausforderern rechnen.

Die BASF

  • In 150 Jahren zum weltgrößten Chemiekonzern

    Der Chemiekonzern BASF beschäftigte Ende 2015 weltweit mehr als 112.000 Menschen. Gegründet wurde das Unternehmen 1865 vom Leuchtgasfabrikanten Friedrich Engelhorn mit Partnern. Die Aktiengesellschaft „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF) sollte aus Steinkohlenteer synthetische Farbstoffe gewinnen. Es folgte der Aufstieg zum weltgrößten Chemiekonzern. Die Bandbreite der BASF reicht heutzutage von Chemikalien, Kunststoffen, Veredlungsprodukten und Pflanzenschutzmitteln bis zu Öl und Gas. Vorstandschef ist seit 2011 Kurt Bock.

Fusionswelle rollt an BASF vorbei

Der Chemiesektor hat eine beispielslose Übernahmewelle hinter sich, vor allem in der Agrarchemie. Vor einem Jahr hatte BASF noch fünf große Mitbewerber, die sich um das Geschäft mit Unkrautvernichter und Pflanzenschutz stritten. Bald sind es nur noch drei: Bayer übernimmt Monsanto, Syngenta geht an Chemchina, und Dow und Dupont fusionieren, um sich dann in drei einzelne Konzerne aufzuspalten.

BASF ging bei der Fusionswelle leer aus. Nur einmal hat Konzernchef Bock in den vergangenen Jahren zugekauft, den Lackspezialisten Chemetall für 2,8 Milliarden Euro. Der Deal steht weit hinter den Dimensionen der Konkurrenz zurück. Vor allem aber löst er die Probleme der Aniliner im Pflanzenschutzgeschäft nicht.

Durch die Zusammenschlüsse haben die Wettbewerber BASF abgehängt. Die Ludwigshafener müssen sich nun mit einem abgeschlagenen Platz 4 auf der Weltrangliste zufrieden geben. Hinzu kommt: Als einziger Spieler im Markt verkauft BASF seine Pestizide ohne darauf abgestimmtes, genverändertes Saatgut.

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In der Chemiebranche bleibt nichts, wie es war. Nur bei BASF bleibt alles, wie es ist. Während im Nahen und Fernen Osten neue Konkurrenten heranwachsen, bleibt on Ludwigshafen wenig von den Wachstumsplänen übrig.

BASF Quelle: PR

Der Vorstand hofft nun auf die Strenge der Kartellwächter: Die könnten den Wettbewerbern Auflagen bei ihren Übernahmeplänen machen. Wenn sich die Konkurrenz dadurch von Geschäft trennen muss, will Konzernchef Bock zugreifen. Nur: Noch ist völlig unklar, welche Geschäftsbereiche auf den Markt kommen könnten - und wie viel Nutzen die für BASF tatsächlich haben.

Angesichts der Umwälzungen in der Branche müssen sich Vorstand und Aufsichtsrat die Frage stellen: Stimmt die Strategie? Zwar ist das Konzept von BASF über 150 Jahre erprobt und ausgereift. Doch die Branche verändert sich schneller als jemals zuvor. Und es ist nicht klar, ob das Ludwigshafener Imperium die nötige Flexibilität besitzt, um mitzuhalten.

Alte Strategie trotz neuer Umstände

Die Ludwigshafener sind die einzigen auf der Welt, die so gut wie jede Chemikalie in ihrer Wertschöpfungskette am liebsten selbst herstellen. BASF fördert mit der Tochter Wintershall selbst Öl, verarbeitet es zu Grundchemikalien, aus denen dann Kunststoff, Styropor oder Lacke hergestellt werden. Aus einem Produkt entsteht so das nächste und übernächste.

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Das Foto zeigt ein Logo des Softwareherstellers SAP. Quelle: dpa

Sinnbild dafür sind die silbernen Rohrbrücken, die sich in vier Metern Höhe durch das Werk in Ludwigshafen schlängeln. 2700 Kilometer Rohrleitungen sind es insgesamt, erzählen Mitarbeiter stolz. Sie transportieren die Chemikalien von Anlage zu Anlage. Verbund nennen die Anliner ihr Konzept, es geht bis auf den Firmengründer Friedrich Engelhorn zurück, der die Badische Anilin- und Sodafabrik vor fast 153 Jahren erschuf.

Früher war BASF damit Vorbild, selbst Bayer baute sein Werk in Leverkusen nach den Ludwigshafener Modell nach. Mittlerweile ist die Strategie einmalig, alle anderen haben sich längst spezialisiert. Bayer hat bereits 2004 seine Chemie- und Polymersparte ausgegliedert - das heutige Lanxess. 2015 trennte sich Bayer auch von seinem Lack- und Schaumstoffgeschäft und begründete so die Geschichte von Covestro.

Noch radikaler ist das Konzept von Dow und Dupont. Die beiden US-Konkurrenten hätten gemeinsam BASF leicht den Titel "Königin der Chemie" stehlen können. Stattdessen teilen sich die beiden nach ihrer Fusion wieder in drei Einzelteile auf. Jeder einzelne davon fokussiert auf seine Produkte und deshalb besonders schlagkräftig, so wollen es die Aktionäre. Damit verfolgen Dow und Dupont das Gegenmodell zum Ludwigshafener Verbund.

BASF ist bei solchen Manövern schwerfällig. Während sich andere Konzerne innerhalb von Wochen von unprofitablem Geschäft trennen, kann BASF nicht einfach so einen Teil seiner Produktion aus dem Verbund herausschneiden - schließlich hängt alles zusammen.

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