Ekkehard Schulz: Das Ende einer ThyssenKrupp-Legende

Ekkehard Schulz: Das Ende einer ThyssenKrupp-Legende

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Ekkehard Schulz muss nach dem milliardenschweren Brasilien-Debakel ThyssenKrupp verlassen und sein Aufsichtsratmandat Ende des Jahres niederlegen.

von Andreas Wildhagen

Vierzig Jahre bei Thyssen, Architekt der Fusion mit Krupp, knallharter Sanierer – das alles nützt nichts, wenn man eine Großinvestition in den Sand setzt. Berthold Beitz hat Ekkehard Schulz hochkant gefeuert.

„Der getreue Ekkehard“, „Ekki der Harte“ – diese und andere Attribute, die Ekkehard Schulz in Deutschlands größtem Stahlunternehmens ThyssenKrupp angeheftet wurden, zeigen seinen Status, seine Reputation, die er im Management, im Aufsichtsrat und bei den Betriebsräten des Revierkonzerns jahrzehntelang genoss.

Auf Ekkehard Schulz war einfach immer Verlass, so schien es. Der gelernte Hütteningenieur ist der Prototyp eines Ingenieurs, er glaubt an das Machbare, pflegte seinen Realitätssinn wie ein Schmuckstück und schenkte in den vielen Sanierungsfällen, die er erlebte den skeptischen Betriebsräten reinen Wein ein.

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„Ich stelle im Krisenfall die Situation meistens schroffer da, als sie sich nachher erweist. Ich beschönige nichts. Wenn es denn nachher nicht so negativ kommt, freuen wir uns alle, sind aber im schlimmsten Fall auch nicht überrascht“, sagte er einst der WirtschaftsWoche.

Rekord-Verlust in der Unternehmensgeschichte

Dieses Motto wandte sich nun gegen ihn persönlich. Ein Jahr nach seiner Demission als Vorstandschef schreibt der Konzern einen Mega-Verlust von fast 1,8 Milliarden Euro, der höchste Verlust in der Geschichte beider Unternehmen zusammen. Die roten Zahlen haben ihre Ursache in einem sehr gewagten und auch ungewöhnlichen Engagement des Unternehmen in Brasilien und den USA – zwei Stahlwerke, die dort zur Zeit niemand braucht.

Als Verursacher wurden zahlreiche Manager bereits vor zwei Jahren in die Wüste geschickt, einer wurde verschont: Ekkehard Schulz. Es ist fast ein Jahr her, dass er als Vorstandschef auf der Hauptversammlung in Bochum abtrat wie ein Superstar – mit Ovationen der Kleinaktionäre, mit Händedruck von Berthold Beitz, dem Chef der Krupp-Stiftung.

Diese ist größter Einzelaktionär bei ThyssenKrupp (25,01 Prozent), Beitz – früherer Testamentsvollstrecker von Alfried Krupp – tritt auf wie ein Inhaber, obwohl er doch nie etwas anderes war als ein hoher Angestellter. Dieser präsentierte dem unglücklichen Schulz nun die Schlußabrechnung: Abrupter Abgang ohne Ehren.

In Krupps Namen

Und das Ganze im Namen eines längst Verstorbenen, Alfried Krupp. Nur einer noch kennt ihn, hat Erinnerung an ihn – der achtundneunzigjährige Berthold Beitz, sein Alter macht diesen historischen Bogen möglich. Beitz kannte Alfried Krupp noch persönlich. Niemand außer ihm war dabei, als der letzte Krupp im Unternehmen sein Erbe regelte, in Form einer Stiftung.

Der Satz, den Schulz zu Beginn der Woche im Stiftungsgebäude neben der Villa Hügel, dem alten, muffigen Stammsitz der Krupps, von Beitz hören musste, war schmerzlich: „Ich schätze Sie persönlich sehr, bin jedoch vor allem Alfried Krupp verpflichtet“ – so wurden die Beitz-Worte an Schulz von Konzern-Strategen umgehend an die Medien gestreut. Das ist das für Schulz noch Schmerzlichere.

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