Elektroriese mit Problemen: Mit Philips geht es weiter abwärts

Elektroriese mit Problemen: Mit Philips geht es weiter abwärts

von Rüdiger Kiani-Kreß

Beim niederländischen Elektroriesen Philips geht es trotz aller Erfolgsnachrichten weiter abwärts. Doch mit dem Verkauf des Massengeschäfts im Lichtsektor soll sich das noch in diesem Jahr ändern.

Zum Jahreswechsel war Philips-Chef Frans van Houten noch bester Laune. Das gerade beendete Geschäftsjahr war für den niederländischen Elektrokonzern eines der besten. Nach mehr als zehn Jahren Umbau und Verlusten stiegen endlich die Gewinne wieder. "Unsere Schrumpfungsphase ist definitiv vorbei", freute sich van Houten damals im Interview mit der WirtschaftsWoche und ergänzte stolz: "Wir sind eine Geschichte der Selbsthilfe."

Das war leider etwas voreilig. Denn die heute veröffentlichte Bilanz für 2014 zeigt: Der Aufschwung ist erstmal wieder gestoppt.

Anzeige

Im lange Zeit profitabelsten Feld Medizintechnik und erst Recht im Lichtgeschäft sanken Umsatz und Gewinn sogar nach Anrechnung aller möglicher Einmaleffekte deutlich. Nur bei cleverer Konsumerelektronik wie Zahnbürsten und Nasenhaarschneidern ging es nach oben.

Trend zur Aufspaltung Größere Unternehmen sind nicht unbedingt besser

Der IT-Riese HP spaltet sich in zwei Konzerne auf, eBay trennt sich von PayPal, Philips von seinem traditionsreichen Beleuchtungsgeschäft. Das Credo „Größer ist besser“ gilt nicht mehr.

Obwohl in diesem Jahr zahlreiche Abspaltungen die Schlagzeilen dominieren, haben sich 2013 deutlich mehr Unternehmen aufgespalten.

Das hatte sich van Houten ganz anders gedacht. Denn gerade dank des Lichtgeschäfts erwartete er ein gewaltiges Wachstum. "Wir lösen Probleme, die sonst keiner löst", war seine Vorgabe.

Harter Preiskampf

Gut geklappt hat das leider nur im Konsumgeschäft, wo sich die Mittelschicht weltweit gerne von Rasierern, fettfreien Fritteusen oder Dampfbügeleisen das Leben erleichtern lässt. Schief gegangen ist das leider im Medizingeschäft: Das sollte davon profitieren, dass besonders in den Industrieländern die steigende Lebenserwartung und falsche Ernährung für mehr chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Alzheimer oder Diabetes sorgt, die Philips dann mit seinen Geräten löst.

Doch leider ist der Preiskampf mit den führenden Anbietern Siemens, General Electric sowie neuen Anbietern wie Samsung aus Korea härter als erwartet. So sank der Umsatz im bislang profitabelsten Sektor um fast fünf und der EBITDA genannte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen fiel sogar um 60 Prozent.

Noch dramatischer war das im Lichtgeschäft. Das Feld litt ohnehin an der sinkenden Nachfrage im bisherigen Hauptbereich mit mehr oder weniger konventionellen Glühlampen. Hier hoffte van Houten vor einem Jahr, vielen Städten neue sparsame LED-Lampen zu verkaufen. Die drücken die Kosten für Straßenlaternen nicht nur dank verbrauchsarmen LED-Chips, sondern auch dank einer intelligenten Stadtbeleuchtung – die schwach leuchten, wenn die Straßen leer sind und heller, wenn ein Bewegungsmelder ein Fußgänger oder ein Auto kommen sieht.

Begrifflichkeiten bei Unternehmenstrennungen

  • Aufspaltung

    Der bisherige Rechtsträger wird aufgelöst. Das Vermögen geht an mindestens zwei Rechtsträger über. Dies kann, wie zum Beispiel bei HP, auf zwei neu gegründete Rechtsträger übergehen (Aufspaltung zur Neugründung; § 123 Abs. 1 UmwG) oder auf andere bestehende Rechtsträger übertragen werden (Aufspaltung durch Aufnahme).

  • Abspaltung

    Lediglich ein oder mehrere Teile, die für sich eine abgrenzbare Einheit bilden, gehen auf bestehende oder neu zu gründende Rechtsträger über. Der der ursprüngliche Rechtsträger bleibt bestehen (§ 123 Abs. 2 UmwG). Ein Beispiel ist die Abspaltung der Spezialchemie-Sparte von Bayer im Jahr 2005, die seitdem als Lanxess eigenständig ist.

  • Ausgliederung

    Der alte Rechtsträger bleibt bestehen. Anders als bei der Abspaltung, erhalten aber nicht die Anteilseigner des übertragenden Rechtsträgers Anteile an dem übernehmenden oder neuen Rechtsträger - sondern dieser selbst (§ 123 Abs. 3 UmwG).

  • Equity Carve-out vs. Spin-off

    Bei einem Spin-off bekommen die bestehenden Aktionäre Aktien an der abspaltenden Tochter. Dessen gesamten Anteile werden an der Börse notiert. Beim Equity Carve-out wird hingegen nur eine Minderheit der Anteile der abzuspaltenden Tochter an die Börse gebracht. Der Vorteil für das Mutterunternehmen: Sie behält die Kontrolle, die Erträge aus dem Börsengang fließen in die eigene Tasche. Nachteil: Die Muttergesellschaft hat keine Kontrolle über die an der Börse gehandelten Aktien und deren Besitzverhältnisse. Zudem unterliegt das Tochterunternehmen den strengen Kontroll- und Veröffentlichungsvorschriften einer börsennotierten Gesellschaft.

Doch trotz einiger Erfolge, etwa mit dem Verkauf eines solchen Systems an die spanische Hauptstadt Madrid, blieb nicht nur die Kundenzahl im Geschäft mit den Leichtchips unter den Erwartungen. Der Preiskampf war offenbar so hart, dass Philips im Vergleich zu LED-Herstellern mit mehr Erfahrung im schnelllebigen Chipgeschäft nicht mithalten konnte. So fiel der seit Langem rückläufige Umsatz erneut um rund vier Prozent und das EBITDA halbierte sich auf gut vier Prozent, was unterm Strich einem Verlust gleich kommt.

Mehr Dividende

Die Gründe gehen über die Anpassungen in den Feldern hinaus. Ein Blick auf die weltweite Umsatzverteilung zeigt eine dramatische Unwucht. Statt wie geplant mehr Geld außerhalb der westlichen Industrieländer zu verdienen, sind die Einnahmen in intern als „Wachstums-Geographien“ bezeichneten Ländern wie China oder Brasilien um vier Prozent gesunken, während die USA und Westeuropa fast gleich bleiben.

Um das zu ändern, besinnt sich van Houten auf einen Trick und eine Tugend, für die Philips inzwischen wahrscheinlich mehr steht als für Innovation und schönes Design: mehr Dividende und ein weiterer Komplettumbau des Konzerns.

Riskante Strategie des Elektronik-Riesen Warum Philips seine Lichtsparte abspaltet

Der Elektronikkonzern Philips spaltet sich in zwei Teile auf. Doch die Strategie, die Lichtsparte auszugliedern, ist riskant. Zugleich kassieren die Niederländer die Gewinnziele für 2014.

Philips spaltet seine Lichtsparte ab. Quelle: dpa

Ersteres ist verständlich. Trotz sinkender Gewinne will van Houten seine Anteilseigner gleich zweifach erfreuen: mit einer gleichbleiben Ausschüttung und einem Aktienrückkauf, um den nach einem Zwischenhoch im Schlussquartal 2014 zuletzt wieder rückläufigen Kurs zu stabilisieren. Doch leider hat das zumindest bis heute nicht geklappt. Die aktuelle Bilanz 2014 hat den Kurs erstmal um bis zu sechs Prozent einbrechen lassen.

Stärker auf Effizienz getrimmt

Damit sich das ändert, ordnet van Houten nun wieder alles neu. Am augenfälligsten und leichtesten ist die erneute Spaltung des Konzern – diesmal in zwei Teile: der größere heißt Royal Philips und besteht aus Medizin- und Konsumgeschäft mit derzeit zwei Dritteln des Konzernumsatzes von gut 21 Milliarden Euro. Das leidende Lichtgeschäft will van Houten dagegen loswerden und – um den Massenmarkt LED und Autolampen erleichtert – unabhängig als Philips Lighting agieren lassen.

weitere Artikel

Gemeinsam haben die beiden Philips-Teile zunächst vor allem das „Accelerate“-Programm, welches den Konzern noch stärker auf Effizienz trimmen soll. Mehr auf die lokalen Märkte zugeschnittene Produkte sollen die bisher weltweit recht ähnlichen Angebote ergänzen. Dazu will Philips gerade im öffentlichen Gesundheitssektor GE und Siemens mehr Konkurrenz machen. Und natürlich sollen Entlassungen sowie mehr Leistungsorientierung die Kosten senken – um 1,8 Milliarden Euro bis 2016.

Bisher sind die Fortschritte laut van Houten vielversprechend. Denn die Zahlen für das Schlussquartal 2014 waren deutlich besser als die für das Gesamtjahr. Ob das Investoren und Mitarbeiter überzeugt, bleibt abzuwarten. Denn ein besseres Schlussquartal als im Vorjahr gab es bei Philips bereits 2013 – aber die Folgen waren alles andere als positiv.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%