Emissionshandel: Airbus-Chef - Europa überschätzt seinen Einfluss

exklusivEmissionshandel: Airbus-Chef - Europa überschätzt seinen Einfluss

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Der neue Airbus A320 neo.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der neue Airbus-Chef Fabrice Brégier will sein neues Erfolgsflugzeug A320neo zuerst in Deutschland bauen und kritisiert in ungewohnt scharfer Form den europäischen Emissionshandel für die Flugbranche. 

Der neue Airbus-Chef Fabrice Brégier hat erstmals Details zur Produktion seines neuen Mittelstreckenflugzeugs A320 bekannt gegeben. Danach werden die ersten Exemplare der A320neo genannten Neuauflage des Erfolgsmodells in Deutschland gebaut. „Wir starten mit der Produktion in Hamburg“, erklärte der Manager in einem Pressegespräch am Rande des Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsgipfels am Samstag in Peking. „Danach kommt Toulouse und später unsere Werk im chinesischen Tianjin und das neuen Werk in den USA bauen.“ Von der A320neo, die dank neuer sparsamer Triebwerke mindestens 15% weniger Treibstoff verbraucht, hat Airbus bislang mehr als 1400 Exemplare verkauft. Nach der aktuellen Arbeitsteilung zwischen den Airbuswerken wird Hamburg mit im Schnitt 23,5 Exemplaren des Flugzeugs mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion von 42 Flugzeugen bauen. Der A 320neo soll bis weit ins nächste Jahrzehnt gebaut werden.

Gleichzeitig kritisierte Brégier, der Airbus seit 1. Juni führt, in ungewöhnlich scharfer Form den europäischen Emissionshandel (ETS) für Fluglinien. Bei der Regelung sollen ab diesem Jahr alle Fluglinien, die in der EU starten und landen, für ihren Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid zahlen. Doch mehr als 20 Länder, darunter China und die USA weigern sich.

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Dafür hat Brégier Verständnis. Die chinesische Regierung hat zu erkennen gegeben, dass sie nicht gegen das Prinzip des Emissionshandels ist.  „Aber sie können nicht akzeptieren, dass ihnen eine ausländische Macht einseitig Gesetze auferlegen will“, sagt Brégier. Dazu äußert der Manager, der Nachfolger des zum Chef des Airbus-Mutterkonzerns aufgestiegenen Tom Enders, Zweifel an den Regeln des ETS. Aus seiner Sicht gehören etwa chinesische Fluglinien zu den saubersten der Welt, weil ihre Flugzeugflotten im Schnitt besonders neu und sparsam sind. „Aber das wird in der gegenwärtigen Form des Systems nicht honoriert“, sagt Brégier.

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Zwar will der Manager den ETS nicht als Fehler bezeichnen. „Das Urteil steht mir nicht zu.“ Aber wer sich einer so breiten Opposition gegenüber sehe, könne sich nicht gegenüber dem Rest der Welt im Recht fühlen. „Wer eine Wand vor sich sieht und mit 200 Stundenkilometern darauf zu rast, hat ein Problem und sollte vielleicht abbremsen und einen Kompromiss suchen.“ Der müsse nicht ohne weiteres gegen das Prinzip gehen, die Emissionen zu reduzieren.

Aus Brégiers Sicht sei es nicht an ihm, der EU etwas vorzuschreiben. „Aber wir unterstützen Gespräche auf höchster internationaler Ebene für eine globale Lösung.“ Das könne eine stufenweise Einführung sein oder eine leichte Abänderung des Plans sein. „Doch“, so Brégier, „wenn ein Plan nicht praktikabel ist, muss er angepasst werden. Wir in Europa sind, glaube ich, nicht länger das alleinige Zentrum der Welt.“

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