Ende der Luxus-Ära: ThyssenKrupp-Chef kämpft an zwei Fronten

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Ende der Luxus-Ära: ThyssenKrupp-Chef kämpft an zwei Fronten

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Habachtstellung am Aufzug. ThyssenKrupp-Chef Hiesinger muss so schnell wie möglich Ballast abwerfen

von Alexander Busch und Andreas Wildhagen

Vorstandschef Hiesinger kämpft gegen ungeliebte Verhandlungspartner in Brasilien und die Altherrenkultur bei ThyssenKrupp in Essen. Mit Yachtclub und hauseigenem Partyservice soll Schluss sein.

Heinrich Hiesinger wunderte sich. Stieg der ThyssenKrupp-Chef in einen der gläsernen Aufzüge in der Konzernzentrale am Essener Berthold-Beitz-Boulevard, blieben andere Manager stets wie auf Kommando davor stehen. Erst wenn Hiesinger nach oben enteilt war, trauten sich die Subalternen in den Lift.

Ob das immer so sei, dass andere Manager nicht mit dem Vorstandschef Aufzug fahren, fragte Hiesinger irgendwann einmal einen der Wartenden. "Ja, Herr Dr. Hiesinger", gab der Angesprochene zurück. Jahrelang hätten Hiesingers Vorgänger Ekkehard Schulz und dessen Oberaufseher Gerhard Cromme darauf bestanden.

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Die Mischung aus Majestätischem und Barockem bei dem Ruhrgiganten (40 Milliarden Euro Umsatz, 150 000 Mitarbeiter, fünf Milliarden Euro Verlust) zerbricht gerade an dem württembergischen Bauernsohn im Chefsessel und an dem schlimmen Missmanagement des Gespanns Schultz/Cromme in der Vergangenheit. Denn das Konglomerat aus Stahlerzeugung, Autoteilefertigung sowie Anlagen-, U-Boot- und Aufzugsbau steht vor der Zerreißprobe. Während die überbordende Bürokratie aus früheren Zeiten den Konzern lähmt und nur durch Massenentlassungen zu beseitigen ist, ficht Hiesinger an anderer Stelle um die Befreiung von einer mindestens ebenso großen Bedrohung: den hoch defizitären Stahlwerken in Amerika.

Schwierige Verhandlungen um Stahlwerke

Hier liegen die Dinge ebenfalls nicht so, dass Hiesinger entspannt einer Lösung des Problems entgegensehen könnte. Denn die Verkaufsverhandlungen der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA, die sich wegen gigantischer Kostenüberschreitungen als Fehlinvestitionen herausstellten, scheinen zurzeit nur noch auf einen Kaufinteressenten zuzulaufen: den brasilianischen Stahlunternehmer Benjamin Steinbruch. Der indische Stahltycoon Lakshmi Mittal, Mehrheitsaktionär des luxemburgischen Stahlkonzerns ArcelorMittal, interessierte sich auch für die ThyssenKrupp-Werke in Übersee, steht aber inzwischen abseits. US-Unterhändler anderer Stahlkonzerne haben die Gespräche mit den Essenern wegen zu langer Abstimmungsprozeduren abgebrochen. "Vor Angst, Fehler zu begehen, nehmen Manager kaum Fühlung zu anderen Interessenten wie japanischen oder russischen Stahlunternehmen auf", kritisiert ein Kruppianer.

Verhandlungen mit Steinbruch sind für Hiesinger jedoch eine besondere Qual. Der Brasilianer gilt in der Stahlbranche als streitsüchtig und sprunghaft. Zwischen ThyssenKrupp und Steinbruch hat es in der Vergangenheit bereits jede Menge Krach gegeben. Beide Parteien waren vor fast zehn Jahren am brasilianischen Stahlverarbeiter Galvasud beteiligt, konnten sich aber über die Führung nicht einigen. In das von den Essenern 1998 gegründete Unternehmen stieg später Steinbruchs Erz- und Stahlunternehmen CSN mit einem Anteil von 49 Prozent ein. Nach Aussagen von ThyssenKrupp-Managern hatte sich Steinbruch mit seiner CSN aber geweigert, wichtige Rohstoffe wie zum Beispiel Erz an das Gemeinschaftsunternehmen zu liefern. Schließlich entschied ein Schiedsgericht in New York zugunsten Steinbruchs, der die Deutschen dann aus dem Unternehmen herausdrängte.

Komplizierte Verträge

Ausgerechnet mit diesem Mann soll Hiesinger nun ein Verkaufsmodell vereinbaren, sickert es aus brasilianischen Verhandlungskreisen, das überaus kompliziert ist. ThyssenKrupp, so die Überlegungen, behält ein Drittel der Aktien an dem Stahlwerk in Brasilien; der ThyssenKrupp-Partner Vale, ein brasilianischer Erzlieferant, stockt seinen Anteil von bisher 27 Prozent auf 33 Prozent auf. In das restliche Drittel würde Steinbruchs Stahlkonzern CSN einsteigen und die Führung übernehmen. Das Stahlwerk in Alabama würde Steinbruch ganz übernehmen.

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