Ende der Subventionen: Messen sollen sich selbst finanzieren

Ende der Subventionen: Messen sollen sich selbst finanzieren

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Erfolgreiches Messejahr 2011 - Die Krise der deutschen Messen scheint überwunden, die Besucher strömen in Scharen.

von Lothar Schnitzler

Über Jahrzehnte konnten sich Deutschlands Messefürsten auf die Spendierfreude ihrer Eigentümer verlassen. Jetzt verlangen Städte und Länder, dass die Gesellschaften Geld verdienen.

Ein Bombenjahr! Eigentlich hatte Münchens Messechef Klaus Dittrich für 2011 nicht viel erwartet. Denn die ungeraden Jahre gehören meist zu den schwächeren im Münchner Messeturnus: Die großen Umsatzbringer wie die Umweltmesse IFAT Entsorga oder die Electronia finden nur alle zwei Jahre statt. Trotzdem lag das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen mit 39 Millionen Euro fast 80 Prozent über dem Vorjahr. Der Umsatz übertraf mit 181 Millionen Euro den Plan um elf Millionen. „Es ist für uns sehr gut gelaufen“, sagt Dittrich.

Eitel Sonnenschein auch in Köln. Viele Jahre gehörte der rheinische Messeplatz zu den Sorgenfällen der Branche: Große Veranstaltungen wie die Herrenmodemesse oder die Domotechnica wanderten ab, die Eisenwarenmesse ging vom jährlichen auf einen zweijährlichen Zyklus – dazu kam ein Skandal um hohe Hallenmieten.

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Doch jetzt geht es wieder aufwärts. Die Kölner haben 2011 auf fast allen Messen bei Standfläche, Besucher- und Ausstellerzahl gegenüber den Vorveranstaltungen zweistellig zugelegt. Dabei hatten schon die beiden Vorjahre Rekordumsätze beschert. „Wir sind sehr optimistisch für das kommende Jahr“, sagt Messefinanzchef Herbert Marner.

Spendierfreude vergangen

In guter Stimmung gehen fast alle deutschen Messemacher ins Jahr 2012, ob an Rhein und Isar, in Berlin, Stuttgart, Nürnberg oder Frankfurt. „Deutschlands Messen haben nach der Krise wieder zur alten Form gefunden“, stellt Peter Neven, Geschäftsführer des Messeverbandes Auma zufrieden fest.

Etwas anderes als gute Zahlen können sich Deutschlands Messebosse allerdings kaum noch leisten. In Zeiten knapper Kassen sind die Eigentümer der gigantischen Ausstellungsareale, in der Regel Städte und Bundesländer, zu einer Dauerbezuschussung nicht mehr bereit. Jährliche Millionenüberweisungen oder Startgeschenke in Milliardenhöhen gehören zunehmend der Vergangenheit an. „Grundsätzlich streben wir an, dass sich die Messegesellschaft selbst finanziert“, bringt Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters die neue Linie auf den Punkt. Damit geht die Zeit zu Ende, in der die Messezaren ihre Forderungen nach großzügigen Investitionen in neue Hallen gern mit der sogenannten Umwegrentabilität begründeten.

Der sperrige Begriff zielt auf die Einnahmen, die Messen und Kongresse den Taxifahrern, Hoteliers oder dem örtlichen Einzelhandel bescheren. Doch damit wollen sich die öffentlichen Kassenwarte nicht mehr zufriedengeben. „Der Hinweis auf die messeabhängigen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen allein zieht bei den Eigentümern immer weniger“, sagt Auma-Geschäftsführer Neven.

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