Bild: REUTERSDas Drama um den Dreamliner ist für Boeing noch lange nicht vorbei. Auch wenn der Prestigeflieger bald seine Starterlaubnis wieder zugesprochen bekommt, dürfte bei dem US-Flugzeugbauer von Normalität noch lange keine Rede sein. Experten zufolge droht dem Langstreckenjet zunächst die Verbannung auf die Kurzstrecke. Um sicherzustellen, dass das neue Batteriesystem der Boeing 787 auch wirklich funktioniert, könnte die US-Flugaufsicht FAA die Reichweite deutlich begrenzen. Damit wären Routen wie über See, für die der Dreamliner eigentlich konzipiert ist, tabu. Für Boeing und die Airlines würde dies ein herber Rückschlag sein.
Bild: REUTERSDie Zeit des Stillstands könnte schon bald vorbei sein: Am 25. März unternimmt Boeing den ersten Testflug mit überarbeiteten Batterien. Laut der Crew habe alles nach Plan funktioniert, jetzt müssten die gesammelten Daten ausgewertet werden, so ein Firmensprecher. In den kommen Tagen könne dann mit dem Genehmigungsverfahren begonnen werden. Boeing muss die veränderten Batterien von der US-Flugaufsicht FAA absegnen lassen. Dazu gibt es Tests am Boden und einen weiteren sogenannten Demonstrationsflug. Geht alles glatt, könnten die 50 bis dato an Kunden ausgelieferten „Dreamliner“ wieder starten, sobald sie umgebaut sind. Der Airbus-Rivale könnte dann auch mit der zwischenzeitlich gestoppten Auslieferung neuer Maschinen fortfahren. Fluggesellschaften haben weitere rund 800 der besonders sparsamen Langstreckenflieger bestellt.
Bild: REUTERSDer erste Schritt für Boeings pannengeplagten Dreamliner zurück in den Liniendienst ist gemacht: Die US-Flugaufsicht FAA genehmigte am 12. März (Ortszeit) Boeings Lösungsvorschläge, mit denen die Batterieprobleme behoben werden sollen. Vor allem die Gefahr interner Kurzschlüsse in den Batterien soll dank einer neuen Konstruktion minimiert werden. Ein Brand in der Batterie könne dank eines speziellen Gehäuses erst gar nicht mehr entstehen. Umbauten sollen sicherstellen, dass bei einer Überhitzung umliegende Systeme oder Menschen nicht in Gefahr geraten: Beim notgelandeten Dreamliner war Rauch in die Kabine eingedrungen. Bevor das seit Mitte Januar bestehende Flugverbot allerdings fällt, stehen noch umfangreiche Tests an.
Bild: REUTERSBoeings Dreamliner darf für Testflüge wieder starten. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA erteilte am 8. Februar die Genehmigung. Die Behörde hatte Mitte Januar verfügt, dass das Modell am Boden bleiben muss, bis die Ursache für Batterieprobleme gefunden ist. Eine Batterie hatte gebrannt, eine weitere geschmort. Die Testflüge sollten dazu dienen, Daten über die Batterien und die elektrischen System zu sammeln, erklärte die FAA. Es gebe aber eine Reihe von Sicherheitsauflagen: Die Flüge dürften etwa nur in bestimmten Zonen über unbesiedeltem Gebiet stattfinden. Nach Untersuchungen der US-Sicherheitsbehörde NTSB hatten Kurzschlüsse zum Brand geführt.
Bild: REUTERSBoeing arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge an Änderungen der in die Kritik geratenen Batterien des Dreamliners. Durch die Änderungen sollen Brandrisiken minimiert werden, so dass der Dreamliner frühestens ab März wieder fliegen könne, berichtete die Zeitung "Wall Street Journal". Boeing arbeite derzeit an einer ganzen Reihe von Verbesserungen an den Batterien. Ziel sei es, dass sich Hitze oder ein Brand nicht ausbreiteten. Technische Details stünden aber noch nicht abschließend fest und seien auch noch nicht beschlossen.
Im Bild: Die verbrannte Batterie, die an Bord eines Dreamliners der All Nippon Airways zu einer Notlandung führte, neben einer neuen.
Bild: REUTERSNotrutschen sind an der All Nippon Airways (ANA) Boeing 787 zu sehen, nachdem der Dreamliner am Flughafen Takamatsu im Januar notlanden musste. Schwer verletzt wurde niemand. Ein Sprecher erklärte, die Notlandung sei wegen der Anzeige von Batterieproblemen im Cockpit vorgenommen worden (Lesen Sie hierzu auch: Brand im Dreamliner: Risiko für das Elektroauto). In den Medien wurde zudem über Qualm im Flugzeuginneren berichtet. Das Verkehrsministerium wertete die Notlandung als "schwerwiegenden Vorfall", der zu einem Unglück hätte führen können. ANA nahm umgehend ihre 17 Dreamliner und Japan Airlines alle sieben Flugzeuge des gleichen Typs vorübergehend aus dem Betrieb, um weitere Untersuchungen vorzunehmen. Kurz darauf zog die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA alle Maschinen des Typs Boeing 787 vorübergehend aus dem Verkehr, in der Reaktion halten auch Europa, Indien und Chile ihre Dreamliner vorerst am Boden.
Bild: REUTERSIn Japan war erst am 9. Januar ein Flug einer Dreamliner-Maschine gestrichen worden. Als Grund nannte die Fluggesellschaft All Nippon Airways Probleme mit den Bremsen des Boeing-Flaggschiffs. Auslöser sei eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert, gewesen. Nun solle der Bremscomputer ausgetauscht werden. Der Flug sollte von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio gehen.
Bild: REUTERSNur einen Tag zuvor, am 8. Januar, musste eine Maschine der Fluggesellschaft Japan Airlines wegen eines Lecks am Treibstofftank am Bostoner Flughafen den Start nach Tokio abbrechen. Laut Feuerwehr traten rund 150 Liter Treibstoff aus. Es habe aber kein Feuer gegeben, und niemand sei verletzt worden. Am 7. Januar war eine Batterie in einer Hilfsturbine eines Dreamliners explodiert. Eine Gefahr für die Passagiere und die Crew habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, da die 787 bereits ihre Parkposition am Bostoner Flughafen erreicht hatte.
Laut einem Medienbericht hat auch United Airlines Schwierigkeiten mit einem seiner Dreamliner. Es handele sich um das Kabelproblem, dass auch an Bord der Japan-Airlines-Maschine für Probleme gesorgt habe, berichte das "Wall Street Journal". United habe seine Maschinen kontrolliert, nachdem Japan Airlines seinen Dreamliner aus dem Verkehr gezogen habe.
Bild: REUTERSZuletzt musste sich der Flugzeughersteller mit undichten Treibstoffleitungen beim gleichen Flugzeugtyp herumschlagen. Bis Ende Oktober hatte Boeing gut 30 dieser Maschinen ausgeliefert, nachdem sich die Erstauslieferung wegen technischer Probleme um mehr als drei Jahre verzögert hatte.
Bild: dapdDie Boeing 787 am Boden: Der US-Flugzeugbauer kämpfte im Frühjahr 2012 mit Schwierigkeiten bei seinem Langstrecken-Flieger. Beim Dreamliner wurden bestimmte Zwischenteile am Heck einiger Maschinen bislang falsch eingebaut. Diese Teile dienen zum Verbinden größerer Rumpf-Bauteile, die nicht exakt aneinanderpassen. Durch den Baufehler hätten sich bei einigen Flugzeugen Teile vom Rumpf abgelöst. Flugzeugbauer bestätigte diese Einzelheiten nicht, betonte aber, die Flugzeuge seien trotz des Problems sicher.
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Das Drama um den Dreamliner ist für Boeing noch lange nicht vorbei. Auch wenn der Prestigeflieger bald seine Starterlaubnis wieder zugesprochen bekommt, dürfte bei dem US-Flugzeugbauer von Normalität noch lange keine Rede sein. Experten zufolge droht dem Langstreckenjet zunächst die Verbannung auf die Kurzstrecke. Um sicherzustellen, dass das neue Batteriesystem der Boeing 787 auch wirklich funktioniert, könnte die US-Flugaufsicht FAA die Reichweite deutlich begrenzen. Damit wären Routen wie über See, für die der Dreamliner eigentlich konzipiert ist, tabu. Für Boeing und die Airlines würde dies ein herber Rückschlag sein.
Auf den ersten Blick ist Marcin Piróg sicher einer der mutigsten Manager in der Flugbranche. Denn der Chef der polnischen Fluglinie Lot startete Mittwochnachmittag wie geplant den ersten Linienverkehr einer europäischen Fluglinie mit der neuen Boeing 787. Und das, obwohl mit All Nippon und Japan Airlines die beiden wichtigsten Erstkunden des Dreamliner den Wundervogel nach einer Notlandung im südjapanischen Yamaguchi zumindest bis Freitag außer Dienst gestellt haben.
Doch bei genauerem Hinsehen ist der Vorfall von Dienstagnacht weit weniger dramatisch als der Eindruck aus den Videos und Fotos von der Notevakuierung. Zwar rühren die Probleme wieder von der Elektrik und dem Lithium-Ionen-Akku her. Hier gab es bereits beim ersten und bislang schlimmsten der insgesamt sechs Zwischenfälle in den vergangenen anderthalb Wochen Probleme. Doch auch wenn noch nicht alle Einzelheiten fest stehen: es gab zumindest kein offenes Feuer. Weil die Batterie offenbar undicht war, gab es eine Warnanzeige und einen ungewöhnlichen Geruch im Flugzeug.
Aus Expertensicht ist die Stilllegung der 787 eher eine Vorsichtsmaßnahme. Denn auch wenn Boeing nach eigenen Angaben die Teile des Flugzeugs, in denen die Akkus sitzen, so konstruiert hat, dass sie einem Batterie-Feuer stand halten und Gefahr vom Rest des Flugzeugs abwenden. Bei einem Flugzeug sind die Standards so streng, dass jegliches Risiko ausgeschlossen werden soll.
Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich
Airbus und das Boeing-Zivilgeschäft im Vergleich
Umsatz (in Millionen Euro):
Airbus: 33.103
Boeing: 27.931Gewinn (Ebit, in Millionen Euro):
Airbus: 584
Boeing: 2.699Beschäftigte:
Airbus: 55.000
Boeing: 80.000Angaben für 2011
Auftragsbestand
Flugzeuge:
Airbus: 4.437
Boeing: 3.371Wert (in Millionen Euro, Listenpreis):
Airbus: 495.513
Boeing: 226.487Angaben für 2011
Bestellungen und Auslieferungen
Bestellungen 2011:
Airbus: 1.419
Boeing: 805Bestellungen 2012 (Stand: 31. August):
Airbus: 384
Boeing: 666Auslieferungen 2011:
Airbus: 534
Boeing: 477
Doch spätestens seit Dienstagnacht ist das Wohlwollen in Sachen 787 für Boeing aufgebraucht. "Boeing erlebt gerade den schlechtesten Start eines neuen Flugzeugmodells", sagt der renommierte US-Flugzeugexperte Richard Aboulafia. Nach der jüngsten Pannenserie müssen mittlerweile die meisten bisher ausgelieferten 787-Maschinen am Boden bleiben. Auch Europa, Chile und Indien schlossen sich am Donnerstag einer entsprechenden Anordnung der US-Luftfahrtbehörde FAA an, die angewiesen hatte, die Dreamliner in den USA vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen. Die FAA hatte damit ein weltweites Zeichen gesetzt, da sich die Sicherheitsbehörden in anderen Ländern oft nach dem Land richten, in dem das Flugzeug gefertigt wird - in diesem Fall also nach den Vereinigten Staaten. Es ist die erste Stilllegung eines westlichen Flugzeugs seit 1979. Damals legte die FAA die MDonnell-Douglas DC 10 nach einem spektakulären Absturz für mehrere Wochen still.
Die Vorfälle sind für Boeing nicht nur peinlich oder unangenehm. Wenn ein Flugzeug trotz des bislang umfangreichsten Testprogramms der Branche nicht richtig funktioniert, kratzt das am Ruf des weltgrößten Luftfahrtkonzerns und lässt Passagiere trotz aller Zusicherungen mit einem unguten Gefühl einsteigen. Das trifft auch die Fluglinien. Die können für ihre Flüge mit der neuen 787 wohl nicht länger höhere Preise verlangen. Es ist sicher kein Zufall, dass All Nippon auf seiner Facebook-Seite das Foto des Dreamliners durch ein Bild von der älteren, aber zuverlässigen Boeing 777 ersetzt.
Jedes weitere Problem könnte aus seiner Sicht der 787 ernsthaft zusetzen und nicht nur zu Schadensersatzforderungen der Betreiberairlines führen, sondern auch gar zu strengen Auflagen der Zulassungsbehörden. Hierzu könnten größere Änderungen bei der Elektrik und dem Batteriesystem führen. Das würde nicht nur weitere Verzögerungen des bereits gut drei Jahre verspäteten Vogels mit sich bringen.
Jede Änderung das Flugzeug wahrscheinlich schwerer und führt zu einem höheren Verbrauch. Änderungen betreffen auch Airbus, deren K787-Konkurrenzmodell A350 ebenfalls auf mehr Elektronik und Lithium-Batterien setzt, wenn auch nicht im gleichen Maß wie der Dreamliner. Und am Ende sind Zweifel an den Batterien auch ein Warnzeichen für die Autoindustrie beim Start des Elektroautos.
























